
War nicht klar genug: NDR-Intendant Hendrik Lünenborg (Foto links) hat Kommunikationsfehler bei der Personalie Julia Ruhs eingestanden. Die Kommunikation sei "wirklich nicht optimal" gewesen, sagt er der dpa: "Das kann man gar nicht anders sagen, denn wir haben ja das Format fortgesetzt." Den Vorwurf, Ruhs sei gecancelt worden, weist Lünenborg mit Blick auf die weiter geplanten "Klar"-Sendungen mit Ruhs beim BR zurück: "Es ist niemand gecancelt worden." An Personalentscheidungen und Moderatoren würden sich "immer wieder mal die Geister scheiden": Das müssen der ÖRR "aushalten, weil wir sonst uns selbst auch zu sehr einschränken".
Derweil nennt WDR-Chefredakteur Stefan Brandenburg den Vorgang rund um Ruhs in einem Linked-in-Posting "ein Desaster mit Ansage". Man müsse dem Auftrag, "unterschiedlichste Sichtweisen" zu bieten, "stärker nachkommen als bisher". Das Problem lasse sich nicht dadurch lösen, dass in den "Tagesthemen" mitunter "konservative Kommentare gesendet werden oder dass bei 'Maischberger' bestimmte Gäste sitzen".
Beim Thema Migration gebe es beispielsweise Aspekte, "die bei uns zu wenig vorkommen", gibt sich Brandenburg selbstkritisch. Dennoch übt er auch Kritik an der umstrittenen "Klar"-Ausgabe zu dieser Thematik: "Eine Sendung vorwiegend damit zu bestreiten, alle negativen Aspekte auf einmal zusammenzutragen, und das genau so anzukündigen, kommt mir ziemlich unterkomplex vor." Es ist nicht das erste Mal, dass Brandenburg für mehr Meinungsvielfalt bei den Öffentlich-Rechtlichen wirbt: Im Frühjahr 2024 plädierte er in einem "Zeit"-Gastbeitrag für "Perspektivenvielfalt auch da, wo es schmerzhaft wird" und den "eigenen Überzeugungen widerspricht".
stern.de, digitalfernsehen.de (ganzes Interview), linkedin.com, turi2.de (Background)
(Foto: NDR/Janis Röhlig (Lünenborg), Annette Riedl / dpa / picturedesk.com (Brandenburg), Montage: turi2)