
Funke-Verlegerin Julia Becker überrascht beim European Publishing Congress in Wien mit der Forderung, Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren die Nutzung von Social Media komplett zu verbieten. Sie nimmt dabei Bezug auf den jüngst aufgedeckten Cybercrime-Fall in Hamburg. "Spätestens jetzt kann niemand mehr die Augen vor der Dimension des Bösen im Netz verschließen", sagt Becker. Das Internet sei "ein Tummelplatz von Tätern, die es bewusst auf Kinder und Jugendliche abgesehen haben". Die Politik zucke "nur hilflos mit den Schultern". Als Vorbild nennt Becker Australien, wo der Zugang zu Instagram, TikTok & Co für Unter-16-Jährige illegal ist. Deutschland müsse entsprechend nachziehen – auch mit Verbotsgesetzen. "Das Smartphone ist inzwischen 18 Jahre alt, die Politik aber nie erwachsen geworden", so Becker.
Auch in Sachen KI fordert Becker von der Politik mehr Regulierung: "Wir brauchen als Verlage die Möglichkeit, unsere Inhalte für KI zu sperren", andernfalls drohe eine "Enteignung geistigen Eigentums", warnt Becker. Den Vorschlag von Kultur- und Medienstaatsministers Wolfram Weimer, auch in Deutschland eine Art Digitalsteuer einzuführen, begrüßt becker im Grundsatz. Weimer habe hier "einen ersten holperigen Anlauf gemacht".
kress.de, derstandard.at, open.spotify.com (31-Min-Audio, Beckers Vortrag zum Nachhören)
(Foto: Medienfachverlag Oberauer/APA-Fotoservice/Ludwig Schedl)
Transparenzhinweis: Der European Publishing Congress ist eine Veranstaltung des Medienfachverlags Oberauer, zu dem auch turi2 gehört.