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“Screeni versus Lichtspiel” – Charly Hübner schreibt eine Liebeserklärung ans Kino.

10. Oktober 2023

Der Geist guckt mit: Schauspieler und Regisseur Charly Hübner feiert in seinem Gastbeitrag für die turi2 edition #22 die große Leinwand. Nur dort erlebe er noch die “Wundergefühle”, die der Bildschirm ihm früher geboten habe. Streaming heiße heute vor allem Infotainment. Die “Ganz-Körper-Seelen-Kur” findet er im Lichtspielhaus. Hübner vergleicht das Kino-Gefühl mit einem Live-Konzert von Motörhead. Seine These: Das Medium ist etwas für Menschen, die bereit sind, ihr Leben für kurze Zeit “ganz zu vergessen”.

Von Charly Hübner

Was Kino besser kann als Streaming? Wollte ich ganz streng sein, würde ich sagen, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Okay: In beiden Fällen sehen wir miteinander verknüpfte Bewegtbilder, die im besten Fall meine komplette Aufmerksamkeit gewinnen und mich von meinem Leben im Hier und Jetzt fernhalten, weil mich Thema und Art und Weise der Erzählung neugierig machen und ich etwas erfahre, lerne oder vorgeführt bekomme, was jenseits meines Alltags existiert. In beiden Fällen wird Musik eingesetzt, um mir Dringlichkeit oder Schönheit einer Bewegtbildsequenz noch intensiver zu vermitteln. Insofern liegt es nahe, sie gegeneinander zu stellen.

Aber für mich ist das eine Infotainment. Das andere ist Leben. Bildschirme sind Einrichtungsgegenstände, aus denen heraus mir fiktionale und dokumentarische Geschichten vermittelt werden, die ich parallel zu meinem Leben in meinen vier Wänden aufmerksam verfolgen kann. Ich schaue in einen Bildschirm, der in der Regel nicht größer ist als meine Wände. Er buhlt um meine Aufmerksamkeit. Bei großartigen Serien wie „Borgen“, „Homeland“ oder tollen, verrückten Fußballspielen gelingt es dem Bildschirm, nennen wir ihn Screeni, dass ich mich ganz seinem Angebot widme und mein Leben den vorgeführten Spannungsbögen komplett unterordne. Es erscheint mir dann wie ein irre aufregender Rätselspaß: Wie geht es weiter? Wie geht es aus? Gewinnt das Gute oder das Böse? Ich klebe Fingernägelauend vor Screeni und hoffe auf Auflösung des großen Rätsels.

Als ich als Kind zum ersten Mal erleben musste, dass Winnetou im dritten Teil des Epos erschossen wird und somit mein Held ablebte, habe ich wie ein Hundewelpe gejault. Aber als Kind war Screeni, damals noch Röhri, eben auch ein Wunder, etwas nicht zu Verstehendes, Unfassbares, etwas, das an sich ein Rätsel war. Machte man das Ding aus, war es grau, einfach ein hässliches Möbel. Machte man es an, umspülte es mich mit Welt.

Heute erlebe ich diese Wundergefühle in den besten Fällen im Kino, weil da die Bewegtbilder zu mir kommen, mich umspülen und mir nicht nur Spannungsbögen oder Rätsel vorführen. Ich erlebe stattdessen alles in viel größerem Ausmaß. Im wahrsten Sinne des Wortes: Die Nahaufnahme eines Menschen ist je nach Leinwand ein bis zehn Meter hoch. Ich kann mich im Kino – ohne die Fingernägel kaputt zu kauen – dem Sein eines Menschen, dem Atmen einer Person, der Tiefe einer Landschaft komplett ausliefern. Denn es kommt zu mir, es kommt über mich, das leichtfließende Lichtspiel. Ich bin Teil der Erzählung, weil ich mittendrin bin, weil ich von ihr mitgetragen werde und wie auf einer Reise neue Welten kennenlerne. Ich bin nicht nur am Verstand gepackt und an meinem Spannungsmuskel – ich werde ganz verführt. Bei den tollen, superschlauen, ausgebufften, wahnwitzigen, zarten, epischen, irre lustigen, wendungsreichen, meditativen, wilden, stillen Meisterwerken im Kino erlebe ich das so.

Um die eingangs gestellte Frage final zu beantworten, würde ich ihr den Wettbewerb nehmen und sagen: Wenn du bereit bist, dein Leben ganz zu vergessen, dein Sein zu erweitern und eine Ganz-Körper-Seelen-Kur brauchst, dann musst du ins Lichtspiel! Wenn du jedoch nur kurz nach Ablenkung gierst, widme dich vorübergehend deinem Screeni. Er ist ja immer für dich da. Interkontinentalreise (Lichtspiel) versus Wochenendausflug (Screeni): So erlebe ich diese beiden Aufmerksamkeitssucher.

Ich hätte auch schreiben können: Der Filmmitschnitt eines Motörhead-Konzertes ist nicht so geil wie das Konzert selbst. Den Mitschnitt gucke ich mir vom Sofa aus an. Beim Konzert ist es ohrenbetäubend laut, ich sehe nur die Hälfte der Musiker, weil mich irgendwer hochgehoben hat und mich nun Hunderte Fanhände hin und herschieben, mich fallen lassen, wieder aufheben, schubsen. Du kommst gar nicht hinterher, was da alles mit dir angestellt wird.

Foto: Stephan Rabold

Alle Geschichten der turi2 edition #22 – direkt hier im Browser als E-Paper:
 

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