turi2 edition #13: 20 junge Journalist*innen, die uns 2020 aufgefallen sind.

1. Mona Ameziane
Jahrgang 1994, ist die Elke Heidenreich der Insta-Welt. Funk zieht ihrem Literaturkanal “Stories“ Ende 2019 den Stecker. Die gleichnamige Büchersendung läuft auf 1Live weiter – und gibt Autor*innen die Bühne, die sie 2020 coronabedingt nicht betreten dürfen. Auf ihrem privaten Instagram-Account rezensiert und empfiehlt Ameziane nach wie vor Bücher. 16.000 Menschen folgen ihr dort.

2. Aminata Belli
Jahrgang 1992, talkt seit 2020 “deep und deutlich“ für den NDR. Für Funk geht sie auf YouTube mit der Marine auf U-Boot-Tauchfahrt, begleitet eine Studentin ans Grab der ermordeten Schwester und kuschelt mit Fremden. Im Black-Lives-Matter-Jahr gibt die Moderatorin zu Protokoll, dass sie People of Color im deutschen TV vermisst.

3. Shammi Haque
Jahrgang 1993, startet als feministische Bloggerin in Bangladesch. Als sie wegen ihrer Texte und Posts bedroht wird und um ihr Leben fürchten muss, geht sie 2015 ins deutsche Exil. Nach einem Springer-Volo fängt sie 2020 fest bei “Bild“ an – und schreibt dort über Geflüchtete oder Islamismus in Europa.

4. Esra Karakaya
Jahrgang 1991, macht mit Karakaya Talk die diverseste Talkshow Deutschlands, bis ARD und ZDF sie 2020 canceln. Dann räumt das Format den Grimme Online Award ab. Jetzt trommelt Karakaya um Crowd-Geld, damit Gäste wieder bei einem Glas Çay über Politik und Privilegien diskutieren können.

5. Levin Kubeth
Jahrgang 1998, ist Medienjournalist der Gen Z. In seinem Podcast “Unter Zwei“ führt er lehrreiche Gespräche mit Vertreter*innen von “Tagesschau“ oder “Bild“ – wenn er nicht gerade Uni-bedingt pausiert. Dass der “Spiegel“ den Titel abgekupfert hat, hält Kubeth hoffentlich nicht davon ab, bald wieder neue Folgen aufzunehmen.

6. Nhi Le
Jahrgang 1995, macht zu Beginn der Pandemie lautstark auf Corona-Rassismus gegen asiatische und asiatisch gesehene Menschen aufmerksam. Le, die in Thüringen aufgewachsen ist, übt auch sonst intelligent-fundierte Gesellschaftskritik. Zum Beispiel in ihrer Kolumne “The Female Gaze“ für das junge “Süddeutsche“-Angebot Jetzt.

7. Yasmine M‘Barek
Jahrgang 1999, bloggt als Teenie über Mode und mausert sich zur Politik-Podcasterin. Heute gießt sich die Studentin in jeder Folge frischen “Polittee“ ein – und erklärt, analysiert, prognostiziert. M’Barek, die auch frei für die “Zeit“ schreibt, schafft es, selbst den Streit um den CDU-Vorsitz locker und verständlich aufzudröseln.

8. Sebastian Meineck
Jahrgang 1992, wühlt sich erst für “Vice“ durch Pornoseiten und rechte Telegram-Gruppen. Heute baut er den YouTube-Kanal “So Many Tabs“ für Funk auf, der sich mit Meinecks Spezialgebiet beschäftigt: Technik. In seinem Newsletter stellt er etwa Tools für Instagram-Recherchen vor.

9. / 10. Niklas Münch und Tobias Hausdorf
Jahrgang 1990 (links) und 1993 (rechts), podcasten bei “Hinter den Zeilen“ kurzweilig über und für den Journalismus-Nachwuchs, sprechen dabei über Ausbildungswege und ziehen Lehren aus ihren eigenen missglückten Interviews. Ausgebildet werden die beiden an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin.

