ProSiebenSat.1 macht Weg für Übernahme durch MFE frei, Gewerkschaften fürchten Verlust von Unabhängigkeit.

Empfehlungsschreiben: Vorstand und Aufsichts­rat von ProSiebenSat.1 empfehlen den Aktionären des Medien­konzerns, das Über­nahme­angebot des italienischen Groß-Gesell­schafters Media For Europe anzunehmen. Das MFE-Angebot unter­streiche das "langfristig angelegte Investment und fortgesetzte Engagement" der Italiener bei ProSiebenSat.1. Das Unternehmen der Berlusconi-Familie bietet je P7S1-Aktie 4,48 Euro in bar sowie 1,3 MFE-A-Aktien, was bei aktuellem Kurs einen Gesamt­preis von 8,07 Euro ergäbe. Der tschechische Investor PPF will 7,00 Euro in bar zahlen. Gleichzeitig macht der P7S1-Vorstand es den Aktionären schmackhaft, dass MFE die Kontrolle über ProSiebenSat.1 gewinnen könnte: "Im Zuge einer Kombination beider Unternehmen" könnten innerhalb von vier bis fünf Jahren "jährlich wieder­kehrende Kosten­synergien in Höhe von rund 150 Mio Euro realisiert werden", also eingespart werden können. Dies setze aber "die vollständige rechtliche Integration von ProSiebenSat.1 in MFE voraus".

Bei den Gewerkschaften schrillen die Alarmglocken: Der Bayerische Journalisten-Verband fordert von der Sender­gruppe eine "Bestands­garantie" für den Standort München. "Unter dem Plan, einen europäischen Medien-Konzern zu schaffen, dürfen die Vielfalt und der journalistische Anspruch hier vor Ort keinesfalls leiden", sagt der BJV-Vorsitzende Harald Stocker. Auch die Ankündigung, durch Synergien Kosten reduzieren zu wollen, sei "keine Rechtfertigung dafür, sich der publizistischen Verantwortung zu entziehen". Der DJV kritisiert die Entscheidung des Managements als "kurz­sichtig". DJV-Chef Mika Beuster sieht "die Gefahr, dass der deutsche Sender schleichend auf populistische Berlusconi-Linie getrimmt werde". MFE biete keine Gewähr "für den Fort­bestand von Medien­vielfalt und kritischem Journalismus bei ProSiebenSat.1".
meedia.de, dwdl.de, prosiebensat1.com, bjv.de, djv.de