turi2 edition4: Zu Besuch bei den Krisen-Beobachtern von A3M.

Das Unternehmen A3M aus Tübingen scannt die ganze Welt nach Unglücken. Eine Mischung aus Mensch und Maschine warnt Nutzer vor politischen Gefahren und Naturkatastrophen. Jens Twiehaus hat die Krisenmanager für die turi2 edition porträtiert. Foto: Picture Alliance

Am Rande der Tübinger Altstadt ist die Krise Alltag. Zwischen einem Kebab- Restaurant und einem Programmkino sitzen zwei Redakteure auf einer Büroetage. Schwarze Schreibtischstühle, zwei Doppelmonitore. An der ansonsten weißen Wand hängen sechs Flachbildfernseher: BBC, Weltkarten, ein Strom aus Tweets. Die Redakteure müssen alles im Blick haben, wenn irgendwo eine Bombe explodiert oder ein Tropensturm aufzieht.

A3M Global Monitoring heißt die Firma, die im Auftrag von Touristikkonzernen, deutschen Unternehmen und Institutionen die Weltlage im Blick behält. Der Dienstleister meldet nicht nur, wenn irgendwo auf der Welt etwas Schlimmes passiert. A3M verspricht auch, Kunden innerhalb von Minuten gezielt zu warnen, falls sie betroffen sind.

A3M hat keine Beobachter vor Ort – Informationen kommen unter anderem via Social Media

Als am 26. Juni 2015 ein Attentäter in Port El-Kantaoui, Tunesien, 38 Badegäste an einem Strand erschießt, erreichen den Redakteur in Tübingen die ersten Signale über Soziale Medien. Eine Nachrichtenagentur bestätigt die Attacke kurz darauf. Der Redakteur gibt die Warnung ins System ein, markiert den Ort des Geschehens – es wird deutlich: Im direkten Umfeld liegen mehrere Hotels, zu denen auch Kunden von A3M ihre Reisenden schicken. Die Krisenmanager der Unternehmen erhalten eine Warnmeldung und können handeln. Innerhalb von fünf bis zehn Minuten nach Bekanntwerden einer Gefahr – so verspricht es A3M – spuckt ihr Global-Monitoring-System nicht nur aus, wie viele Reisende des Kunden bedroht sind, sondern auch welche, inklusive der Kontaktdaten.

Marcel Brandt ist studierter Wirtschaftsingenieur und hat A3M mit aufgebaut. Zu seinen Kunden gehören unter anderem TUI und Thomas Cook. Foto: Privat

Reiseveranstalter, aber auch Konzerne, die Mitarbeiter um die Welt schicken, können die Reisedaten direkt an das Warnsystem andocken und sehen, wer wo welcher Gefahr ausgesetzt ist. A3M verknüpft Nachrichten mit Geolokalisierung und Datenanalyse und verkauft am Ende eine Plattform-Dienstleistung: Das Unternehmen selbst schickt keine Beobachter an die Krisenherde der Welt.

Marcel Brandt hat A3M mit aufgebaut. Die Idee entsteht 2005, als Tsunamis im Indischen Ozean 230.000 Tote fordern. Brandt, damals Wirtschaftsingenieur im Studium und Liebhaber des rauen Atlantiks, erinnert sich mit Schaudern: “Da sind so viele Menschen gestorben, obwohl die Tsunami-Information ja da war. Aber sie ging eben nicht raus an die Einheimischen und die Urlauber vor Ort.” Brandt und seine damaligen Professoren bauen ein Tsunami-Warnsystem
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