Berufe mit Zukunft: H wie Heuschrecke – Ewald Walgenbach.


W wie Wohltäter? Ewald Walgenbach war bis März Finanzinvestor und das, was landläufig als “Heuschrecke” gilt. Peter Turi hat den früheren Bertelsmann-Manager kurz vor seiner Pensionierung für die turi2 edition #8 mit einem Sack voller Vorurteile besucht. Nach dem Gespräch will er ihn fast als “Wohltäter” beschreiben. Aber nur fast. Denn Walgenbach ist auch knallharter Kapitalist.

Das Porträt über Heuschrecke Ewald Walgenbach finden Sie auch in unserem kostenlosen E-Paper zur “turi2 edition #8” auf Seite 162.

Ewald Walgenbach ist eine Heuschrecke. Nicht dass er Fühler am Kopf hätte und im Sommer durchs Heu hüpft. Aber Walgenbach ist Finanzinvestor – also genau das, was der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering 2005 eine Heuschrecke genannt hat.

Ewald Walgenbach ist keine Heuschrecke: Er ist zwar ein Finanzinvestor, aber er kommt nicht, frisst alles weg und hinterlässt kahle Felder. Er ist vielmehr ein nützliches Glied der Gesellschaft. Im Idealfall hinterlässt sein Wirken gesunde Firmen, glückliche Mitarbeiter und zufriedene Pensionäre. Zwischen diesen beiden Einschätzungen liegen ein Besuch bei Ewald Walgenbach und seiner BC Partner Beteiligungsberatung GmbH an der feinen Hamburger Adresse Neuer Wall 55 – und zweieinhalb Stunden Gespräch. Das Rathaus liegt in Sichtweite, der Alsterfleet und die teuren Läden von Juwelier Mahlberg und Montblanc gleich gegenüber. Der frühere Bertelsmann-Manager beantwortet mit dunkel gerahmter Brille, feinem Tuch und ruhiger Stimme im schicken Maisonette-Büro über den Dächern von Hamburg alle Fragen so überzeugend, dass man seinen Beruf fast unter W wie Wohltäter einordnen möchte.

Aber nur fast. Denn eines macht Walgenbach klar: Wo er Geld investiert, erwartet er nach fünf bis sieben Jahren eine glatte Verdopplung des eingesetzten Kapitals. Kapitalismus pur. Aber der Reihe nach. Wer ist Walgenbach? Ein Querein- und -aussteiger in den Medien. 1959 als Sohn eines Schlossers und einer Hausfrau im Westerwald geboren, promoviert er in Biochemie, arbeitet für Boston Consulting und Boehringer Ingelheim. 1994 kommt er zu Bertelsmann, wird Strategie- und TV-Chef sowie Konzern-Vize. Er verliert 2007 den Machtkampf um den Chefposten gegen Hartmut Ostrowksi und geht. Seit 2008 zieht Walgenbach von Hamburg aus in aller Stille und Diskretion die Fäden bei millionenschweren Unternehmensdeals.

Wer gibt Walgenbach Geld? Alle, die soviel davon haben, dass sie sich neben Aktien und Immobilien zur Risikostreuung noch Private Equity leisten können: Staatsfonds aus Singapur, aber auch Pensionskassen für Lehrer in der kanadischen Provinz Ontario. Gut 15 Prozent des Geldes kommt aus Deutschland, weniger als fünf Prozent fließen nach Deutschland. Walgenbachs Geschäft ist der An- und Verkauf von Firmen. Durchschnittlich 400 Millionen Euro investiert BC Partners in eine Firma, im Schnitt nach fünf bis sieben Jahren steigt der Investor wieder aus. Mindestziel: Der Firmenwert sollte sich dann verdoppelt haben. Walgenbachs Lieblingsbeispiel: Für rund 335 Millionen Euro hat er die Medizinlabor-Kette Synlab gekauft und nach sechs Jahren für 800 Millionen wieder verkauft. Dazwischen lag viel Arbeit: Fünf bis sechs Mitarbeiter von BC Partners haben bei Synlab über Jahre geholfen, Führungspersonal zu entwickeln, die IT zu professionalisieren und das Geschäft zu internationalisieren. 68 Laborunternehmen kaufte Synlab in dieser Zeit zu, so entstand ein europäischer Marktführer. “Das ist gut für die Mitarbeiter und die Gesellschaft”, sagt Walgenbach. Die Bevölkerung profitiere schließlich von einer besseren Versorgung mit Gesundheits-Dienstleistungen.

Wie arbeitet Walgenbach? “Mit Fingerspitzengefühl und Empathie”, sagt er. Der Job sei “das Beste, was ich in meinem Leben gemacht habe”. Es sei spannend, manchmal auch frustrierend: Von 50 Firmen, die er sich genau anschaut, kauft BC Partners am Ende meist nur eine. Auf dem Weg dahin bricht das “Dealfieber” aus. Bei BC Partners schätzt Walgenbach, privat der Mann an der Seite von “Vogue”-Chefredakteurin Christiane Arp, das “politikfreie Umfeld”. Wer beim Adventssingen neben Liz Mohn sitzt, muss Walgenbach jetzt nicht mehr kümmern.

Medien stehen nicht mehr in seinem Fokus. Zwar sind BC Partners und er bei Springer Nature an der Seite von Stefan von Holtzbrinck engagiert – ob das allerdings eine Erfolgsgeschichte wird, steht noch nicht fest. Der angestrebte Börsengang ist vorerst abgeblasen.

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