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“Dorthin schauen, wo nur äußerst selten hingeschaut wird.” – Antje Pieper über 50 Jahre “Auslandsjournal”.

2. Oktober 2023

Die Welt im Blick: “Unsere Aufgabe ist es, über den Teller­rand zu blicken und auch mal andere Perspektiven zu zeigen”, sagt Antje Pieper im turi2-Interview für die Screen-Wochen. Seit 2014 moderiert sie das Auslandsjournal im ZDF, das in dieser Woche sein 50-jähriges Jubiläum feiert. In aktuellen Nachrichten­sendungen fehle oft die Zeit, “die Geschichten hinter der Geschichte zu erzählen”, daher sei es “ein großes Geschenk”, im “Auslandsjournal” oder längeren Dokus Geschehnisse in der Welt und ihre Auswirkungen auf Deutschland anders einzuordnen. Als Studio­leiterin in Rom hat Pieper selbst neun Jahre aus Italien und Griechenland berichtet und freut sich, dass sie “nicht nur den Mainzer Blick auf die Welt hat”, sondern auch heute noch immer wieder von vor Ort berichten kann.
 

 
Von Björn Czieslik
 
Seit 50 Jahren gibt es das Auslandsjournal im ZDF. Seit neun Jahren sind Sie jetzt dabei. Wir leben in einer globalisierten Welt mit einem Publikum, das auch selbst immer multikultureller wird. Ist das Wort “Ausland” in “Auslandsjournal” eigentlich noch zeitgemäß?
 
Ich würde zustimmen, dass wir den Begriff “Ausland” immer wieder in Frage stellen müssen. Die Welt wächst immer mehr zusammen und es gibt keine unentdeckten Ecken mehr – man hat ständig Einblicke und Bilder von überall. Doch das, was über unsere deutschen Landesgrenzen hinweg passiert, hat immer wieder Auswirkungen auf Deutschland. Unsere Aufgabe ist es, über den Tellerrand zu blicken und auch mal andere Perspektiven zu zeigen. Gerade wenn es so viele Bilder gibt, ist die Einordnung wichtig. Die Geschichten hinter der Geschichte zu erzählen und den Menschen nahe zu kommen, das bleibt unsere Aufgabe.

Warum braucht es denn für Auslands-Themen überhaupt eine eigene Sendung? Sind Geschichten aus dem Ausland abseits der Aktualität für andere Magazine oder Nachrichtensendungen zu unsexy?

Nein, überhaupt nicht. Aber manchmal haben diese nicht die Zeit dafür. Das “heute-journal” hat nur eine halbe Stunde, um Deutschland und die ganze Welt abzubilden. Da ist es doch gut, wenn man sich anschließend auch mal die Zeit für einen Sechs-Minuten-Beitrag nehmen kann. Manchmal verlängern wir ein Thema auch auf eine halbe Stunde, zeigen eine Auskopplung in der Sendung und die ganze Doku auf YouTube und in der ZDF-Mediathek. Wir haben die Möglichkeit, länger hinzuschauen und nicht nur die erste Geschichte zu erzählen, sondern auch die Geschichten dahinter. Ich finde es total spannend, auf andere Länder nicht nur aus unserem deutschen Blickwinkel zu schauen. Wir haben Korrespondenten vor Ort, die die Geschehnisse anders einordnen und aus anderen Perspektiven beleuchten können. Ich finde, es ist ein großes Geschenk, dass wir diese Möglichkeit haben.

Bringen Sie auch manchmal Themen, die Sie für wichtig halten, von denen Sie aber wissen, dass es die Mehrheit des Publikums nicht interessiert?

Absolut, das machen wir. Es ist zum Beispiel schwierig, über den Jemen zu berichten. Aber ich finde es sehr wichtig, zu schauen, was dort passiert, weil es so viel für die gesamte Region bedeutet. Das wird vielleicht nicht das große Publikum finden, aber genau das ist auch unser Auftrag: dorthin zu schauen, wo nur äußerst selten hingeschaut wird.

Hierzulande erfahren wir in den Nachrichten traditionell sehr viel über die USA, ein bisschen was über das europäische Ausland und jetzt zuletzt auch viel über die Ukraine und Russland. Auf welche Länder und Regionen sollten wir jetzt und auch in Zukunft häufiger schauen?

Wir hatten gerade erst den G20-Gipfel in Neu-Delhi, wo es um den globalen Süden ging. Indien versucht, eine immer stärkere Rolle einzunehmen. Wir berichten auch intensiv über China und dessen neue Rolle in der Welt, aber auch über Afrika als neuen Player. Es gibt so viele Länder, wo wir hinschauen sollten und das auch machen. Wir versuchen es beim “Auslandsjournal” jede Woche auszutarieren, damit wir nicht schon wieder Amerika in der Sendung haben oder nur eurozentrisch sind.

Durch Social Media kann man heute unmittelbar mitbekommen, was am anderen Ende der Welt passiert. Gerade in Krisensituationen werden die sozialen Medien von Videos und Berichten geflutet. Wie hat sich die Auslandsberichterstattung dadurch verändert?

