Nach Schlesinger-Rücktritt: Die ARD bemüht sich um Aufklärung.


Aufräumarbeiten: Der RBB verordnet sich nach dem Rücktritt seiner Intendantin Patricia Schlesinger größtmögliche Transparenz und öffentliche Aufklärung im eigenen Programm. In einem selbstkritischen RBB24 Spezial nach der "Tagesschau" etwa kommt Kayhan Özgenç, Chefredakteur vom Springer-Portal "Business Insider", zu Wort und kündigt neue Recherchen an: Unterlagen würden belegen, dass "ein noch viel größeres System" im RBB vorgeherrscht habe, und dass nicht nur Schlesinger "dort mit drinhängt". Das Alltagsgeschäft des RBB wieder ins Laufen zu bringen und den Dialog mit der Belegschaft zu finden, sei nun das Wichtigste, sagt Hagen Brandstäter, geschäftsführender RBB-Intendant, im Interview: "Kolleginnen und Kollegen sollen sich äußern und auch Kritik aussprechen können." Das habe "offensichtlich in den vergangenen Monaten und Jahren gelitten".

Angesprochen auf den Vorwurf, Mitte Juli nicht zum Hauptausschuss des Landtags Brandenburgs erschienen zu sein, betont die Vorsitzende des Rundfunkrats, Friederike von Kirchbach, ein "Garant der Staatsferne" zu sein. Man sei "das Gegenüber der Operative". Der Hauptausschuss hätte den Rundfunkrat jedoch eingeladen, "als wären wir ein Teil davon". Zudem macht sie deutlich: "Wir sind im Ehrenamt, wir bekommen kein Geld für unsere Arbeit."

Auch die Tagesthemen machen mit Schlesingers Rücktritt auf. Medienkritiker Stefan Niggemeier schätzt den Schaden der ARD im Gespräch mit Moderator Helge Fuhst als "immens" ein. Zudem stellt er die Rolle des Rundfunkrats in Frage – problematisch sei etwa, dass im Rundfunkrat nur ehrenamtliche Menschen sitzen, also "nicht unbedingt ausgewiesene Fachleute", die bisweilen zudem nur eine "begrenzte Menge an Zeit und Engagement" hätten. Es müsse ein Gremium etabliert werden, "dass die Kraft und Macht hat, die Geschäftsleitung zu kontrollieren".

Zuvor ist am Montag der Rundfunkrat des Senders zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Inhaltlich bleiben große, neue Erkenntnisse aus: In einem Presse-Statement stellt der Rundfunkrat klar, dass die Aufklärung weiter "höchste Priorität" habe. Zudem spricht er sich dafür aus, Mitarbeitende aktiv in den Aufklärungsprozess einzubeziehen. Eine weitere Sondersitzung ist bereits für kommenden Dienstag geplant, darin soll es um Detailfragen zur Vertragsauflösung von Schlesinger gehen und um die weitere Rolle von Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf, der sein Amt aktuell ruhen lässt.

"Spiegel"-Journalist Anton Rainer geht in seinem Bericht ausführlich auf die Sondersitzung ein und beschreibt eine schwankende Stimmung "zwischen Wut und Fassungslosigkeit über die Eskapaden an der Senderspitze" bei den Mitgliedern. Kritisch sieht der Rundfunkrat z.B., dass sich eine Findungskommission mit der Schlesinger-Nachfolge auseinandersetzen soll. Denn die würde sich u.a. mit Mitgliedern des Verwaltungsrats zusammensetzen – also jenem Kontrollgremium, das eine "kollektive Verantwortung für die Versäumnisse der vergangenen Jahre" trage.
presseportal.de, spiegel.de (Paid), ardmediathek.de (19-Min-Video, "RBB24 Spezial"), ardmediathek.de (35-Min-Video, "Tagesthemen"), turi2.de (Background RBB-Rücktritt), turi2.de (Background Compliance-Vorwürfe)
(Foto: Holger Talinski)