turi2 edition #9: Sport-Moderatorin Birgit Nössing im Porträt.


Von der Ski-Piste ins Rampenlicht: Fast wäre Birgit Nössing Profi-Skifahrerin geworden. Das hilft ihr als Moderatorin bei Eurosport: Sie ist gut darin, Sportler zum Reden zu bringen – wenn die von einer Niederlage frustriert sind, oder vor Glück keine Worte finden. Mit Anne-Nikolin Hagemann spricht sie in der turi2 edition #9 über Gänsehautmomente im TV, Live-Sport und Sportlerinnen in der Unterzahl.

Das Porträt über Birgit Nössing finden Sie auch in unserem kostenlosen E-Paper zur turi2 edition #9 auf Seite 154.

Eigentlich wollte Birgit Nössing den Sport hinter sich lassen, zu Hause in Südtirol. Aus Bozen über den Brenner in die weite Welt fahren – oder zumindest bis München, Nachrichten machen, Wirtschaft, Politik. Heute ist sie froh, dass der Sport sich doch ins Handgepäck geschmuggelt hat.

Als Birgit Nössing ihr erstes Skirennen fährt, ist sie drei oder vier Jahre alt, genau weiß sie es nicht mehr. Beinahe wäre sie Profi-Skiläuferin geworden. “Man sagt zwar: ist ja nur Sport. Aber für den Athleten ist es in Wirklichkeit alles.” Als sie sich nach einer Verletzung gegen den Sport entscheidet, weiß sie schnell, was ihr neues Alles werden soll: Journalismus.

Sie zieht zum Studium nach München, träumt von einer Karriere als Nachrichtensprecherin. Bei N24 landet sie vor der Kamera, erst als Volontärin, später als Redakteurin. Sie berichtet 2008 von der US-Präsidentschaftswahl, sieht sich selbst eher in Wirtschaft und Politik. Trotzdem schicken sie ihre Chefs immer wieder zu Sport-Events.

Da merkt sie: Vielleicht sind die Persönlichkeiten da doch ein bisschen spannender, die Distanz zum Journalisten ein bisschen kleiner als bei Konzernchefs und Kanzlerkandidaten. Als Sport-Reporterin muss sie mit Adrenalin vollgepumpte Menschen in emotionalen Ausnahmesituationen zum Sprechen bringen. Wenn sie vor Frust über eine Niederlage ganz still werden oder ihnen vor Glück über einen Sieg die Worte fehlen.

Als 2011 der Sender Sky Sport News gegründet wird, entscheidet sich Birgit Nössing dafür, beim Sport zu bleiben. Bis 2017 moderiert sie Nachrichten und dreht Dokus. Dann wechselt sie zu Eurosport, wo sie seither live von Olympischen Winterspielen, Tennisturnieren und der Fußball-Bundesliga berichtet. Bei Servus TV moderiert sie noch einen Sport-Talk.

Live-Sport ist für Birgit Nössing das ultimative TV-Erlebnis: “Da wird das Leben in der Länge eines Tennismatches, in zwei Minuten Skiabfahrt oder in 90 Minuten Fußball abgebildet.” Da fiebert sie selbst mit und muss sich manchmal ein bisschen bremsen, damit sie das, was passiert, für die Zuschauer einordnen kann. Oft hat sie diese Funktion auch für die Sportler, die manchmal wie erschlagen von dem sind, was sie gerade geleistet haben: “Wenn ich es schaffe, dass mein Gegenüber in Worte fassen kann, wie er sich fühlt, habe ich meinen Job gut gemacht.”

Es gibt Gänsehautmomente, die sie nie vergessen wird: ein sprachloser Markus Eisenbichler nach seinem WM-Sieg im Skispringen oder der Überraschungserfolg des deutschen Herrendoppels bei den French Open. Solche Momente will sie auch dem TV-Publikum greifbar machen. Ihr Ziel bei jedem Auftritt vor der Kamera? “Dass die Zuschauer es schade finden, wenn die Sendung vorbei ist.”

Die meisten von Birgit Nössings Interviewpartnern und Kollegen sind Männer, Frauen sind im Sport noch immer in der Unterzahl. Klatschzeitschriften schreiben über Nössings Outfit, aber nicht über das des Kollegen Florian König. Und spekulieren über eine Affäre, sobald sie mit Boris Becker moderiert. Darüber kann Nössing lachen und bleibt entspannt: “Wenn du Kompetenz zeigst, bist du sofort auf Augenhöhe.”

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