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turi2 edition #20: Christoph Keese über woken Verzicht und schützende Waffen.

18. Januar 2023

Zurück zur Zukunft: Christoph Keese, Digitalberater und Experte für Innovation, glaubt an Technologie als Problemlöser und Resilienz durch Krise. Und an sich selbst als “aufgeklärten Optimisten”. Im Interview mit Markus Trantow in der turi2 edition #20 spricht der gelernte Journalist über das “Werkzeug-Problem” der Menschheit und verrät, wo er auch in schweren Zeiten noch Pioniergeist spürt.

Von Markus Trantow

Christoph Keese, hat das Jahr 2022 deinen Glauben an den Fortschritt der Menschheit erschüttert?

Ganz im Gegenteil, es hat ihn verstärkt. Viele der Probleme, die wir heute haben, sind durch Technologie entstanden, aber sie können nur durch Technologie gelöst werden. Das hat sich in diesem Jahr umso deutlicher gezeigt.

Beim Krieg in der Ukraine habe ich Schwierigkeiten mit diesem Technologie-Ansatz…

Der Krieg in der Ukraine würde mit neuer Technologie erstmal schlimmer werden, weil fortschrittliche Waffentechnik oft auch heimtückischer ist. Auf der anderen Seite können Menschen durch Waffen aber geschützt werden, zum Beispiel durch Abfangraketen, Stichwort: Iron Dome. Wir können aus Mediensicht aber schon früher ansetzen: Warum hat Putin so viel Macht? Weil er die totale Kontrolle über die Medien hat und Desinformations-Kampagnen so erst möglich werden. Wenn niedrig fliegende Satelliten wie Starlink mit 5G-Technologie über dem Erdball kreisen und Handys entsprechende Antennen bekommen, wird es technisch unmöglich, in einem Land Informationen komplett zu monopolisieren.

Trotzdem haben wir auch in der westlichen Welt ein großes Fake-News-Problem: Verschwörungs-Anhängerinnen sind so laut wie noch nie, gerade im Umfeld der Pandemie.

Aber wir haben eine lebendige, öffentliche Debatte, die auch zu gewissen Immunisierungseffekten führt. Wenn man über Fake News redet, verhindert man bei vielen, dass sie Fake News auf den Leim gehen. Das konnten wir 2022 auch beobachten: Die Midterm Elections in den USA haben gezeigt, dass Hass und Lügen von Trump und Konsorten nicht notwendigerweise dazu führen, dass sie Wahlen gewinnen.

Christoph Keese ist Leiter von Springers Beratungs­tochter Hy und Mit-Geschäftsführer der Event-Management-Firma World Minds. Nach seiner Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule und seinem Wirtschaftsstudium macht er in den 90ern Station bei Gruner + Jahr, wird erst Unternehmenssprecher, dann geschäfts­führender Redakteur der “Berliner Zeitung” und schließlich Chefredakteur der “Financial Times Deutschland”. 2001 wechselt er als Chefredakteur der “Welt am Sonntag” zu Springer.

Zu Zeiten der ersten Corona-Lockdowns waren viele Menschen bereit, neue Wege zu gehen. Da lag zum Teil eine tolle Energie in der Luft. Was ist davon übrig geblieben, mal abgesehen von Video-Calls?

Ich glaube, alle sind ermüdet und ermattet. Eigentlich ist seit Weihnachten 2019 nichts Schönes mehr passiert. Trotzdem glaube ich, dass noch immer eine Menge “Jetzt aber erst recht”-Energie in der Welt ist. In vielen unternehmerischen Sektoren von Fintech bis New Space spüre ich Aufbruch, Gestaltungswillen und Pioniergeist. Bei vielen Unternehmen ist durch Lockdowns, Ukraine-Krise und Logistik-Probleme Resilienz entstanden.

Christoph Keese, der unbeugsame Optimist?

Ja, ich gehöre dem Team Optimismus an, aber nicht dem blinden, sondern dem aufgeklärten Optimismus. Mich stört, dass wir eine Debatte zwischen den Polen Verzicht und Zerstörung führen: Entweder hört man auf, warm zu duschen, dann ist man woke. Oder man duscht warm und zerstört die Welt. Aber das sind Schein-Alternativen, denn es gibt einen dritten Weg und der heißt Technologie.

Wie lösen wir denn das Warm-Wasser-Problem?

