Was bedeutet Mannsein in Zeiten von toxischer Männlichkeit, Florian Boitin?


Wann ist ein Mann ein Mann? “Playboy”-Chefredakteur Florian Boitin schreibt in seinem Gastbeitrag für die turi2 edition #13, dass er Männlichkeit mit Eigenschaften wie Mut, Toleranz und Entschlossenheit verbindet. Das stehe nicht im Widerspruch zu Weiblichkeit, “wohl aber zu Überzeugungen, die Männlichkeit mit Grobheit, Machtgehabe und Überlegenheitsfantasien verwechseln”. Sie können den Text hier im kostenlosen E-Paper lesen oder hier gedruckt bestellen.

Hat Corona uns Männer verändert? Zumindest setzt es uns offenbar deutlich mehr zu als unseren weiblichen Artgenossen. Studien zufolge sterben fast doppelt so viele Männer an Covid-19 wie Frauen. Wissenschaftler erklären das damit, dass das Immunsystem von Frauen robuster sei als das von Männern. Östrogen stimuliert die Widerstandskräfte, Testosteron hingegen unterdrückt das Immunsystem, sind sich die Forscher sicher.

Testosteron ist dieser Tage ohnehin nicht so en vogue. Nicht erst seit Donald Trump und dem inzwischen zu langjähriger Haftstrafe verurteilten Harvey Weinstein ist im Zuge der MeToo-Bewegung von sogenannter toxischer Männlichkeit die Rede. War der metrosexuelle Mann Anfang der 2000er noch ein echter Kerl (David Beckham) mit Muckis und einer wunderschönen Frau an seiner Seite, zeigen sich männliche Superstars heute schon mal im schwarzen Spitzenkleid auf dem Cover der bedeutendsten Modezeitschrift der Welt. Wie Sänger Harry Styles auf dem Titel der US-amerikanischen “Vogue“.

Andererseits: War “Mannsein“ nicht schon immer mehr als die Reduzierung auf männliche Stereotype wie Rationalität, Durchsetzungsvermögen und Dominanzgebaren? In den 60ern, zur gleichen Zeit also, als Sean Connery als James Bond das Männer-Bild des smarten, eleganten, aber auch kompromisslosen, brutalen Machos zementierte, wollten Millionen junge Männer sein wie die wilden Helden der Pop-Kultur: langhaarig wie die Beatles, androgyn wie David Bowie, verletzlich wie Jim Morrison.

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Was soll dieses “Mannsein“ überhaupt sein? Ist die Frage per se nicht schon ein Anachronismus? Genderforscher wollen das Geschlecht heute nicht mehr nur als Schicksal verstanden wissen, sondern als hinterfrag- und damit gestaltbar. Dennoch ist die Frage, die einst Herbert Grönemeyer stellte, für uns beim “Playboy“ aktueller denn je: Wann ist ein Mann ein Mann? Viele kluge Köpfe haben wir das in den letzten Jahren gefragt. Frauen wie Männer. Der afrikanische Schriftsteller JJ Bola (“Sei kein Mann“) schreibt in einem Beitrag für uns: “Es gibt viele Arten der Männlichkeit. Aber oft wird diese Vielfalt gerade jungen Menschen nicht nahegebracht. Sie wachsen mit einem eingeschränkten Bild auf.“

Männlichkeit definiert sich für mich als Synonym für Souveränität, Mut, Toleranz, Entschlossenheit, Humor, Verantwortungsbewusstsein. Und steht somit nicht im Widerspruch zu Weiblichkeit. Wohl aber zu Überzeugungen, die Männlichkeit mit Grobheit, Machtgehabe und Überlegenheitsfantasien verwechseln. Der sexistische Herrenwitz auf zwei Beinen hat ausgedient. William Shakespeare formulierte es so: “Du könntest mehr der Mann sein, der du bist, wenn du es weniger zeigtest.“

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