Berufe mit Zukunft: N wie New-Work-Experte – Michael Trautmann.


On the Way to New Work: Michael Trautmann, Unternehmer, Agenturmann und Marketingberater, ist mitschuldig am Trendthema Neues Arbeiten. Für die turi2 edition #8 trifft Peter Turi den Wellen-Reiter Trautmann und porträtiert ihn als virtuosen Vermarkter und Vordenker.

Das Porträt über New-Work-Experte Michael Trautmann finden Sie auch in unserem kostenlosen E-Paper zur “turi2 edition #8” auf Seite 173.

On the way to New Work: Michael Trautmann ist Unternehmer, Agenturmann und Marketingberater – und mitschuldig am Trendthema Neues Arbeiten. Er ist ein Mann mit vielen Talenten, Verdiensten und Fähigkeiten; nur eine Leerstelle bleibt im Leben des Michael Trautmann – der unerfüllte Traum, Klavier spielen zu können. “Wenn ich mein Geposte auf Facebook weggelassen und stattdessen Klavierunterricht genommen hätte, wäre ich wahrscheinlich schon ganz gut”, verrät er 2018 dem “Spiegel”.

Trautmann promovierte 1993 in Augsburg in Betriebswirtschaft. Er startet als Unternehmensberater, wird Geschäftsführer bei Springer & Jacoby und Marketingleiter bei Audi. 2004 gründet er zusammen mit André Kemper in Hamburg die Agentur KemperTrautmann. Kemper ist der heißblütige Kreative, Trautmann der bedachte Stratege. 2012 geht daraus Thjnk hervor. Trautmann ist das T, Karen Heumann das H, Armin Jochum das J. Trautmann und Friends bauen die Agenturgruppe mit Kunden wie Audi, Rewe, Granini, Ikea und Deutsche Bahn aus: auf 40 Millionen Euro Honorarumsatz und 400 Mitarbeiter. 2017 verkaufen sie Thjnk an den Werbekonzern WPP. Trautmann wird Chairman, also aktiver Aufsichtsrat, und arbeitet nur noch vier Tage pro Woche für Thjnk.

Jetzt ist Trautmann 55, sein Haar ist noch grauer geworden und an der Stirn ein bisschen schütter. Seit 2017 treibt ihn das Thema New Work um: der Wunsch, anders, selbstbestimmter, effizienter und am Ende weniger zu arbeiten. Und dem Ziel näher zu kommen, das zu tun, “was ich wirklich, wirklich will”. Auf das doppelte Adjektiv legt Trautmann Wert. Es gehe darum, den “Purpose”, das “Why” des eigenen Lebens, aber auch der eigenen Marke oder Firma zu finden.

Trautmann ist Kommunikationsexperte, er weiß die Welle zu reiten: Er hat zusammen mit dem Berater Christoph Magnussen seit 2017 mehr als hundert Folgen seiner Podcast-Reihe “On the Way to New Work” produziert. 15.000 Hörer und mehr hat der Podcast pro Folge. Podcaster “sind die neuen Influencer”, findet Telekom-Markenchef Hans-Christian Schwingen, der ebenso Gast bei Trautmann war wie Mathias Döpfner oder Frithjof Bergmann – der inzwischen fast 90-Jährige Begründer des New Work.

Was genau ist dieses Neue Arbeiten und warum ist es in aller Munde? Trautmann erklärt es mit “Flow” statt “Stress”. Die Arbeit soll selbstbestimmter, achtsamer und letztlich sinnvoller sein. Trautmann gibt Arbeitsgebern Tipps wie den, jungen Menschen früh Verantwortung zu geben. Und rät jungen Menschen, sich zu fragen: Wer bin ich? Was bin ich? Und was will ich wirklich wirklich? Anders ausgedrückt: Wenn der technische Fortschritt uns von vielen Mühen der Arbeit befreit, können wir nach dem Sinn der Arbeit suchen. Ein Gedanke, wie er Karl Marx, dem wortgewaltigen Kritiker frühkapitalistischer Ausbeutung, gefallen hätte: Marx träumte von der klassenlosen Gesellschaft, in der es jedem einzelnen erlaubt ist, “heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirte oder Kritiker zu werden”.

Wellen-Reiter Trautmann hat mit Marx wenig am Hut. Er vermarktet sich und sein Thema virtuos, trommelt für das Business-Netzwerk Xing und dessen New-Work-Kongress in der Elbphilharmonie und promotet in seinem Podcast Werbekunden auf die in Podcasts leider üblich gewordene, penetrante Art.

Daran, dass der Begriff New Work inflationiert wird und inzwischen etwa so aufregend klingt wie Digitalisierung oder Disruption, hat Trautmann also Teilschuld. Trotzdem ist er sicher: “Das Thema ist gekommen, um zu bleiben.” Er selbst hat das Gefühl, sich mit Mitte 50 nochmal “komplett neu erfinden” zu können. Ach ja, und was macht das Klavierspielen? “Es ist noch bei den Vorsätzen geblieben.”

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