turi2 edition #12, 50 Vorbilder: Harald Hamprecht schreibt über Hasso Plattner.


Der deutsche Bill Gates: Auch mit Mitte 70 und Milliarden auf dem Konto denkt der Patriarch und Mäzen Hasso Plattner nicht ans Aufhören. Opel-Kommunikationschef Harald Hamprecht würdigt den SAP-Gründer in der turi2 edition #12 als eine der bedeutendsten Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands – vielleicht sogar der Welt.

Mutter Teresa? Albert Schweitzer? Roald Amundsen? Es gibt viele Vorbilder von Weltruhm. Peter Turi lässt das aber nicht gelten. Ein einziges soll es sein. Also: Hasso Plattner. Der Mitgründer von SAP ist der wahrscheinlich erfolgreichste deutsche Unternehmer der vergangenen fünf Jahrzehnte – der deutsche Bill Gates.

Zu hoch gegriffen? Sicher nicht: SAP ist das wertvollste deutsche Unternehmen mit einem Börsenwert von über 160 Milliarden Euro – mehr als Daimler, der VW-Konzern und BMW zusammen. Darüber hinaus ist SAP europaweit der größte Software-Hersteller und weltweit die Nummer drei, nach Microsoft und Oracle.

Was mir an Plattner imponiert? Er ist nicht nur Visionär und Vollblutunternehmer mit Risikobereitschaft – sondern auch der technologische Kopf hinter SAP. Schon 1972 erkennt er die Bedeutung der „Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung“, woraus sich auch der Firmenname ableitet. Das nennt man Gespür für zukünftige Geschäftsfelder.

Hasso Plattner hat Ausdauer wie kaum ein anderer: Trotz seiner 76 Jahre denkt er nicht an den Ruhestand und will SAP noch nach 2022 erhalten bleiben. Plattner ist der Patriarch von SAP. Sein Wort hat höchstes Gewicht. Er besitzt rund sechs Prozent der Aktien, kümmert sich aber als Chefkontrolleur um das Unternehmen, als wäre es zu 100 Prozent sein eigenes.

Plattner ist ein Selfmade-Milliardär. Sein Gesamtvermögen schätzt Forbes auf fast 13 Milliarden Dollar. Natürlich ist das allein kein Gradmesser für Erfolg. Und finanzieller Erfolg allein macht aus einem Unternehmer noch lange kein Vorbild.

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Der gebürtige Berliner zeichnet sich auch als großzügiger Mäzen aus und ist laut „Manager Magazin“ „einer der bedeutendsten privaten Wissenschaftsförderer in Deutschland“ und weit darüber hinaus – von Potsdam über Stanford und Südafrika bis nach Hermannstadt in Rumänien, der Herkunftsstadt seiner Eltern. Soziale Verantwortung ist für den Vater zweier Kinder hohes Gut und Verpflichtung gleichermaßen.

Plattner ist aber nicht nur Wohltäter, sondern auch Mann des kraftvollen Wortes: Was er von einer zweiprozentigen Vermögenssteuer hält? In dem Fall müsse er Deutschland verlassen. Warum er Jennifer Morgan als erste Frau an der (Doppel-)Spitze eines Dax-Konzerns schon nach einem halben Jahr wieder absetzte? „Da ihr Geschlecht keine Rolle bei der Auswahl spielte, durfte es auch keine Rolle bei ihrem Austritt spielen.“

Widerstände sind für Plattner keine Hürden, sondern Stufen. Schwierige Themen wie Kritik an der Vorstandsvergütung und der Lizenzpolitik sowie Korruptionsvorwürfe taten dem Erfolg von SAP keinen Abbruch.

SAP gründete Plattner zusammen mit Dietmar Hopp und drei weiteren Partnern. Gibt es Dinge, in denen er wenig vorbildlich agiert hat? Scheidungen, Schlammschlachten, herbe Niederlagen, protzige Auftritte auf dem gesellschaftlichen Parkett und in den Klatschspalten sind selbst bei intensiver Recherche nicht zu finden. Sehr sympathisch! Vielleicht war die persönliche Rivalität zu Oracle-CEO Larry Ellison ein wenig zu ausgeprägt: Sie manifestierte sich nicht nur im Wettstreit um die beste Business-Software, die schnellste Datenbank und die erfolgreichere Cloudstrategie, sie uferte auch aus in Fehden bei Segelregatten. Wobei solch ein Wettbewerb zweier Tycoons durchaus die Leistungskraft ihrer Unternehmen beflügelt.

Es hat wohl keiner besser auf den Punkt gebracht als Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der – gerade im Hinblick auf die notwendigen Reformprozesse in Deutschland – sagte: „Wir brauchen eine Menge Hasso Plattners und eine Menge SAPs, um auf einem hohen Niveau Wohlstand zu halten.“

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