Berufe mit Zukunft: R wie Rückwärtssprecher – Bernhard Wolff.


rabrednuw tsi glofrE: Bei Bernhard Wolff läuft vieles verkehrt – der gebürtige Lübecker ist Rückwärtssprecher. Aus dem Talent seiner Kindheit hat Wolff eine Kreativ-Beratung entwickelt, er unterhält und moderiert. Für die turi2 edition #8 spricht Jens Twiehaus mit ihm über Erfolg und sein kurioses Talent.

Das Porträt über Rückwärtssprecher Bernhard Wolff finden Sie auch in unserem kostenlosen E-Pape zur “turi2 edition #8” auf Seite 178.

Bernhard Wolff ist für die Bühne geboren, das wird schon bei der Begrüßung klar. Wolff tritt aus seiner Bürotür in Berlin-Friedenau wie einst Thomas Gottschalk aus der “Wetten, dass…?!”-Kulisse. Er macht diese einladend-großzügige Geste eines Zeremonienmeisters und schafft es, nur durch ein breites Lächeln “Willkommen” zu sagen. Gelernt ist gelernt.

Wolff kann außergewöhnliche Dinge, Wikipedia nennt ihn “Entertainer”. Im Büro blubbert eine durchschnittliche Kaffeemaschine, Wolff setzt sich an den Schreibtisch vor das vollgestopfte Regal. Es dauert nicht lange, bis das Gespräch auf seine besondere tiekgihäF kommt – und nein, das ist kein Druckfehler. Wolff betrachtet die Dinge gerne von hinten, in erster Linie sprachlich. Er kann rückwärts sprechen. Schnell, mit exakter Betonung. Wer nett fragt, dem jodelt Wolff auch das Heidi-Lied rückwärts vor.

Entdeckt hat er sein Talent als Kind in Stockelsdorf. Das Dorf bei Lübeck ist nicht der Nabel der Welt – frodslekcotS klingt interessanter. Im Alter von acht Jahren denkt er darüber nach, nur noch rückwärts zu sprechen. Der junge Bernhard interessiert sich auch für andere abseitige und künstlerische Dinge. Durch einen Zauberkasten entdeckt Wolff, welch Zauber es für ihn ist, Dinge vorzuführen und Publikum zu begeistern. “Über meinen Spieltrieb ist Leidenschaft entstanden und über die Leidenschaft Motivation”, sagt Wolff, “das habe ich mir bewahrt.” Seine Mission heute ist es, aus Menschen mit Tricks das hervorzuholen, was eigentlich jeder hat: Kreativität und unkonventionelles Denken.

Die Gabe zum Rückwärtssprechen ist sein Türöffner. Weil er Silben und Endungen so betont, dass sie andersherum abgespielt wieder richtig klingen, bestehen seine Rückwärts-Sätze aus vielen kuriosen Lauten. Das Rückwärtssprechen ist Handwerk: Wolff stellt sich Sätze vor seinem geistigen Auge vor und liest sie rückwärts ab. Wolffs Wirken verfolgt ein Ziel: “Ich will erwachsene Manager in den Modus des spielenden Kindes bringen.” Konzerne wie Bayer und BMW buchen ihn, um Menschen aus der Reserve zu locken. Er ist der Helfer, der verborgene Kreativität weckt, indem er Lego bauen oder ein Theaterstück schreiben lässt. All das, stellt er klar, ist Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Trainer könne nie Erfolg auf einen Schlag herstellen. Aber Impulse setzen. “Ich bringe Menschen dazu, dass sie die Kreativität ihrer Kindheit, die Begeisterung für die eigenen Ideen, als Erwachsene wieder nutzen können.”

In der Welt des Künstlers Wolff läuft aber auch nicht alles wie von Zauberhand. Über das, was 1994 im japanischen Yokohama geschieht, kann er heute lachen: Wolff gewinnt mit der Truppe “Plebsbüttel Comedy” bei der Zauber-WM, ein Höhepunkt der Magier-Karriere. Aber der Auftritt in der Arena wird zum Desaster. Die Zauberer verheddern sich in einem Umhang, offenbaren eine geheime Tür. Wolff und Kollegen brechen ab und sind heute dankbar, dass es 1994 noch keine YouTube-Videos gibt. Nicht weniger peinlich ist ein Auftritt auf dem Land nahe Dresden. Wolff versucht mit einer Comedy-Gruppe einen lustigen Abend, die Veranstalter wollen mal ironisch-intelligenten Humor statt Dorf-Klamauk. Das überwiegend ältere Publikum verzieht keine Miene, ein Drittel will in der Pause das Eintrittsgeld zurück. Seitdem lautet Wolffs Motto: Kümmere dich zuerst um deine Zielgruppe. Wenn er heute gebucht wird, informiert er sich als Erstes, wer im Publikum sitzen wird.

Als geschäftlicher Misserfolg stellt sich für Wolff die Gründung einer Event-Agentur heraus. Idee: Er will nicht nur gebucht, sondern zum Organisator werden. Er scheitert. Seitdem weiß Wolff, dass sein Zuhause die Bühne ist, nicht die Organisation. Für die One-Man-Show Bernhard Wolff gibt es schon genug zu organisieren. Seine Frau managt die Büroarbeit, zu Hause warten zwei Kinder im Kita-Alter. Mindestens einmal die Woche ist er unterwegs. Deutschland kreativer zu machen ist ganz schön anstrengend. Was macht einer wie Wolff eigentlich an schlechten Tagen? “Dann muss ich einfach Profi sein.” Sagt er – und verabschiedet sich mit Showmaster-Lächeln.

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fragebogen2: Christiane Wolff.


fragebogen2: Christiane Wolff singt im Chor, blieb für die große Bühne aber bisher unentdeckt. Ihre Bühne ist stattdessen das "Universum der Kommunikation", wo die Kommunikationschefin der Agentur-Gruppe Serviceplan ihre Fähigkeiten als Expertin fürs Netzwerken und PR unter Beweis stellt. Als Kind wollte Christiane Wolff wie Sängerin Nena werden, eine starke und coole Frau. Rückdeckung dafür bekam sie von ihrer Mutter, die ihr mit auf den Weg gab: "Mach, was Du willst".
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