turi2 edition #7: Magdalena Rogl hat immer genug Power im Koffer.


Mehrfach-Mama, Microsoft-Mitarbeiterin, Münchnerin: Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft Deutschland, füllt verschiedene Rollen mit Leben und kam im Zickzack zum Erfolg. Anne-Nikolin Hagemann porträtiert sie für die turi2 edition #7 als herzliche Macherin, die auch mit Sinnsprüchen Geld verdienen könnte, sich für Chancengleichheit und digitale Bildung engagiert und Glück für das wichtigste Karriereziel hält.

Es ist drei Monate her, dass Magdalena Rogls Herz gebrochen war, dass sie geheult hat wie ein Schlosshund. Als sie davon erzählt, mit genau diesen Worten, sitzt sie auf der Café-Terrasse der Goldenen Bar in München in der Sommersonne, den Englischen Garten im Rücken, ihre silbernen Turnschuhe spiegeln das Licht. Sie lacht über ihre theatralische Ausdrucksweise, so herzlich, dass sie dabei die Nase kraus zieht. Vor drei Monaten hat ein Kollege ihr Team verlassen, für einen neuen Job. “Ich wusste, wenn ich ihn festhalte, weil ich ihn brauche, macht ihn das nicht glücklich”, sagt Rogl, jetzt wieder ernst, “und gleichzeitig war ich unglaublich stolz auf seine Entwicklung.”

In dieser Anekdote stecken drei Dinge, die man über Magdalena Rogl wissen sollte. Erstens: Sie hat keine Angst vor Emotionen. Zweitens: Sie ist jemand, der sich schnell, gerne und fest bindet. Eine “treue Seele” nennt sie das. Drittens: Sie weiß, dass auf dem Weg zum Glück manchmal Veränderungen nötig sind. Zu den drei Dingen kommen noch drei Zahlen, die in den meisten Texten über Rogl auftauchen – also bringen wir es schnell hinter uns: 24, 4, 30. Mit 24 alleinerziehende Kinderpflegerin. Heute Mutter von vier Kindern und glücklich verheiratet. Stolze Besitzerin von mehr als 30 Paar Sneakers.

Und, ganz nebenbei, als “Head of Digital Channels” verantwortlich für die Social Media Kommunikation bei Microsoft, vielgebuchte Speakerin bei internationalen Digital- und Frauenforen, gern gehörte Gesprächspartnerin bei Medienpodcasts, Wirtschaftsmagazinen, Frauenzeitschriften. Nicht selten wird sie dabei zum Postergirl der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, des Feminismus, der schönen neuen Arbeitswelt.

Magdalena Rogl stört das nicht. Die Zahlen, die Kinder, die Sneakers – das alles gehöre genauso zu ihr wie ihre berufliche Position, sagt sie. Aber: Sie findet es schade, dass sie noch immer ein Exot zu sein scheint, mit ihrem nicht schnurgeraden Lebenslauf und ihrer Balance zwischen Arbeit und Privatem. Dass da immer ein Hauch “Wie schafft sie das bloß?” mitschwingt. Dass man über etwas staunt, was selbstverständlich sein sollte. Aber das, sagt sie, ändert sich gerade. Es muss sich ändern. “Wir müssen aufhören, Lebensläufe einzustellen und stattdessen um Talente kämpfen.”

Rogl hat kein Abitur und war an keiner Universität. Sie ist ausgebildete Kinderpflegerin, ihr Traumberuf seit der eigenen Kindheit. Aber mit einem Kinderpflegerinnen-Gehalt als Alleinerziehende mit zwei Kindern in München leben? Schwierig. Also nimmt sie einen Job als Community-Managerin bei Focus Online an, Moderieren von Diskussionen, Löschen von Beleidigungen. Zunächst als Nebenjob am Abend, nach dem Tag mit den Kindern, den eigenen und den fremden. In dieser Zeit entscheidet Rogl, dass sie eine Veränderung braucht. Und gibt den Job in der Kinderkrippe auf, arbeitet Vollzeit im Community Management, wo sie bald aufsteigt. Warum? “Weil ich so wütend darüber war, wie schlecht es mir ging, dass ich irgendwann einfach beschlossen habe, ab sofort glücklich zu sein.”

Magdalena Rogl sagt oft solche Sätze, die man gut auf Postkarten drucken könnte. Aber bei ihr klingen die so authentisch, dass man sich die Postkarten dann auch kaufen und an den Kühlschrank heften würde. Noch so einer: “Man kann sehr bequem liegen in einer Schublade. Aber je länger man liegt, desto schwerer fällt es, sich daraus zu befreien.” Sie hatte es sich bequem gemacht in der Schublade “sozial und kommunikativ”. In die hat lange alles Technische nicht gepasst. Bei PC-Problemen rief sie ihre Schwester an. Die sei der Technikfreak der Familie gewesen, heute Wirtschafts-Informatikerin mit Doktortitel. Rogl selbst war immer die, die gut mit Kindern kann, die sich kümmert – “aber kompliziertes Denken? Eher nicht so. Und alles mit Technik: Uägh”, sagt Rogl und imitiert ein Würgegeräusch.
…weiterlesen in der turi2 edition Unterwegs.

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Von der Isar auf die Insel: Magdalena Rogl ist Mehrfach-Mama, Microsoft-Mitarbeiterin und echte Münchnerin. Ihr Traum-Reiseziel fängt aber ausnahmsweise nicht mit M an: Rogl träumt von Bali, erzählt sie im Video-Fragebogen zur turi2 edition #7. Zwischen ihr und Bali steht jedoch ein stressiger Alltag und die unliebsame Aufgabe, Koffer zu packen. Rogl räumt ein, gerne mal was zu vergessen – im Koffer der Digital-PR-Frau ist deshalb schon eine Powerbank integriert, weil die mobile Strom-Tankstelle öfters mal ungewollt zu Hause bleibt.
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