Es graswurzelt was: Wie das Jahr 2026 die Zuversicht in Medien, Wirtschaft und Politik zurückbringen könnte.
29. Januar 2026
Die Mehrheit der Menschen in Deutschland sieht schwarz für das Land. Diese ernüchternde Bilanz steht ganz am Anfang einer repräsentativen und tiefenpsychologischen Studie, hinter der die Initiative 18, #UseTheNews und die Marktforschungsagentur Rheingold Salon stehen. Mitte Mai 2025 kam die Studie heraus – als Startschuss für das “Projekt Zuversicht”. Sein Ziel: Zuversicht verbreiten, und Kontrapunkte gegen Fake News und gesellschaftliche Spaltung setzen. Nicht mal ein Jahr später zeigt das Projekt erste Ergebnisse. Also kein Grund mehr, schwarzzusehen? Markus Trantow fragt im Rahmen der Themenwoche Zukunft bei turi2 nach dem Stand des Projekts.
Schon die Liste der Medienfirmen, die sich am “Projekt Zuversicht” beteiligen, liest sich wie das Who-is-Who der Medienbranche. Da kommen etwa das gemeinnützige Medienhaus Correctiv, Funke, “Die Zeit”, RTL und ProSiebenSat.1 zusammen. Auch die Vermarkter Weischer, RMS und ARD Media können sich auf den gemeinsamen Nenner “Zuversicht” einigen und machen mit. Genauso wie die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, sowie zahlreiche Firmen und weitere Verbände. Darauf, dass es in Deutschland mehr Zuversicht braucht, können sich offensichtlich alle einigen.
Für die Macherinnen und Macher des “Projekts Zuversicht” standen am Anfang eher besorgniserregende Umfrageergebnisse. “Wir fahren das Land vor die Wand, wenn wir weiter so machen wie bisher”, dieser Aussage stimmten Anfang 2025 immerhin 78 % der Befragten einer Studie des Rheingold Salons zu. Ganze 67 % fühlten sich von Gesellschaft und Politik alleingelassen. Einher ging diese Einschätzung mit einem Vertrauensverlust in Institutionen – und das, obwohl eine Mehrzahl der Befragten eigentlich konstatiert, dass es ihnen und ihren Familien im Prinzip gut geht.
Als Problem identifizierten die Studienmacher damals u.a. fehlende Selbstwirksamkeit. Nur 10 % der Befragten glaubten, selbst etwas bewirken zu können. 50 % waren dagegen der Meinung, nichts bewirken zu können. Auch die Medien bekamen ihr Fett weg: Ihnen wurde Panikmache vorgeworfen und zwei Drittel der Befragten gaben an, selbst zuversichtlicher sein zu können, würden die Medien nicht immer alles “so negativ berichten”.
“Die Studie ist die bislang wichtigste in meiner beruflichen Karriere und ein Herzensprojekt, da sie die Grundlagen unseres Zusammenlebens betrifft”, kommentiert Jens Lönneker, Gründer und Geschäftsführer von Rheingold Salon – wohl auch, weil es bei der reinen Zustandsbeschreibung nicht bleiben sollte.
Die Studie war der Auftakt für das “Projekt Zuversicht”. Die Idee: Nachwuchskräfte aus der Kreativwirtschaft, Journalismus und Politik sollen Konzepte entwickeln und Projekte aufsetzen, die das Ziel haben, das verloren gegangene gesellschaftliche Gemeinschaftsgefühl und Selbstwirksamkeit zurückzuholen. Heute, ein knappes Jahr später, haben drei Hackathons stattgefunden. Herausgekommen sind neun Projekte aus den Bereichen Kreation, Journalismus und Politik – Mitte Januar wurden sie vorgestellt.
Die Ideen der jungen Menschen für Journalismus, Politik und Marketing sind vielfältig, sie haben aber eines gemeinsam: Sie sind inklusiv statt exklusiv – und viele von ihnen bürsten gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten radikal gegen den Strich.
Etwa bei “Reversed Politics”. Hier gehört der Jugend die Bühne und die Politik soll zuhören – und anschließend mit den jungen Menschen diskutieren. Das Projekt “Media Buddies” will Bürgerinnen und Bürger mit Medienschaffenden zusammenbringen: Das Matching-Format kann zu Dialog und Perspektiv-Austausch führen – oder sogar zu gemeinsamen Recherchen. Ein anderes Projekt will Händler dazu bewegen, 5 % der Werbeflächen in ihren Märkten für Zuversichts- und Gemeinschaftsinhalte zur Verfügung zu stellen: Die Wortschöpfung der jungen Kreativen dafür lautet “Zuvertising” – eine Mischung aus “Zuversicht” und “Advertising”. Und das sind erst drei von insgesamt neun Ideen.
Weiterführende Links zu “Projekt Zuversicht”:
Pressemitteilung zu Studie und Projektstart: presseportal.de
Die Initiatoren zeigen sich begeistert: “Alle drei Ideathons haben gezeigt, wie viel Energie und positiver Spirit entsteht, wenn man jungen Talenten den Raum gibt, im Dienste der Gesellschaft konkrete Lösungsansätze gemeinsam zu erarbeiten”, sagt etwa Lönneker. Welche Projekte es in die Realisierung schaffen, soll sich im April entscheiden. Dann lädt das Projekt Zuversicht zu einem “Megathon” ein. Ziel werde es sein, “die Siegerkonzepte der Ideathons zu durchdachten und umsetzungsfähigen Projekten weiterzuentwickeln”, erklärt Meinolf Ellers, Geschäftsführer von #UseTheNews. Er hofft nach den Erfahrungen der Ideathons auf “einen echten Aufbruch”.
Und auch die öffentliche Aufmerksamkeit für das Projekt Zuversicht soll bis dahin noch wachsen: Der Agenturen-Verband GWA und das Medienunternehmen Weischer schreiben aktuell einen Kreativ-Wettbewerb für das Projekt aus. Gesucht werden neue Kampagnen-Ideen, mit denen junge Zielgruppen für verlässliche Nachrichten begeistert werden können.
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