turi2 edition #8: Ina Tenz erzählt live von ihren Radio-Pannen.


Eine flog aus dem Osternest: Ina Tenz kauft bei Ebay ein scheinschwangeres Kaninchen – und vermasselt damit die Oster-Aktion bei Antenne Bayern. Die Programmdirektorin erzählt von ihrem Missgeschick bei der FuckUp Night von turi2 in der Flyeralarm Lounge München. Wie es sich für eine leidenschaftliche Storytellerin gehört: Die Geschichte um Ebay-Kaninchen Mütze hat ein Happy End.
turi2.tv (8-Min-Video bei YouTube)

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Ina Tenz in der turi2 edition #7:


Zuerst das Herz übers Hindernis werfen: Ina Tenz stammt aus der niedersächsischen Provinz und wirbelt heute als Programmdirektorin von Antenne Bayern – nach Stationen in Australien, Berlin, Luxemburg und Hannover. Heike Reuther spricht mit ihr für die turi2 edition Unterwegs über die Besonderheiten des Radiomachens, die Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Sendern und warum sie Streamingdienste nicht fürchtet. Foto: Sebastian Arlt

Weißblauer Himmel über dem Olympiapark, Frauchen und Hund kämpfen sich munter Münchens höchste Erhebung hinauf. Geschafft! Ina Tenz und Briard-Rüde Bizkit stehen auf dem 60 Meter hohen Olympiaberg. Erst einmal die Aussicht genießen. Der Blick geht über den Olympiasee zum Olympiastadion und zum Funkturm.

Sie haben für Ihren Job bei Antenne Bayern Ihren Mann, Ihr Haus und Ihre Pferde in Hannover verlassen. Ist die Karriere so ein Opfer wert?
Das klingt jetzt sehr hart. Ganz so ist es aber nicht: Meinen Sohn Jacob und unseren Hund Bizkit habe ich ja mitgenommen, und mein Mann arbeitet auch regelmäßig in München. Er war übrigens der Erste, der mir geraten hat, die Chance zu ergreifen.

Sie leben seit 2017 in München. Sind Sie schon angekommen?
Total. Ich habe München immer geliebt. Man kann Bayern gar nicht nicht lieben. Die Landschaft ist ein Traum. Die Seen, die Berge – alles wirkt so ästhetisch und gesund. Die Menschen in Bayern zeigen sich verantwortlich für ihre Umgebung und sorgen dafür, dass es so schön bleibt. Das gibt einem ein gutes Gefühl.

Sie sind das Unterwegssein gewohnt: Berlin, Luxemburg, Hannover, München, Hannover, München – immer der Karriere wegen?
Immer dann, wenn mich eine neue Aufgabe gereizt hat. Nach der Schule bin ich für zwei Jahre nach Australien, um mit Pferden zu arbeiten. Irgendwann hatte ich verstanden, dass das ein Hobby bleiben kann und ich im Medienbereich arbeiten möchte. Also bin ich nach Berlin und habe an der Freien Universität angefangen, Journalistik, Psychologie und Anglistik zu studieren. Das Studium habe ich übrigens nie abgeschlossen.

Weil Sie ziemlich schnell beim Radio gelandet sind?
Ja. Um meine Miete zu bezahlen, habe ich parallel zum Studium bei Deutsche Welle TV in der englischen Nachrichtenredaktion gearbeitet. Christoph Lanz, damals Chefredakteur, sprach mich an: “Wir planen, mit ein paar Leuten Rias 2 zu privatisieren. Mach’ doch mal Radio.” So kam ich zu Rias 2. Seitdem hat mich das Radio nicht mehr losgelassen.

Was ist das Besondere am Radiomachen?
Radio ist Kino im Kopf. Geschichten so zu erzählen, dass Bilder im Kopf des Hörers entstehen, finde ich faszinierend. Und im Vergleich zu anderen Medien: Radio ist schnell. Fernsehen ist langsam. Fürs Fernsehen braucht es immer viele Leute. Erst geht man mit dem Team drehen, dann geht es mit dem Material in den Schnitt und in die Produktion, dann schaut jemand über den Beitrag, und und und. Im Radio hast du eine Idee, gehst raus, sprichst mit den Menschen, kommst zurück, schneidest deinen Beitrag und gehst auf Sendung. Außerdem fasziniert mich am Radio, dass die Menschen deinen Beitrag einmal hören, dann ist er weg. Diesen einmaligen magischen Moment gibt es nur beim Radio.

Inzwischen hat sich eine komplette Mädchenklasse um den Hund von Ina Tenz versammelt. Bizkit wird gekrault und umgarnt. Der Studiohund von Antenne Bayern mit eigenem Facebook-Account nimmt die Zuwendung gelassen.

Zwei Jahre Australien direkt nach der Schule – das war Anfang der Neunziger auch noch kein Mainstream.
Meine Eltern haben immer gesagt: “Finde Deinen Weg.” Dass der mich nach Australien führen würde, haben sie nicht gedacht. Ich bin in der erzkonservativen katholischen Enklave Cloppenburg aufgewachsen, da wünscht man sich als junger Mensch ganz weit weg. Ich habe damals auf einem Pferdehof gejobbt – und hatte eine Anlaufstation für ein Gestüt in Australien genannt bekommen. Also habe ich mir ein Flugticket besorgt. Sechs Monate Down Under sollten es werden, zwei Jahre bin ich geblieben – gut, dass es 1991 noch kein Handy und die komplette Überwachung gab. Ich habe einmal die Woche mit Zuhause telefoniert und ab und zu Briefe geschrieben.

Klein Ina in der großen weiten Welt.
Oh ja, Reisen war damals noch umständlich. Der Flug nach Australien hat bestimmt 48 Stunden gedauert: von Frankfurt nach Dubai, sechs Stunden Aufenthalt, von da nach Kuala Lumpur, 13 Stunden Aufenthalt, weiter nach Melbourne und dort nochmal umsteigen nach Sydney. Im Flieger hat mich irgendwann der Mut verlassen: “Was machst Du hier eigentlich?” Also habe ich überlegt: ein Unfall, Krankheit, Heimweh oder Diebstahl, das alles ließe sich managen. Das Schlimmste, was mir zustoßen könnte, wäre, dass mein Herz stehen bliebe. Da ist mir eine wichtige Regel vom Springreiten eingefallen: Wirf’ zuerst dein Herz über das Hindernis und spring’ hinterher. Sobald man zögert, spürt es das Pferd und bleibt stehen. Das sollte mir nicht passieren.
…weiterlesen in der turi2 edition Unterwegs.

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Fernweh im Blut: Ina Tenz reist am liebsten mit leichtem Gepäck – und als nächstes in eine Großstadt. Die Programmdirektorin von Antenne Bayern ist seit ihrer Jugend eine Freundin der Ferne, erzählt sie im Video-Fragebogen zur turi2 edition #7: Direkt nach der Schule lebte Tenz zwei Jahre in Australien. Ihr Traumziel ist das Tauchgebiet Truk Lagoon in Mikronesien. Bei ihren Reisepartnern ist die gebürtige Cloppenburgerin aber wieder ganz bodenständig: die Familie soll mit.
turi2.tv (2-Min-Video bei YouTube)

Aus dem Archiv: turi2.tv traf Tenz bereits bei den Medientagen in München zum Gespräch über Radio und dieses Internet.