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turi2 edition #20: Katrin Eigendorf über Hoffnung und harte Kerle.

6. Januar 2023

Ein anderer Blick: Für das ZDF steht Katrin Eigendorf in den Kriegs- und Krisengebieten der Erde. Frauen berichten weniger technisch und deutlich menschlicher als Männer, sagt sie im Interview in der turi2 edition #20. Bei ihrer Arbeit ist sie immer auch auf der Suche nach Hoffnung – damit das Publikum nicht wegsieht.

Von Heike Turi

Wenn der Anlass nicht ein so bitterer wäre, müsste man sagen: 2022 war dein Jahr. Du warst präsent wie selten und wurdest mehrfach ausgezeichnet. Welches Resümee ziehst du?
Wir haben mit dem Ukraine-Krieg eine Zeitenwende auch im Journalismus erlebt, die uns vor ganz neue Herausforderungen stellt. Es ist wieder Krieg in Europa, die außenpolitische Berichterstattung hat enorm an Stellenwert gewonnen. Was in der Ukraine, aber auch in Russland passiert, reicht weit in unser Leben hinein. In der Flut von Informationen und auch gezielter russischer Desinformationspolitik sind professionelle Augenzeugen und Reporter, die die Länder und politischen Systeme kennen, enorm wichtig geworden. Die Auszeichnungen sehe ich als Wertschätzung für alle KollegInnen, die in diesem Jahr trotz großer Gefahren über diesen Krieg berichten. Ich persönlich sehe es als Ansporn, unsere öffentlich-rechtliche Berichterstattung noch weiter zu verbessern.

Wie gewährleistest du mit deiner Arbeit ein vielfältiges Meinungsbild?
Wenn ich aus einem Krieg oder Krisengebiet berichte, gilt für mich, dass ich alles zeige, mit allen Beteiligten spreche. In Afghanistan habe ich schon sehr früh, bereits vor ihrer Machtübernahme, mit den Taliban nicht nur geredet, sondern auch ihren Alltag gezeigt. In der Ukraine habe ich 2014 von Anfang an mit Seperatistenführern Interviews gemacht, beispielsweise mit Denis Puschilin. Ich bin da sehr nah ran gekommen, habe gezeigt, wie die Menschen im Osten der Ukraine denken. Ich kann allerdings die Seiten nur dann zeigen und zu Wort kommen lassen, wenn ich frei berichten darf. Das ist in den Gebieten, die Russland besetzt und kontrolliert, nicht möglich. Genauso wenig kann ich mit russischen Soldaten reden. Ich kann nur auf der ukrainischen Seite frei berichten – und das tue ich.

Woher nimmst du dein Wissen, wie entsteht deine Einschätzung?
Es ist immer eine Mischung. Sehr wichtig ist es, sich vor Ort selbst ein Bild zu machen, mit Menschen zu sprechen, ihnen genau zuzuhören und sich auch die Umstände anzuschauen. Ebenso wichtig ist es, vielfältige Informationsquellen zu nutzen, um sich so ein Bild über die Gesamtlage und auch aktuelle Entwicklungen zu machen: die großen Social-Media-Kanäle, in der Ukraine besonders auch Informationsdienste wie Telegram. Persönliche Kontakte, Menschen, deren Einschätzung ich vertrauen kann, sind für mich auch wichtig. Ich bemühe mich immer, möglichst andere Einschätzungen zu hören, bevor ich selbst zu einer komme. Ebenso wichtig sind genaue Kenntnisse der Geschichte, der Hintergründe von Konflikten, im besten Fall auch der Sprache. Und: Erfahrung.

Precht und Welzer reklamieren, dass Medien zu einseitig berichten, alle ins gleiche Horn blasen und das Meinungsbild in der Bevölkerung ungenügend abbilden. Was ist da dran?
Das sind sehr pauschale und populistische Aussagen. Ich würde gerne einmal die Gegenfrage stellen: Was soll ich denn angesichts eines grauenvollen Vernichtungskrieges gegen ein Land und vor allem seine Zivilbevölkerung berichten? Der russische Außenminister Lawrow hat angesichts der Lage in Butcha von einer Inszenierung gesprochen. Russland greift in Mariupol eine Geburtsklinik an und behauptet, die Opfer seien Schauspielerinnen. Mit dieser Form von Lüge und Propaganda versucht die russische Regierung, Zweifel zu säen, Misstrauen zu schüren – es ist Putins Strategie, die Gesellschaften der westlichen Länder zu spalten. Als Reporterin vor Ort ist es meine Aufgabe, über die Tatsachenwahrheit zu berichten, aus eigener Anschauung, nach gründlicher Prüfung. Das tun alle Reporter, die ihren Beruf ernst nehmen. 

