WDR lässt Missbrauchs-Verdacht durch externe Kanzlei ausleuchten.

Diskrete Hilfe von außen: Der WDR hat eine externe Anwaltskanzlei damit beauftragt, den Vorwürfen der sexuellen Belästigung im eigenen Haus auf den Grund zu gehen, schreibt Hans Hoff. "stern" und das Recherchebüro Correctiv hatten am Mittwoch über eine Reihe an Vorwürfen gegen einen zweiten prominenten WDR-Mitarbeiter berichtet. Kai-Hinrich Renner berichtet, mehrere hochrangige Mitarbeiter hätten "frühzeitig" Bescheid gewusst.

Sowohl Tina Hassel, damals die Vorgesetzte des Beschuldigten, als auch der damalige Chefredakteur Jörg Schönenborn und die Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff seien informiert gewesen, schreibt Renner. Mehrere Rundfunkräte hätten gefordert, die Vorwürfe bei der Ratssitzung am 8. Mai "ausführlich" zu besprechen, schreibt Hoff. Der Rat könnte auch eine Anlaufstelle für Missbrauchsopfer einrichten.
sueddeutsche.de (Hoff), morgenpost.de (Renner), stern.de (Background)

4 Gedanken zu „WDR lässt Missbrauchs-Verdacht durch externe Kanzlei ausleuchten.

  1. Lisbeth Salander

    Jörg Schönenborn im jüngsten Interview (Focus Online):

    “Frage: Wenn sich dann hinterher herausstellt, dass sich der Vorwurf nicht beweisen lässt, muss der oder vor allem die Betreffende dann auch wieder befürchten, dass sie einen Verweis bekommt?

    Antwort: Bei uns wird und wurde niemand bestraft, der uns, um Aufklärung möglich zu machen, Hinweise gibt. Das garantiert die gesamte Geschäftsleitung.”

    JETZT wird es richtig interessant – eine Art “Gesamthaftungsmodell” für die gesamte Geschäftsleitung, interessant!

    Was, wenn sich in Bezug auf die Vergangenheit demnächst das Gegenteil von dem´ herausstellt, was da gerade verlautbart wurde? Treten dann alle zusammen zurück?

    Presse, bitte weiter nachforschen, nachbohren, aufklären, nachhalten!

    1. Lisbeth Salander

      Korrektur: Das Interview mit Jörg Schönenborn ist im Hamburger Abendblatt online nachzulesen, nicht im Focus online.

  2. DL2MCD

    Daß eine externe Kanzlei gegen interne leute vorgeht, halte ich bei diesem Sender für ausgeschlossen, so sinnvoll der Gedanke anderswo auch wäre. Externe Kanzleien werden bei diesem Sender nur hinzugezogen, um den Druck auf Externe zu erhöhen, die Kosten zu steigern und die Externen selbst nach Prozeßende von den Kanzleien noch weiter melken und plündern zu lassen.

    Daß intern ein Klima der Angst herrscht, wie Herr Renner schreibt, wundert mich auch nicht. Schließlich arbeitet man auch extern mit Bedrohung bis zum kompletten Plattmachen. Ich habe heute noch Alpträume und Schulden. Und das nur, weil ich private Dinge und den Zugang zu meinem Gehaltskonto etc. nicht auf dem Tisch des Intendanten haben wollte, und das, ohne Mitarbeiter oder auch nur Auftragnehmer zu sein. Wenn man mit völlig Fremden schon so umspringt, dann will ich gar nicht wissen, wie es für freie Mitarbeiter oder Angestellte erst ist 🙁

    Und nein, natürlich gibt es solche Vorfälle auch in Verlagen. Das weiß Herr Buhrow ganz genau. Wie albern, da wieder die “der ÖRR und die Kommerziellen”-Unterscheidung herauszuholen. Wenn Herr Buhrow allerdings der Ansicht ist, daß die Verlage nur bei ihm die Sauereien suchen und das unfair sei, dann kann er ja eine Recherche zu Sexismus in Verlagen anregen. Nur ob sich Opfer dann ausgerechnet seinem Sender anvertrauen würden? Lieber geht man ja aber ohnehin auf Leute los, die nichts angestellt haben, außer einem Mitarbeiter des Senders gesagt zu haben, daß ihn private, intime Briefe nichts angehen.

    1. Lisbeth Salander

      Genau, in der Psychologie nennt man diese Art der Ab- und Umlenkungstaktik von Schuld und Verantwortung auch Projektion (Englisch: “deflection of guilt”). Auch für subversive Realitätsverwischungen gibt es einen psychologischen Begriff: “Gaslighting”.

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