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11. Marvin Schade
Jahrgang 1990, gründet 2020 mit Matthias Bannert Medieninsider und haut dort seither Exklusivmeldungen raus, die die Branche liest. Chefredakteur Schade geht mit dem Selbstbewusstsein seines Ex-Chefs Steingart vor. Doch das braucht es bekanntlich, um einen Mediendienst hochzuziehen.

12. Eva Schulz
Jahrgang 1990, führt unter dem Dach von ARD und ZDF immer noch smarte Talks mit coolen Leuten. (Notiz an ARD-Programmdirektor Volker Herres: Das geht auch ohne Kai Pflaume.) 2020 gewinnt Schulz mit “Deutschland 3000“ den Deutschen Podcast Preis als beste Interviewerin.

13. Hannah Schwär
Jahrgang 1992, recherchiert für Springers Business Insider eifrig in der Startup- und Wirtschaftswelt. Mit ihrem Vize-Chef Kayhan Özgenç springt Schwär Ende 2020 auf den True-Crime-Podcast-Zug und bespricht seitdem in “Macht und Millionen“ berühmte Wirtschaftsverbrechen.

14. Judyta Smykowski
Jahrgang 1989, schreibt für das Online-Magazin “Die neue Norm“ über Menschen mit Behinderung. Für sie fordert die Journalistin, die selbst im Rollstuhl sitzt, mehr mediale Sichtbarkeit. Ihr hehres Ziel: das Thema “raus aus der Charity- und Wohlfahrtsecke“ und in die “Mitte der Gesellschaft“ zu holen.

15. Oskar Vitlif
Jahrgang 1996, versorgt als Stellen-Guru junge Journalist*innen per Newsletter alle zwei Wochen mit Jobangeboten für Praktikum, Volo und Berufseinstieg. Vitlif ist freier Journalist, u.a. im TikTok-Team der “Tagesschau“. Außerdem coacht er WDR-Volos in Sachen Social Media.

16. Vanessa Vu
Jahrgang 1991, erklärt Politik und Publikum bei Anne Will im November 2020, warum Deutschland bei der Corona-Politik versagt – und was Länder in Südostasien besser machen. Über ihre vietnamesischen Wurzeln podcastet die “Zeit“-Journalistin mit Minh Thu Tran bei “Rice and Shine“.

17. Sara Weber
Jahrgang 1987, steigt 2020 zur Leiterin der Linked-in-Redaktion in Deutschland und Benelux auf. Kuration ist ihr Tagesgeschäft. Dabei beschäftigt sich die deutsch-amerikanische Netzwerk-Expertin thematisch vor allem mit Digitalisierung, Arbeitswelt und Diversität.

18. Peter Wilke
Jahrgang 2001, traut sich im Spätsommer was für “Bild“ und berichtet von einer Anti-Corona-Demo in Berlin. Der Springer-Volo kassiert viel Twitter-Häme, als er in der Live-Schalte einen Herrn namens Harry Krischner hinter dem Mantra “Hare Krishna“ vermutet. Shit happens!

19. Hengameh Yaghoobifarah
Jahrgang 1991, ruft mit einer trashigen Polizei-Kolumne Horst Seehofer und die Werte-Wächter der “Welt“ auf den Plan. Presserat und Staatsanwaltschaft lassen den Text stehen. Die “taz“ kostet er Genoss*innen. Yaghoobifarah modelt danach für Luxusklamotten.

20. Xifan Yang
Jahrgang 1988, schreibt aus Peking für die “Zeit“. Mit einer Reportage über eine chinesische Pflegerin, die in Deutschland ihr Job-Glück sucht, aber auf einer Demenzstation Windeln wechseln muss, gewinnt Yang 2020 den Reporterpreis. Auf Twitter teilt sie Eindrücke ihres Korrespondentinnen-Lebens zwischen China und Deutschland. Folgenswert!

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