Früher war Kriegsberichterstattung die Domäne harter Kerle, heute berichten mehr Frauen aus Krisengebieten. Spielt das Geschlecht noch eine Rolle?
Ich glaube, wir bewegen uns immer weiter davon weg. Gerade in der Ukraine hat sich schon 2014 gezeigt, wie viele Frauen über den Krieg berichten. Ich habe das Gefühl, insgesamt hat diese Mischung der Geschlechter die Kriegsberichterstattung verändert: weg vom Schlachtfeld, mehr rein in die Zivilgesellschaft, weniger technisch, deutlich menschlicher. Noch immer sind Männer in der Mehrheit, aber auch in den Chefetagen der Medien setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass Frauen ebenso gut wie Männer als Kriegsreporter arbeiten können. Hilfreich sind dafür natürlich auch Vorbilder: Frauen wie Christiane Amanpour von CNN haben dafür schon vor vielen Jahren die Grundlagen geschaffen.

Tina Hassel hat uns in der turi2 Agenda 2022 prophezeit: „Wir werden aus dem Krisenmodus gar nicht mehr rauskommen.“ Mit Blick auf die Ukraine, den Iran, nach China und Taiwan – wer konnte wissen, dass es so schlimm kommt?
Nach meiner Meinung haben sich viele Entwicklungen abgezeichnet, aber in der Komplexität und der Gleichzeitigkeit, in der wir alle diese Konflikte gerade erleben, liegt schon eine  besondere Herausforderung. Das wichtigste Thema finde ich die Folgen des Klimawandels und die Frage, wie wir unseren Lebensraum Erde retten können. Krisen fordern Lösungen und die müssen wir angehen. Es ist unsere Entscheidung, ob wir stecken bleiben oder in die Zukunft blicken.

Katrin Eigendorf
arbeitet seit den 90er Jahren als Auslandskorrespondentin. Nach ihrem Volontariat beim WDR und Stationen in der ARD wird sie 1993 RTL-Korrespondentin in Moskau. Zum ZDF kommt sie 1999, berichtet 2015 bis 2018 aus dem ZDF-Studio Moskau. Heute sind ihre Schwerpunkte neben Afghanistan, der Ukraine und Russland der Libanon, Irak und die Türkei. Für ihre Arbeit wurde Eigendorf mehrfach ausgezeichnet

Aktuell macht sich eine Art Kriegs- und Krisenmüdigkeit breit. Viele versuchen, schlechte Nachrichten zu meiden. Beeinflusst das deine Arbeit?
Ja, das erlebe ich auch in Gesprächen mit Familie und Freunden, auch in den öffentlichen Debatten. Wir müssen uns bemühen, mehr konstruktiv zu berichten. Das bedeutet, auch die positiven, hoffnungsvollen Fakten einfließen zu lassen. Journalisten neigen dazu, alles immer sehr kritisch zu sehen, was im Grundsatz richtig ist. Dabei darf man den Blick aber nicht nur auf das Negative verengen. Ich sehe das auch als Herausforderung für meine Arbeit.

Woraus schöpfst du Hoffnung?
Man darf im Blick auf die Welt nicht im Jetzt stecken bleiben. Das Jetzt ist immer nur ein Ausschnitt, das wird klar, wenn man die großen weltgeschichtlichen Entwicklungen sieht. Wer hätte gedacht, dass eines Tages tatsächlich die Mauer fällt? Das Apartheid-Regime friedlich beendet wird? Die Zukunft ist offen, für gute und schlechte Entwicklungen – ich schöpfe meine Hoffnung daraus, dass die Menschen entscheiden können.

Foto: ZDF

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