Joshua Kimmich will sich doch impfen lassen.


Besser spät, als nie: Bayern-Spieler Joshua Kimmich will sich nun doch zum nächstmöglichen Zeitpunkt impfen lassen, kündigt er in einem ZDF-Interview an: "Generell war es für mich einfach schwierig mit meinen Ängsten und Bedenken umzugehen, deshalb war ich auch so lange unentschlossen". Inzwischen gesteht er sich ein: "Es wäre besser gewesen, mich früher impfen zu lassen. Vielleicht musste ich auch erst das durchleben, was ich jetzt durchlebt habe."

Kritik übt Kimmich an der Medien-Berichterstattung zu seinem Fall, hier seien zum Teil Grenzen überschritten worden. So seien etwa bei der Beerdigung seines Großvaters Reporter zugegen gewesen, Journalistinnen hätten seine Familie in seinem Heimatort aufgesucht. "Respekt, Toleranz und Offenheit" hätten ihm in der Diskussion gefehlt. Zudem habe er das Gefühl gehabt, "dass es den ein oder anderen gab, der versucht hat, sich durch diese Diskussion zu profilieren".

Für seine Umentscheidung bekommt Kimmich positive Reaktionen aus Politik und Medien. Gesundheitsminister Karl Lauterbach etwa findet, Kimmichs Entschluss verdiene Respekt. Kimmich sei nie Querdenker gewesen, sondern habe "nur zu lange gezögert": "So geht es leider vielen, auf den Intensivstationen bereuen viele ihr Zögern." Man müsse die Zögernden daher "gezielter ansprechen". SPD-Politikerin Sawsan Chebli twittert, Kimmich sei eine "wichtige Stimme" – als Vorbild könne seine Erfahrung Impfgegner nun zum Umdenken bewegen. Auch von Werber Raphael Brinkert kommt Lob: "Stark ist, wer keine Fehler macht. Stärker ist, wer aus ihnen lernt." In eine ähnliche Richtung geht "Bild"-Sportchef Matthias Brügelmann: Kimmich beweise "Souveränität, indem er eine Fehleinschätzung einräumt und korrigiert". Es wäre jedoch "anmaßend, die Beweggründe seiner Impfung moralisch zu bewerten". "Spiegel"-Redakteur Peter Ahrens will Kimmich sogar den Titel "Mann des Jahres" verleihen, sein Fall stehe "symptomatisch für vieles, das in diesem Land passiert ist im Herbst 2021". So wie Kimmich sei es vielen Menschen im Land ergangen: "Fehleinschätzungen, Verharmlosungen, und plötzlich ist man nicht mehr Herr der Lage. Die Politik hat irgendwann reagiert, umgesteuert, Kimmich hat noch ein wenig länger gebraucht, jetzt tut er es auch."

Kimmich hatte sich Ende Oktober als Impf-Skeptiker geoutet, wegen persönlicher Bedenken und fehlenden Langzeitstudien hatte er sich bisher nicht zur Impfung durchringen können. Kurze Zeit darauf hat sich Kimmich mit Covid infiziert, aufgrund von "leichten Infiltrationen in der Lunge" fällt er bis Jahresende bei seinem Verein aus.
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