turi2 edition #9: Reality-Sternchen Evelyn Burdecki und die leichte TV-Unterhaltung.


Ich bin ein Star – lasst mich hier drin: Die Karriere der Evelyn Burdecki beginnt mit einem Rauswurf und soll mit einem Königinnen-Titel noch lange nicht enden. Für die turi2 edition #9 porträtiert Heike Reuther die gelernte Fitnesstrainerin als ehrgeiziges Reality-Sternchen mit moralischem Kompass.

Früher hätten Eltern besorgt gefragt: “Kind, was soll nur aus Dir werden?” Heute macht man mit dem Talent von Evelyn Burdecki Karriere im Fernsehen. Vom “Bachelor” über “Promi Big Brother” und “Dschungelcamp” bis zu “Let‘s Dance” – Burdeckis Fernsehbiografie liest sich wie das Lexikon der leichten Fernseh-Unterhaltung.

Gerade ist sie unterwegs, Kurzurlaub in Portugal. Sie spricht über die Freisprechanlage des Mietwagens, Sonne, Strand und Meer schwingen mit. Wie würde sie sich einem Blinden beschreiben? “Ich bin ein Mädchen mit Sommersprossen und blonden Haaren und habe eine Figur zum Anfassen.” Doch Evelyn Burdecki auf ihr Äußeres zu reduzieren, würde ihr nicht gerecht.

Oft kokettiert sie mit Tollpatschigkeit und Naivität – aber vielleicht ist das für sie einfach der schnellste Weg zum großen Traum. “Als Kind wollte ich Massiererin werden. Oder heißt es Masseurerin?” Aber dann sieht sie im Fernsehen all die hübschen Showstars und weiß: Da will sie hin. Als Kind frommer polnischer Eltern ist Kirche am Sonntag Pflicht, Evelyn singt im Kirchenchor.

Später übt sie vor dem Spiegel und bei Schulauftritten für ihre künftige Karriere. “Träume können wahr werden”, sagt sie, “ich habe es ausprobiert, es hat geklappt.” Dabei läuft ihr erster Auftritt vor der Kamera alles andere als glücklich. Ganze zehn Minuten Sendezeit hat sie 2017 bei RTL, der “Bachelor” zeigt kein Interesse an der 1,58 Meter kleinen Blondine mit den knallrot geschminkten Lippen. Sie fliegt schneller raus, als sie reingekommen ist.

Seitdem turnt die gelernte Fitnesstrainerin aus Köln von Sendung zu Sendung. Wie würde sie einem Kind ihren TV-Beruf beschreiben? Ein Moment Stille, dann sprudelt es heraus: “Ich habe viel Spaß. Und weil ich soviel Spaß habe, werde ich immer gerufen, damit wir alle zusammen Spaß haben und lachen können.”

Die Schattenseiten des VIP-Daseins? “Immer zu lachen fällt manchmal schwer.” Und wenn sie ein Date hat, ist es ihr unangenehm, erkannt zu werden. Also doch lieber in der Masse untergehen? “Nein”, sagt Evelyn Burdecki entschieden, “ich danke dem lieben Gott, dass ich diesen schönen Beruf machen darf. Wenn ich für einen Job morgens um fünf Uhr an den Flughafen muss und mir beim Bäcker ein Brötchen kaufe, dann denke ich, dass der Verkäufer für viel weniger Geld lächelt.”

Diese Haltung hilft, den Verlockungen der Branche zu widerstehen. Burdecki entscheidet nach Bauchgefühl – so auch zuletzt, als ein Angebot des “Playboy” auf dem Tisch liegt. Kurz überlegt sie: “soooooo viel Geld”. Aber ihr Bauch sagt: nein. “Es kann sein, dass ich mich mit 50 für den Playboy ausziehe, aber nicht jetzt.”

Bis dahin können wir Burdecki zuschauen, wie sie in jeder Show etwas dazu- und sich selbst besser kennenlernt: Bei “Bachelor in Paradise” verliebt sie sich. Und trennt sich kurz darauf. Im Dschungelcamp trifft sie auf ihren lästernden Ex aus dem Paradies. Und trotzdem ruft sie nie: “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” Evelyn Burdecki ist gerade erst im TV angekommen, so schnell bekommt sie da keiner mehr weg. “Wenn ich mal alt bin, kann ich meinen zehn Enkeln erzählen, was ich alles erlebt habe.“” Vielleicht trifft sie den Richtigen dafür ja beim nächsten Casting.

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