Wir können im “Auslandsjournal” nicht mehr wie früher die Welt erkunden, blinde Flecken entdecken und die Leute zum Staunen bringen. Es gibt von überall Bilder, es ist alles entdeckt und veröffentlicht. Aber gerade das macht es doch so spannend, diese Flut von Bildern und Eindrücken einzuordnen oder die Geschichten hinter diesen vielen Bildern zu zeigen. In Corona-Zeiten, als Korrespondenten nicht mehr überall hinreisen konnten, hat uns Social Media geholfen: Wir konnten mit den Leuten direkt sprechen, die mit ihren Smartphones Bilder von ihrem Alltag aufgenommen und uns geschickt haben. So konnten wir, als jeder in seinem Wohnzimmer saß, trotzdem noch in die Wohnzimmer der anderen schauen. Auch am Anfang des Ukraine-Krieges, als wir noch nicht in allen Regionen vor Ort waren, konnten wir die Lage durch Handyvideos miterleben und Stimmen von vor Ort bekommen.

Am 5. Oktober 1973 war das Auslandsjournal erstmals im ZDF auf Sendung. Seitdem berichtet das Magazin einmal wöchentlich über Ereignisse außerhalb Deutschlands, liefert Hintergründe und erzählt die Geschichte hinter der Geschichte. Am Mittwoch, 4. Oktober 2023, präsentiert Antje Pieper um 22.15 Uhr im ZDF die Jubiläumssendung. Zwei Dokus mit Rückblicken runden das Programm ab.
presseportal.de (Juiläumsprogramm)

Presse- und Meinungsfreiheit sind nicht in allen Ländern der Welt ein so hohes Gut wie in Deutschland. Wie geht das ZDF damit um?

Natürlich ist es schwierig, aus Russland zu berichten, wenn man nicht mal das Wort “Krieg” in den Mund nehmen darf. Über diese Situation haben wir zum Beispiel mit unserer damaligen Moskauer Korrespondentin Phoebe Gaa ein längeres Interview im “Auslandsjournal” gemacht, um darüber zu reden, wie sie vor Ort berichten kann. Es ist wichtig, dass man diese Behinderungen der Berichterstattung auch transparent macht.

Sie waren ja neun Jahre lang selbst als Korrespondentin im Ausland, als Studioleiterin in Rom. Welche Geschichten und welches Ereignis ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

In Rom war ich für Italien und Griechenland zuständig. Ich habe die ganzen Berlusconi-Jahre mitgemacht und dabei bereits beobachten können, wie sich einer als Selfmade-Millionär, als Macher, gegen ein vermeintliches Politik-Establishment und als Opfer von Staatsanwälten inszeniert und dabei die Medien bedient. Da habe ich mit Berlusconi schon so eine Vorform von Donald Trump erlebt, die mir heute immer wieder begegnet.

An welche Ereignisse erinnern Sie sich noch?

An den Untergang der Costa Concordia. Ich werde nicht vergessen, wie ich auf Giglio ankam und dieses Kreuzfahrtschiff dort liegen sah. Da gab es diese unglaubliche Geschichte von Herrn Schettino, er wäre nur ins Rettungsboot gefallen, um das Rettungsboot zu retten. Auch an die ganze Griechenland-Krise erinnere ich mich noch gut: Ich habe von vor Ort berichtet und stand immer am Syntagma-Platz. Erst gingen die Proteste friedlich los und zu einer bestimmten Uhrzeit, immer so gegen 14 Uhr, eskalierte es dann und man stand mitten im Tränengas. Einmal war das Tränengas bei einer Schalte so extrem, dass ich mir ein feuchtes Tuch vor die Nase halten musste.

Was ich auch nicht vergessen werde: Am ersten Tag, als ich als Korrespondentin nach Italien kam, starb Johannes Paul II. Und dann wurde mit Papst Benedikt auch noch ein deutscher Papst gewählt. Acht Jahre später trat er als einer der ersten Päpste seit vielen Jahren zurück und ich musste erklären, warum jetzt ein Papst zurücktritt. Das waren schon auch sehr eindrückliche Erlebnisse.

Gab es denn nach Ihrer Rückkehr aus Rom den Wunsch oder die Überlegung, noch mal ins Ausland zu gehen?

Ja, und ich bin dafür auch immer offen. Aber ich freue mich ebenso, jetzt die ganze Welt im Blick zu haben und von hier aus in die Welt zu schauen. Zudem kann ich auch immer wieder von vor Ort berichten. Ich war zum ersten Jahrestag des Ukraine-Krieges in Kiew, sowie nach dem Erdbeben und vor der Wahl in der Türkei. Im Vorfeld der Parlamentswahl in Polen war ich kürzlich dort auf Dreh-Reise. Ich komme also schon noch raus. Ich finde es auch wichtig, dass man nicht nur den Mainzer Blick auf die Welt hat, sondern auch immer wieder von vor Ort berichtet. Doch wir haben so tolle Korrespondenten und Korrespondentinnen – da freue ich mich, jeden Mittwoch deren Berichte im “Auslandsjournal” präsentieren zu dürfen.

Wenn Sie es sich aussuchen könnten, noch einmal als feste Korrespondentin irgendwo hinzugehen: Was wäre Ihr Wunsch-Berichtsgebiet, das Sie besonders reizen würde?

Ich habe sehr gerne aus Rom berichtet, da hängt mein Herz dran. Ich fände aber auch New York sehr reizvoll, allein wegen der Stadt. Auch London oder Paris. Es hat mich immer fasziniert, über fremde Menschen, Orte und Länder zu reportieren. Da kann ich gar keine Präferenz sagen. Aber wenn man neun Jahre in Rom gelebt hat, ist das natürlich ein Ort, der einen ganz besonderen Platz im Herzen hat.

Dieses Interview ist Teil der Screen-Wochen bei turi2. Bis 8. Oktober beschäftigen wir uns auf turi2.de mit Entwicklungen und Trends für Bildschirme – von der Smartwatch bis zum großen Werbescreen.
 
Header-Foto: Jens Koch / ZDF
 

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