
Gemischte Gefühle: Für den TV-Abschied von Thomas Gottschalk bei RTL finden die Kritiker lobende und tadelnde Worte. Im Spiegel sieht Janko Tietz einen "Abschied auf Kik-Discounter-Niveau". Die RTL-Show "Denn sie wissen nicht, was passiert" steht für ihn "stellvertretend für den Niedergang des ganzen Landes". Der Sender habe Gottschalk mit einer Routine verabschiedet, "als ginge der Sachbearbeiter Klaus Müller aus dem Controlling in den Ruhestand".
Johanna Ewald sieht für die Funke Medien "eine Art Humor, der an alte Gottschalk-Abende erinnert – allerdings an jene, über die man später diskutiert hat". Die Show sei manchmal lustig gewesen, habe aber meist "wie aus einer Zeit gefallen" gewirkt, in der Unterhaltung auf Kosten anderer funktioniert habe.
Marlene Knobloch beurteilt den TV-Abend in der "Zeit" als "unkitschig" und "historisch". Selbst Sven Kuschel von "Bild", sieht "eine ruhige Würdigung. Kein Feuerwerk", wenn er auch mit "Tränen-Abschied" titelt und noch etwas tiefer in die Emotionen-Kiste greift, als andere Beobachter. Beim Schwesterblatt "Welt" ist Volker Corsten der Meinung: "Diese letzte Show hätte man Thomas Gottschalk ersparen sollen." Der Versuch von RTL "eine normale Spielshow zu simulieren" sei gründlich misslungen. Mit seinem Interview am Ende der Sendung habe Günther Jauch den Abgang seines alten Freundes "gerettet".
Im "Tagesspiegel" beobachtet Joachim Huber, wie sich die Stimmung in den Medien zugunsten Gottschalks drehte, nachdem er seine Krebs-Erkrankung öffentlich gemacht haben: Die "Ekpathie" sei in "Empathie" umgeschlagen. "Jetzt werden Daumen gedrückt, die vorher nach unten gezeigt wurden." Gottschalk, ist Huber überzeugt, "hat sich um das deutsche Fernsehen verdient gemacht".
spiegel.de (€), morgenpost.de (Funke), zeit.de, bild.de, welt.de, tagesspiegel.de
(Foto: RTL / Julia Feldhagen)