“‘Tatort’ ist demokratiestiftend”: Florian Hager über Kulturvermittlung, Sport und Intendantengehälter.


Der amtierende ARD-Vorsitzende Florian Hager verteidigt im "Zeit"-Interview Sport und Unter­haltung im Programm und sorgt sich um Bevölkerungs­gruppen, die der ÖRR nicht mehr erreicht. In einem Streit­gespräch mit drei kritischen Zuschauern sagt er: "Die 'Lindenstraße' oder der 'Tatort' mit ihren riesigen Reich­weiten haben vielleicht mehr in der Gesellschaft bewegen können, etwa für die Integration, als manche Doku-Reihe." Fiktionales habe oft "viel mit Kultur­vermittlung zu tun" und sei in seinen Augen "demokratie­stiftend". Zu Vorwürfen, die Öffentlich-Rechtlichen seien zu links, erklärt Hager: "Es gibt kein großes Steuerrad, das ich ein bisschen nach rechts schieben kann, und sofort bewegt sich der ganze Tanker."

Kritik an teuren Sport­über­tragungen erwidert er mit: "Für ihren Rund­funk­beitrag wollen viele auch Sport bei uns sehen." Kooperationen und Rechte-Aufteilung gebe es bereits mit der Telekom, zudem wären viele Sport­arten "erst gar nicht ins Fernsehen gekommen, wenn wir sie den Privaten überlassen hätten", etwa Biathlon. Auch die "Schlagerfeste" mit Florian Silbereisen seien zwar "auch nicht unbedingt mein Musik­geschmack", sagt Hager, "aber da schalten sehr, sehr viele Menschen ein, und für die ist es auch ganz wichtig, dass es diese Sendungen gibt".

Zum Reizthema hoher Intendanten­gehälter und Ruhe­gelder, etwa für Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, sagt Hager: "Ich habe akzeptiert, dass meine Vorgänger deutlich mehr verdient haben – und dass mein Job heute etwas schwieriger ist als früher, auch weil uns lange zurück­liegende Vorgänge in Misskredit bringen." Daraus habe der ÖRR "gelernt und neue Leit­linien für Gehälter auf­gestellt". Hager gibt aber zu bedenken: "Sogar wenn wir alle ehren­amtlich arbeiten würden, würde das den Rund­funk­beitrag nicht signifikant senken. Da kommt einfach nicht genug Geld zusammen."
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(Foto: HR/Tim Thiel)