turi2 edition #9: ProSieben-Chef Daniel Rosemann und die gute Konkurrenz.


Stolz auf die Branche: ProSieben-Senderchef Daniel Rosemann ist überzeugter Fernsehmacher – und spricht mit Heike Reuther für die turi2 edition #9 über das schwere Handwerk der leichten Unterhaltung, seinen Mut zu innovativen Formaten und die gute Konkurrenz im TV.

Schon sehr früh an diesem Donnerstagmorgen ist Daniel Rosemann von München nach Köln gejettet. Der General Manager von ProSieben und ProSieben Maxx will das Finale von “The Masked Singer” live vor Ort verfolgen. Die Sendung wird in den MMC Studios in Ossendorf produziert. Rosemann, modisch-lässig gekleidet in Jeans, Business-Hemd und weißen Sneakern, ist ein Chef zum Anfassen. Backstage plaudert er mit Showteilnehmerin Stefanie Hertel und kommt im nächsten Moment mit dem Sicherheitsmann an der Studiotür ins Gespräch.

Rosemann erinnert sich, wie er als kleiner Junge die große Samstagabend-Show “Wetten, dass..?” schauen durfte – im Schlafanzug schon bettfertig gemacht, mit Schnittchen auf dem Schoß. Später verfolgte er Stefan Raabs “TV Total” wann immer es ging. Heute, mit Ende 30, bestimmt er selbst über das Programm zweier Fernsehsender.

Im Frühjahr 2016 hat Daniel Rosemann in München die Führung übernommen. Damals befinden sich die Marktanteile von ProSieben im Sinkflug, 2017 fällt der Jahresdurchschnitt in den einstelligen Bereich. Gut, wenn da jemand am Steuer sitzt, der schon ein paar Übungsflüge absolviert hat. Rosemann trainiert in seiner Freizeit gern mal am Lufthansa-Flug-Simulator – und zwar “auf einem Niveau, das über Jochen-Schweizer-Gutscheinen liegt”, wie er selbst sagt.

Daniel Rosemann im TV-Fragebogen

Und tatsächlich: Rosemanns Programmumbau und sein Mut zu innovativen Formaten zeigen Wirkung. “The Masked Singer” mutiert zum Quotenhit des Sommers 2019. Und lässt die Konkurrenz müde aussehen. Aber Rosemann ist nicht der Typ, der sich auf Erfolgen ausruht. “Misserfolg wie Erfolg motivieren mich gleichermaßen”, erklärt er. “Mein Team und ich waren in den letzten dreieinhalb Jahre sehr fleißig, um uns aus dem Quotentief rauszuholen. Erfolg ist für mich aber erst dann ein Erfolg, wenn er nachhaltig auf die Marke einzahlt.”

Der gebürtige Kölner lernt früh, die richtigen Register zu ziehen: Schon als Vierjähriger spielt er Klavier, später Orgel. “Auch über die schwierige Phase der Pubertät hat mich die Musik begleitet”, sagt er. Der Teenager wird so gut in seinem Spiel, dass er sich bald ein ganz ordentliches Taschengeld verdient. Denn Organisten sind in der Domstadt Köln damals Mangelware. Seine Mutter kutschiert ihn an den Sonntagvormittagen von Messe zu Messe. “Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen wurden besonders gut bezahlt”, erinnert er sich.

Wenn Rosemann über Arbeit spricht, klingt das immer leicht. “Spaß ist einer meiner engsten Begleiter”, sagt er. Damit ist er bei einem Sender, der mit dem Slogan “We love to entertain you” für sich wirbt, genau an der richtigen Stelle. Zum Fernsehen kommt er – wie so viele – zufällig und bleibt hängen.

Denn als der Numerus Clausus seinen Traum vom Medizinstudium in die Ferne rücken lässt, überbrückt er das Wartesemester mit Jobs bei RTL. Rosemann arbeitet für Birgit Schrowange und Frauke Ludowig – und streicht die Medizin von der Liste seiner Traumberufe. Stattdessen absolviert er ein Volontariat und arbeitet bei TV-Produktionsfirmen, bevor er 2008 als Leitender Redakteur Show & Unterhaltung zu ProSieben geht und die Karriereleiter hinaufklettert.

Seine Aufgabe als Programmchef sieht Daniel Rosemann darin, jeden Tag positive Energie zu verbreiten, Motor zu sein, an übermorgen zu denken, Mitarbeiter zu befähigen und manchmal auch Trost zu spenden. Er will Geschichten erzählen – das war früher so bei kurzen Magazinbeiträgen und das ist auch heute noch so bei der Programmgestaltung. Wirklich loslassen will er nicht: “Wenn wir mit einem neuen Format an den Start gehen, dann bin ich dabei, da kann sich das Team auf mich verlassen.” Sagt‘s und verschwindet in der Regie von “The Masked Singer”.

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