In Zukunft werden wir unser warmes Wasser eben nicht mehr in einem großen Tank im Keller mit Gas erhitzen, sondern im Wasserhahn selbst, mithilfe kleiner Elektro-Spulen, die wir mit Ökostrom betreiben. Das ist viel effizienter, weil das warme Wasser nicht erst durchs ganze Haus muss und dabei viel Wärme verliert. Die Menschheit hat kein Technologie-Problem, sondern ein Werkzeug-Problem. Seit Anbeginn des Menschen hat jedes Werkzeug Vorteile gebracht, aber gleichzeitig auch Nachteile erzeugt. Der Stein wurde durch den Hammer ersetzt, der Hammer durch die Schlagbohrmaschine und die wiederum durch Laser oder Wasserbohrer. Wir werden nie ein Werkzeuge besitzen, das keinen Nebeneffekt hat. Aber solange es den Menschen gibt, werden wir immer neue, bessere Werkzeuge finden.

Selbst von Unternehmen, die als innovativ gelten, erlebt man oft Trippelschritte, die wie große Sprünge verkauft werden: Abgesehen von der Optik und Größe hat sich etwa das Smartphone in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert. Tun wir fortschrittlicher als wir sind?

Bei Apple würde ich das bestreiten. Ich glaube, dass Apple das Unternehmen auf der Welt ist, das am allerbesten begreift, was Fortschritt bedeutet. Vor allem hat Apple neue Produktkategorien geschaffen, die vorher undenkbar waren, AirTags zum Beispiel oder AirPods. Aber Apple lässt sich nicht von Aktivismus treiben. Die AppleGlasses und das Apple-Auto gibt es noch nicht. Aber wenn sie kommen, werden es ausgereifte Produkte sein. Innovation heißt ja nicht Erfindung, sondern Erfindung plus Implementierung.

Wie viel Innovation erwartest du noch von der Medienbranche?

Ich erwarte sehr viel, aber sehe wenig. Die wirklichen Innovationen sind nicht von den klassischen Medienunternehmen gekommen, sondern von anderen. Zum Beispiel Politico, das inzwischen zu Axel Springer gehört. Aber erfunden haben es Leute, die die “Washington Post” verlassen haben, um etwas Neues zu gründen. Oder Mediapart in Frankreich, eine linke, digitale Tageszeitung, gegründet von ehemaligen “Le Monde”-Redakteuren und heute eins der beeindruckendsten Paid-Content-Beispiele in Europa mit über 20 Mio Euro Jahresumsatz. Die Digital-Angebote von “Zeit”, “Spiegel”, “FAZ” und “Süddeutscher Zeitung” sind zwar gut gemacht, aber das Geschäftsmodell ist nicht innovativ. Wenn ich einen einzelnen Artikel der “Süddeutschen” lesen möchte, bekomme ich ein Angebot für ein Jahresabo. 30 Jahre nach Erfindung des Webs ist es auch bei vielen anderen Zeitungen nicht möglich, einen einzelnen Artikel zu kaufen. Das leuchtet mir nicht ein.

Alle Geschichten der turi2 edition #20 – direkt hier im Browser als E-Paper:

Wie werde ich selbst zu einem innovativen Menschen, oder wenigsten zu jemandem, der Veränderungen mitgeht?

Indem du dich an deine Jugend erinnerst: Mit zehn sind wir sehr explorativ, mit 20 sind wir noch immer daran interessiert, die Umwelt zu erkunden. Mit 30 setzen die ersten Routinen ein, die uns helfen, erfolgreich zu werden. Mit 40 nehmen die Routinen langsam Überhand und je älter wir werden, desto mehr verdrängen die Routinen Innovation. Finde zurück zu deinen früheren Selbst und gib neuen Dingen einfach mal eine Chance: Geh in einen Pop-up-Store, besuche neue Bars oder Restaurants. Die meisten neuen Ideen sind besser, als das, was es vorher gab. Wer gründet schon mit der Absicht, etwas schlechter zu machen?

Wie blickst du auf das Jahr 2023? Was erwartest du?

In meinen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmen höre ich immer wieder die Frage: Wie gelingt Planung in Zeiten vollständiger Unsicherheit, wenn alle Prognosen versagen? Wir können ja nicht immer nur auf Sicht fahren. Die Antwort kenne ich auch nicht, aber ich finde die Fragestellung extrem relevant.

Foto: Holger Talinski

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