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turi2 edition #12, 50 Vorbilder: Tobias Korenke schreibt über Ursula Schleicher.

5. Oktober 2020

Nicht unterzukriegen: Die Nazis ermorden ihren Ehemann und ihre Brüder. Für Ursula Schleicher, geborene Bonhoeffer, bleibt Widerstand gegen Unrecht trotzdem zeitlebens selbstverständlich. Ihr Enkel, Publizist Tobias Korenke, berichtet in der turi2 edition #12, wie ihm die Großmutter das Diskutieren und Mitfühlen vermittelt hat.

Manchmal wünschte ich mir eine Oma, wie ich sie von Freunden kannte. Mit der man Mensch-ärgere-dich-nicht spielt, auf deren Schoß man kriecht, die ihre Enkel verwöhnt. Das alles war meine Großmama nicht.

Mit Ursula Schleicher führte man Gespräche – über Politik, Gesellschaft, Geschichte. Immer fühlte ich mich ernstgenommen, auch wenn ich noch so pubertierendkrude Thesen vertrat. Sie setzte sich mit jedem Argument auseinander, widerlegte oder bekräftigte es, spann es weiter, bat um Differenzierung. Drumrum reden gab es nicht. Sie hatte ein großes, warmes Herz für die, die für ein besseres Leben kämpften, verfolgt oder unterdrückt wurden. Sie hasste Ungerechtigkeit, Prinzipienreiterei, Besserwisserei. Und liebte die, die mit Mut und Beharrlichkeit die Welt zum Besseren verändern.

Meine Schulnoten waren ihr egal, was mir sehr entgegen kam. Nicht gleichgültig war ihr, wie ich mich anderen gegenüber verhielt. Sie konnte nicht nur gut zuhören, sie versetzte sich auch immer in die Lage ihres Gegenübers. So wusste sie immer, wo der Schuh drückt und half, wo es notwendig war. In all dem ist mir meine Großmutter Vorbild, ein unerreichtes freilich.

Ursula Bonhoeffer wächst in Breslau und Berlin mit Kindermädchen, Haushaltshilfen, Privatschule, Musikunterricht und allen Privilegien auf, die in großbürgerlichen Verhältnissen eben so üblich sind. Trotzdem richtet sie sich in dieser abgehobenen Grunewald-Welt nicht behaglich ein. Schon früh unterstützt Ursula Menschen in Notlagen, macht nach der Schule eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin. Unvergessen ihre Erzählungen aus der harten Welt Friedrichshains, das zu ihrer Zeit ein sozialer Brennpunkt ist, geprägt von Alkoholismus, Prostitution und hoher Kriminalität.

Lesen Sie alle Geschichten der turi2 edition #12 – direkt hier im Browser als E-Paper oder bestellen Sie das Buch.

Sie und ihr Mann Rüdiger Schleicher sind zehn Jahre verheiratet, als die Nationalsozialisten an die Macht kommen. Es ist für meine Großeltern wie für die gesamte Bonhoeffer-Familie von Beginn an klar, dass Hitler Krieg und Diktatur bedeutet. Noch viele Jahre später war meine Großmutter bestürzt darüber, dass und wie die Mehrheit der Deutschen sich der totalitären Versuchung hingeben konnte.

Ursula unterstützt bedrohte jüdische Familien, wo immer es geht. Rüdiger, der als Rechtsprofessor die Aushöhlung des Rechts mit Abscheu verfolgt, engagiert sich gemeinsam mit Ursulas Brüdern Dietrich und Klaus Bonhoeffer sowie dem Schwager Hans von Dohnanyi zunehmend in der Opposition. Meine Großmutter weiß das. Es ist für sie selbstverständlich, dass man sich Unrecht und Ungerechtigkeit entgegenstellt, trotz großer Gefahren. Nach dem fehlgeschlagenen Attentat am 20. Juli 1944 werden Rüdiger Schleicher und Klaus Bonhoeffer sowie weitere Freunde verhaftet. Hans von Dohnanyi und Dietrich Bonhoeffer sind bereits 1943 inhaftiert worden. Alle vier werden zum Tode verurteilt. Ursula lässt nichts unversucht, um eine Begnadigung zu erwirken. Vergebens. Sie alle werden noch in den letzten Kriegstagen ermordet – Hitlers letzte Rache am deutschen Widerstand.

Kein Zweifel: Meine Großmutter hat die Ermordung ihrer engsten Verwandten nie überwunden. Die Erfahrung, was Menschen anderen Menschen antun können, prägte sie zutiefst. Dennoch machte sie weiter, kümmerte sich um die ständig wachsende Familie und hilft denen, die es nötig haben.

Auch davon, wie sie mit dem unermesslichen Verlust umging, kann man viel lernen. Sie lebte noch viele Jahre in ihrem Haus in Reinbek bei Hamburg, war der Mittelpunkt der Familie. Wenn man sie erlebte, konnte man etwas vom Kern des Menschseins verstehen: Der Freiheit, für den Mitmenschen zu handeln. Schon klar: Das klingt pathetisch und aus der Zeit gefallen. Aber ist es nicht aktueller denn je?

Alle Geschichten aus der turi2-edition #12 lesen: turi2.de/edition12

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