Streit um Presseähnlichkeit: WDR befürchtet Abstieg in “digitale Kreisliga”, “Saarbrücker Zeitung” nennt Selbstverpflichtungs-Vorschlag “Nebelkerze”.


Pro und Kontra: Kurz vor der Ministerpräsidenten-Konferenz veröffentlicht die "FAZ" zwei Gastbeiträge zu dem umstrittenen Presseähnlichkeits-Verbot im ÖRR. Ein Textverbot würde die Öffentlich-Rechtlichen "digital in die Kreisliga" absteigen lassen, befürchtet WDR-Newsroom-Chef Stefan Brandenburg. Man könne dann den Auftrag für die Demokratie nicht erfüllen. Eine Breaking-News-Ausnahme sei keine Lösung: Viele regionale Infos könnten "nicht warten, bis irgendwo eine Sendung das Thema gebracht hat". Brandenburg plädiert dafür, mehr mit den Lokalzeitungen zu kooperieren: "Das heißt für uns: ihre Recherchen verbreiten, sie ins Licht stellen. Besser noch: mitwirken, dass wieder mehr Inhalte vor Ort erstellt werden und ihr Publikum finden."

ARD-Chef Kai Gniffke hatte erst kürzlich eine Art Selbstverpflichtung der Anstalten ins Spiel gebracht, bei der u.a. auf Presseangebote verlinkt werden solle. Der Chefredakteur der "Saarbrücker Zeitung", Peter Stefan Herbst, bezeichnet den Vorschlag als "Nebelkerze", dessen Ziel es wäre, eine gesetzliche Regelung zu verhindern: "Dass der ÖRR nicht mehr vor Katastrophen warnen dürfe, wie einige Akteure behaupten, wirkt wie Teil einer Strategie, um Beitragszahler, aber vor allem die Politik zu verunsichern." Die Website des SR wirke auf ihn "wie eine Zeitung im Netz", viele Themen würden sich mit der "Saarbrücker Zeitung" über­sch­neiden. Diese "digitale Gratis­presse" erschwere die Monetarisierung massiv, kritisiert er.
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(Foto: WDR/Jacobi, Jörg Carstensen / dpa / picturedesk.com, Montage: turi2)