
Nach dem Einstieg von Jacob Burda und Elisabeth Burda Furtwängler ins Unternehmen soll bei Hubert Burda Media "Unruhe auf allen Ebenen" herrschen, schreibt Henning Hinze im "Manager Magazin". Im Juni hatte Burda die Aufspaltung in Mediengeschäft und Beteiligungen vollzogen, wobei nicht allen im Unternehmen klar sei, "was die operative Trennung der beiden Geschäfte dem Haus jetzt bringen soll", hört Hinze. Nach einem Treffen von Unternehmensleitung und Führungskräften Anfang Juli am Tegernsee wolle Verwaltungsratschef Olaf Koch in den kommenden Monaten in einer Reihe von "Burda Colleges" von wechselnder Größe und Besetzung eine "Vision" für den Konzern und seine Sparten entwickeln. Kochs Botschaft laut Hinze: "Das Tagesgeschäft wird uns nicht retten. Burda muss neu gebaut werden, Abrissarbeiten inklusive." Die Berufung des früheren Metro-Chefs im vergangenen Winter kam überraschend, da Koch bisher keine Erfahrung im Mediengeschäft hatte. Jedoch habe er als "Pragmatiker" "schnell einen Draht zu den Junggesellschaftern" gefunden, so Hinze. Da beide Burda-Sprösslinge bisher keine Erfahrung in operativer Führung hätten, solle Koch sie nun "so gut es geht coachen".
Dringlichkeit herrsche auch deshalb, weil Burda das vierte Jahr in Folge schrumpfe, "nicht dramatisch, aber kontinuierlich": Lag der Konzernumsatz 2021 noch bei 2,94 Mrd Euro, waren es 2024 nur noch 2,74 Mrd Euro. "In zentralen Bereichen hat Burda den Anschluss verloren", urteilt Hinze. Das Zeitschriften-Geschäft stehe "ohne nennenswerte Größe an Digitalabonnements da", einige Digitalbeteiligungen, wie etwa die Xing-Mutter New Work, seien "im freien Fall". Burda-Equity-CEO Marc Al-Hames und Jacob Burda würden derzeit das Portfolio nach möglichen Verkaufskandidaten durchleuchten. "Noch 2025" sollen Entscheidungen fallen, hört das "Manager Magazin" von einer in die Pläne eingeweihten Person. Das Umfeld lege derzeit jedoch keine Eile nahe: "Wenn Zinsen sinken würden, hätte Burda eine Riesenchance für gute Exits."
Auf Verlagsseite hätten Elisabeth Burda Furtwängler und Ex-Springer-Vorständin Ulrike Handel, die seit Februar im Burda-Verwaltungsrat sitzt, Ende Juni einen Kreativprozess angestoßen, bei dem sie Chefredakteure und Verlagsmitarbeiter um "frische Ideen" gebeten haben. Dabei soll in den ersten Wochen eine "solide dreistellige Zahl von Eingaben" eingegangen sein. Für die Verlagssparte suche eine Headhunterin derzeit nach einer obersten Führungskraft. Der bisher verantwortliche Philipp Welte soll dann in den Verwaltungsrat aufsteigen.
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(Foto: Sabine Brauer for Hubert Burda Media)