turi2 edition #12, 50 Vorbilder: Manuela Kampp-Wirtz schreibt über Hildegard Hamm-Brücher.


Stilvoller Spagat zwischen Karriere und Familie: Hildegard Hamm-Brücher übernimmt politische Verantwortung im männerdominierten Deutschland der Nachkriegszeit und verkörpert liberales Denken. Verlagsmanagerin Manuela Kampp-Wirtz inspiriert das schon seit Teenagerzeiten, für ihre eigenen Werte einzustehen, schreibt sie in der turi2 edition #12.

Ich hatte das Glück, mein Leben lang faszinierende Menschen zu erleben, die Vorbilder für mich waren und sind. In erster Linie meine Eltern. Als Teenager haben mich Diskussionen mit meinem Vater, einem liberalen Politiker, inspiriert, Weltoffenheit und Freiheit als entscheidende Werte zu sehen. So bin ich früh auf eine öffentliche Persönlichkeit aufmerksam geworden, die diese Werte verkörpert: Hildegard Hamm-Brücher.

Sie ist als Politikerin wegweisend. Als eine der ersten Frauen übernimmt sie in der Nachkriegszeit politische Verantwortung, gestaltet ihre Karriere selbst – in einem System, das stärker als heute von Männern dominiert ist. Wo sie ihre Werte und Überzeugungen in Gefahr sieht, tritt sie konsequent und klar dafür ein. Konflikten geht sie nie aus dem Weg, ist konsequent in der Sache, aber nie verletzend oder persönlich.

Ihr berufliches und gesellschaftliches Engagement ist beeindruckend: Karriere als promovierte Chemikerin, Redakteurin, Abgeordnete, Staatssekretärin und Staatsministerin. Betrachtet man ihre Laufbahn, wird schnell klar, wofür Hildegard Hamm-Brücher steht: liberale Werte, die über die wirtschaftliche Kategorie weit hinausgehen. Ihr geht es um die Freiheit des Einzelnen, die stellt sie in den Mittelpunkt ihres Handelns: Alle Menschen sollen die gleichen Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft haben, unabhängig von Geschlecht und anderen Kriterien. Sie sieht dabei die Pflicht der Gemeinschaft und des Staates, diese Chancen zu gewährleisten, zu fordern, zu fördern.

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Hildegard Hamm-Brücher hat viel für Frauen in Deutschland geleistet. Sie war Pionierin im Spagat zwischen Beruf und Familie. Aber auch eine Frau mit Stil und Eleganz, sich ihres Auftritts immer bewusst. Im Zusammenspiel mit ihrer hervorragenden Rhetorik und der Klarheit ihrer Argumentation entstand eine Aura, der sich kaum jemand entziehen konnte. Sie hat diese Wirkung genutzt, um Dinge durchzusetzen und voranzubringen, die ihr wichtig waren.

Eigenverantwortliches unternehmerisches Handeln, im Team denken, Themen und Innovationen mutig vorantreiben – Eigenschaften, die ich als Geschäftsführerin bei Burda täglich vorlebe, fordere und fördere.
Chancengerechtigkeit ist auch für mich ein entscheidender Wert: Ich engagiere mich für die Beyond Gender Agenda mit dem Ziel, Diversität und Inklusion in der DNA von Unternehmen zu verankern. Ich setze mich dafür ein, Chancengleichheit von Führungskräften sicherzustellen – unabhängig von Geschlecht, Geschlechtsidentität, Alter, Behinderung, kultureller Herkunft, sexueller Orientierung. Unter Einbindung von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft wollen wir einen Kulturwandel herbeiführen. Ein Thema, das Hildegard Hamm-Brücher schon vor Jahrzehnten auf die Agenda setzte.

Weitere Frauen, mit denen ich mich während meiner Laufbahn in der Verlags- und Modewelt identifizieren konnte: Helen Gurley Brown von der “Cosmopolitan”, Anna Wintour von “Vogue”, Glenda Bailey von “Harper’s Bazaar”. Frauen, die Großes geleistet haben: für ihre Unternehmen, die Modewelt, für alle Frauen in Beruf und Gesellschaft. Und ich möchte hier noch eine weitere nennen: Michelle Obama. Nicht nur ihre Bildung, ihre Laufbahn und ihre vermeintliche Perfektion beeindrucken. Sondern vor allem ihre New Leadership, die sie durch Know-how, Exzellenz und Verantwortung zeigt, während sie souverän und offen mit eigenen Fehlern und den Schwierigkeiten des Lebens umgeht.

Werte sind Basis für Vorbilder. Da Werte sich im Lauf der Zeit entwickeln, können auch Vorbilder sich wandeln. Persönlichkeiten für sich entdecken, Impulse für den eigenen Weg mitnehmen, diesen eigenverantwortlich gestalten: Das wünsche ich allen und insbesondere jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Dann hat sich die Pionierarbeit meiner Vorbilder gelohnt.

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