turi2 edition #12, 50 Vorbilder: Thomas Lindner schreibt über Dieter Lindner.


Familiäres Vorbild: Dieter Lindner (Foto: Rainer Wohlfahrt) ist erfolgreicher Profifußballer, bescheidener Kaufmann, verlässlicher Familienmensch – und Vater und Vorbild von Thomas Lindner (Foto: Krinninger). Der FAZ-Verlagsmanager hat beim Schreiben für die turi2 edition #12 die Stimme seines Vaters im Ohr.

An Menschen bewundert man Eigenschaften, Fähigkeiten und Werte. Deshalb kann es kaum ein All-in-One-Vorbild im Laufe eines Lebens geben. Aber was Eigenschaften und Werte angeht, so ist mein Vater mir Vorbild in vielerlei Hinsicht. Damit bin ich wahrscheinlich keine Ausnahme.

Dieter Lindners Lebensweg ist bemerkenswert: vom Flüchtlingskind aus Breslau zum Spielführer und später Aufsichtsratsmitglied von Eintracht Frankfurt. Vom Habenichts mit Volksschulabschluss zum kaufmännischen Geschäftsführer eines kleinen Frankfurter Familienunternehmens. Auf seinem Weg respektiert, geschätzt und gemocht von fast allen seinen Begleitern. Ausgestattet mit Bescheidenheit, Humor, Intelligenz, Fleiß und Disziplin – letzteres die Eigenschaften vieler Protagonisten der Nachkriegsgeneration.

Mit all dem hat er mir vorgelebt, dass intrinsische Motivation, Pflichtbewusstsein und Zuverlässigkeit – ergänzt durch eine gewisse Bescheidenheit – eine gute Kombination fürs Leben ergeben. Insbesondere als seine Popularität als Frankfurter Fußballspieler und Lokalmatador so langsam verblasst ist, hat sich diese Kombination von Eigenschaften für ihn ausgezahlt.

Die Familie hatte für meinen Vater immer eine große, zentrale Bedeutung. Er hat mir beigebracht: Eltern und Kinder stehen stets bedingungslos zusammen. Innere wie äußere Solidität geben Halt auch in schwierigeren Zeiten. Den “Schein” vom “Sein” zu trennen, ist wichtig. Die Vermittlung, dass nur letzteres Relevanz besitzt, ist elementar. Blender meidet man. Heute wird mein Vater Dieter von meiner außergewöhnlichen Mutter gepflegt, die ihn mit Liebe und Pflichtbewusstsein umsorgt. Auch sie ist ein Vorbild für mich.

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Und natürlich gibt es in meinem Leben noch andere! Mein erster stiller, kluger Chef beim “stern”, der jede Frage geahnt hat, noch bevor sie gestellt wurde. Mein zweiter Vorstand bei Gruner + Jahr, der mit einer außergewöhnlichen Kombination von Intelligenz, Humor und Energie für mich neue Maßstäbe in Sachen Führung gesetzt hat. Ein Arzt, der so gut zuhören kann. Ein Hamburger Freund, der immer erreichbar ist und so klug, dass er für fast jedes Problem eine Lösung parat hat. Und unerwähnt bleiben da unverschuldet so viele andere, denen ich begegnet bin im Laufe der Jahre und die mich mitgeprägt haben. An dieser Stelle würde mein Vater wohl einschreiten. Und sagen: “Schluss jetzt, bevor es zu persönlich wird!”

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