Rückzug: Frauke Brosius-Gersdorf kritisiert Medien-Berichterstattung zu ihrer Person – vor allem in einem Blatt.


Rechts­wissensc­haftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zieht ihre Kandidatur zur Verfassungs­richterin zurück und äußert in diesem Zusammen­hang scharfe Kritik an der Rolle der Medien. In einer Stellung­nahme kritisiert sie insbesondere ein "Qualitäts- und Leit­medium", von dem "einzelne Journalisten (nicht: Journalistinnen) zunächst 'Speer­spitze' eines ehr­abschneidenden Journalismus" gewesen seien. Sie nennt das Medium nicht beim Namen, gemeint sein dürfte aber die "FAZ". In dem Blatt sei das Narrativ einer "ultra­linken" "Aktivistin" geprägt worden, obwohl die Verantwortlichen hätten wissen müssen, "dass hiermit ein wirklich­keits­fremdes Zerrbild gezeichnet wird", schreibt sie. Ein "Kampagnen­charakter" habe sich auch in Artikeln über ihre Position zum Schwanger­schafts­abbruch "mani­festiert". Dies könne "nicht dem Anspruch eines Qualitäts­mediums entsprechen, das gerade in Juristen­kreisen Verbreitung und Wert­schätzung genießt", schreibt Brosius-Gersdorf. Zuletzt habe sie eine "veränderte Bericht­erstattung im Blatt" wahr­genommen, was "Ausdruck einer entsprechenden Selbst­reflektion" sein könnte.

"FAZ"-Herausgeber Jürgen Kaube kontert in einem Kommentar, es sei "verstiegen", dass Brosius-Gersdorf behaupte, Journalisten seiner Zeitung hätten eine Kampagne gegen sie geführt. "Dass die Juristin es für unstatthaft hält, dass aus anonymen Quellen zitiert wird, ist vom Presse­recht nicht gedeckt. Dass sie das, was diese Quellen aus der Union sagten, in einem zweiten Schritt dem Journalisten vorwirft, kommt hinzu", schreibt Kaube. Er rät Brosius-Gersdorf, "selbst in einer schwierigen Situation nicht blind um sich schlagen".

Neben den Medien nimmt Brosius-Gersdorf in ihrer Stellungnahme auch Social Media ins Visier: Es sei "bedrohlich", dass sich "in sozialen Netzwerken organisierte und zum Teil KI-generierte Des­informations- und Diffamierungs­kampagnen Bahn brechen zur Herz­kammer unserer Demokratie, dem Parlament". Von politischen Funktions­trägern erwarte sie, dass Grund­lage ihrer Entscheidungen "nicht unge­prüfte Behauptungen und Stimmungen, sondern Quellen- und Fakten­analysen sind". Die Politik müsse "Resilienz" gegenüber "von bestimmten Seiten geführten Kampagnen" zeigen. Lasse sich die Politik "auch künftig von Kampagnen treiben", drohe "eine nach­haltige Beschädigung des Verfahrens der Bundes­verfassungs­richter­wahl".
medien.epd.de (€, Zusammenfassung), evangelische-zeitung.de, (Zusammenfassung Kaube), faz.net (€), tagesspiegel.de (Stellungnahme im Volltext)

(Foto: IMAGO / teutopress)