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Kinder als Zielgruppe: Über die Suchtgefahr von Kinderserien.

30. Januar 2025

In Kinder­serien geht es häufig rasant zu: Schnelle Schnitte und Szenen­wechsel, schrille Farben und laute Geräusche können im schlimmsten Fall süchtig machen. Viele sehr junge Zuschauer bingen inzwischen wie die Älteren. In unserer Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit dem “KNA-Medien­­dienst” veröffent­­lichen, fragt Kristina Staab, wie Eltern erkennen, welche Angebote problematisch sein können. Experten raten zu konkreten Absprachen mit dem Nach­wuchs, wie viel und was geguckt werden darf.

Von Kristina Staab (KNA)

Große Augen, leicht geöffneter Mund; das Kind starrt gebannt auf das Display des Smartphones. Darauf zu sehen: niedliche, lebhafte Figuren, die Kuchen backen, Geburtstag feiern oder auch einen Arzt besuchen – eine Animationsserie speziell für Zuschauer unter sechs Jahren.

“Kinder sind die am besten funktionierende Zielgruppe, egal um was es geht”, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur für Pädagogische und Entwicklungspsychologie an der TU Chemnitz, Laura Ackermann. Sie ließen sich schnell begeistern und seien dadurch eine dankbare und finanziell lukrative Zielgruppe. Dies müsse von Eltern im Blick behalten werden, damit alles in einem gesunden Rahmen bleibe.

Denn dem entgegen gehen die Interessen von Unternehmen, die mit der Bildschirmzeit von Kindern ihr Geld verdienen. Auf Social Media finden sich zahlreiche solcher Angebote. Ein besonders erfolgreicher Kanal heißt “Cocomelon – Nursery Rhymes” und hat weltweit 188 Millionen Abonnenten, seine rund 1.400 Videos fast zwei Milliarden Aufrufe. Laut Statista ist er insgesamt der zweitmeistgesehene Kanal auf YouTube. Katja Raab vom Institut für Kindermedienforschung der Hochschule der Medien in Stuttgart verweist darauf, dass das Unternehmen hinter dem Kanal, “Moonbug Entertainment”, per Datenanalyse akribisch daran arbeite, die Bildschirmzeit von Kindern unter sechs Jahren zu erhöhen.

Gefahr des “Binge-Watching”

Auf YouTube startet nach dem Ende eines Videos das darauffolgende der Serie meist automatisch. Kindermedienforscher weisen in diesem Zusammenhang auf die Gefahr des “Binge-Watching” hin – also mehrere Folgen direkt hintereinander anzusehen. Ackermann sieht es insbesondere kritisch, wenn sogenannte Cliffhanger am Ende einer Episode dazu anregen, eine weitere Folge anzusehen. Durch das Weglassen eines Details werde Spannung aufgebaut, so dass Kinder unmittelbar wissen wollten, wie es weitergehe.

Eine einheitliche Richtlinie von Medizinern oder Psychologen dafür, wie viel Bildschirmzeit für ein Kind altersgerecht sei, gebe es nicht, erklärt Ackermann. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät von Bildschirmzeit für Kinder unter drei Jahren ab. Im Alter von vier bis fünf Jahren sollten demnach maximal für eine halbe Stunde täglich und gemeinsam mit den Eltern Kinderserien angesehen werden.

Laut Ackermann ist es jedoch sinnvoller, ohne eine Zeitangabe in Minuten die Auswirkungen auf ein Kind zu betrachten. Ist die unmittelbare Reaktion etwa gebanntes Zuschauen, danach aufgeregtes oder aufgewühltes Verhalten, dann waren die Reize zu stark. Auch wenn das Kind sagt, es wolle sofort weiterschauen, sei dies ein Warnzeichen.

Das passiert im Körper

Im Gehirn von Kindern aktivieren – genauso wie bei Erwachsenen – Reize das sogenannte Belohnungssystem, dazu zählen schnelle Schnitte und Szenen, bunte Farben, eingängige Melodien und angenehme Geräusche. “Auch das Auftreten der Lieblingsfigur kann ein sehr starker Reiz sein, das ist individuell”, sagt Ackermann. Durch positive Erwartungen werde der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet. Erlebe das Kind das erwartete Positive, dann würden wiederum opioid-ähnliche Botenstoffe freigesetzt. Das Gehirn speichert nun ab, dass etwas sehr Positives geschehen ist. Wenn nun die nächste Serienfolge vorgeschlagen werde, passiere das Gleiche noch einmal.

Über einen längeren Zeitraum hinweg verfestige sich die Erfahrung, während die Sensitivität für das Dopamin im Gehirn sinke. Also sei mehr Dopamin nötig, um den gleichen Effekt zu empfinden – was dazu anrege, immer stärkere Anreize zu suchen. Die Sucht ist geboren.

In der Folge könne ein Kind bestimmte Entwicklungsschritte verpassen, “die dann tendenziell nicht unbedingt mehr so nachholbar sind”, warnt Ackermann. Ein Beispiel: Wenn ein Kind schon in den Kindergarten- oder Vorschuljahren hauptsächlich vor einem Bildschirm sitze und keine Freundschaften schließe, dann habe es in späteren Jahren tendenziell keinen Freundeskreis. Gleiches gelte für Entwicklungsschritte in geistigen und kognitiven Bereichen. Hinzu kommt, dass kleine Kinder noch nicht unterscheiden können, was in der Realität passiert und was im Film. Wenn etwa Hänsel und Gretel im Wald verloren gehen, erlebt und verarbeitet das Kind es emotional und geistig so, als wäre es ihm selbst zugestoßen.

Feste Routine und klare Abgrenzung

Ackermann empfiehlt Eltern ein kontinuierliches Vorgehen, um nicht immer wieder aufs Neue über Sehzeiten zu verhandeln. Zum Beispiel: Jeden Tag wird nach dem Abendessen gemeinsam für zehn oder 15 Minuten eine Folge “Paw Patrol” oder “Peppa Wutz” geschaut. Dabei gehe es um eine klare Begrenzung, die sich über Wochen oder Monate hinweg konsequent handhaben lasse. Auch Wissenssendungen oder Lernapps zählen zur Bildschirmzeit dazu. Alternativ könne Bildung über Bücher abgedeckt werden.

Statt dauerhafter Bildschirm-Aktivität empfiehlt die Expertin, Hörspiele oder Musik einzuschalten. Dies sei für ein junges Gehirn leichter verarbeitbar, weniger Dopamin werde ausgeschüttet. Gerade jüngere Kinder könnten so besser zur Ruhe kommen. Entspannender sei auch, Spielzeuge und Bilderbücher im Raum liegen zu lassen und unterwegs dabei zu haben, so dass das Kind sich eigenständig mit Spielsachen beschäftigen könne.

(Foto: Corinne Simon/KNA)

Dieser Text ist Teil unserer neuen Lese-Reihe “NewsKNAcker”: Alle 14 Tage veröffentlicht turi2 ein Lese-Stück aus dem Ticker der Nachrichten-Agentur KNA – im Wechsel mit der Medienkolumne Kurz und KNAckig.
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