Kurz & KNAckig: Warum ein langjähriger Springer-Manager im Verwaltungsrat “beim ZDF niemanden mehr groß in Wallung bringen” dürfte.
27. November 2025
Wird Christian Nienhaus, lange hochrangiger Springer-Manager, bald Mitglied im Verwaltungsrat des ZDF? Wenn man einer Meldung von “Medieninsider” glauben mag, ist das nicht ganz unwahrscheinlich. Entsprechend groß ist die Aufregung, u.a. beim DJV, der vor einer Auflösung der Trennung von Privatmedien und ÖRR warnt. Steffen Grimberg mag in die Warnungen nicht recht einstimmen, auch weil die künftigen Konfliktlinien wohl nicht zwischen heimischen Medien, sondern zwischen Medien und internationalen Plattformen verlaufen. Der noch immer weitreichende Einfluss der Politik auf das Zweite ist für den Leiter des “KNA-Mediendienstes” die größere Baustelle.
Die Kolumne “Kurz und KNAckig” vom KNA Mediendienst erscheint alle 14 Tage donnerstags bei turi2. weitere Beiträge
von Steffen Grimberg, KNA
Die BBC kann einem aktuell leidtun. Da haben konservative Kreise einen solchen Shitstorm entfacht, dass der oberste BBC-Boss und die Nachrichtenchefin den Hut nahmen. Und am Montagabend saßen die Verantwortlichen dann vor dem Medienausschuss des britischen Parlaments und wollen das alles nicht so gemeint haben. Michael Prescott, der Mann, der durch seine persönliche BBC-Mängelliste die Auseinandersetzung ins Rollen brachte, outete sich als großer Fan des Senders, den er durch seine Reklamationen nur habe verbessern wollen. Und einen generellen “bias”, also die der BBC unterstellte Unausgewogenheit, sehe er gar nicht, jedenfalls nicht systematisch, sagte Prescott.
Vom Select Committee ebenfalls gegrillt wurden Sir Robbie Gibb, der ehemalige Pressesprecher der konservativen Premierministerin Theresa May, der heute im BBC-Board, dem obersten Aufsichtsgremium der umgangssprachlich liebevoll als “Auntie” (Tante) bezeichneten BBC, sitzt. Und auch der Chairman des BBC-Boards, Samir Shah, musste sich heftige Fragen gefallen lassen. Doch von Gibb, der von vielen BBC-Mitarbeitenden als eigentlicher Drahtzieher hinter der Kampagne vermutet wird, gab es nur viel Liebe zu Auntie. Und Shah sagte auf die Frage, warum sich die BBC nicht viel früher in eigener Sache erklärt und Fehler zugegeben habe, lediglich, man habe die Vorwürfe eben gründlich überprüfen und über geeignete Maßnahmen nachdenken wollen und sei dann irgendwie von der Entwicklung überrollt worden.
Gibb erklärte dann noch, er habe garantiert keinen Interessenkonflikt und sei auch nicht der Aufpasser der Konservativen Partei bei der BBC, weshalb er auch gar nicht einsehe, auf die diversen Forderungen nach seinem Rücktritt einzugehen.
Womit wir beim ZDF-Verwaltungsrat wären. Keine Angst, dort tritt niemand zurück. Obwohl es mal interessant wäre, dessen Mitglieder in einer ähnlichen Situation wie Prescott, Gibb und Shah zu sehen. Schließlich sitzen immer noch drei diensttuende Ministerpräsidentinnen und -präsidenten – Manuela Schwesig (SPD aus Mecklenburg-Vorpommern), Winfried Kretschmann (B90/Grüne) aus Baden-Württemberg und Reiner Haseloff (CDU) aus Sachsen-Anhalt – sowie die frühere rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) im obersten ZDF-Gremium. Weil bei so vielen Länderchefs der Senderchef schon von genug politischer Kompetenz umgeben ist, soll bei der bald anstehenden Neubesetzung eines Verwaltungsratspostens jetzt mal jemand ganz anderes dran.
Doch wenn es stimmt, dass für den Job Christian Nienhaus vorgesehen ist, könnte das auch spannend werden. Nienhaus läuft dabei nicht auf einem Polit-Ticket, auch wenn er als langjähriges CDU-Mitglied mal Ambitionen auf ein Bundestagsmandat hatte und aktuell noch in der Lokalpolitik aktiv ist. Der langjährige Springer-, WAZ– und Funke-Mann würde vielmehr den Lieblingsfeind der Öffentlich-Rechtlichen, den Verlegerstand repräsentieren. Doch auch das dürfte beim ZDF niemanden mehr groß in Wallung bringen. Schließlich war das Zweite in Sachen Verbot der Presseähnlichkeit immer schon ein bisschen musterknäblicher unterwegs als die ARD. Und außerdem werden angesichts der gemeinsamen Großherausforderung namens Plattformen und Big Tech die alten Scharmützel immer unbedeutender. Kooperation und Zusammenarbeit gegen Musk, Google & Co. ist das Gebot der Stunde.
Spannender noch als die künftige Runde beim ZDF ist aber in jedem Fall der im Rundfunkreformstaatsvertrag vorgesehene Medienrat, der quasi wie das BBC-Board sein Auge über die gesamte öffentlich-rechtliche Landschaft schweifen lassen und prüfen soll, ob die Anstalten so ganz grundsätzlich ihrem Auftrag gerecht werden.
Auch hier werden zwei Sitze von den Bundesländern besetzt. Dass auch hier Ministerpräsidenten höchstpersönlich antreten, ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Wir hätten darüber hinaus noch einen weiteren konstruktiven Vorschlag: Auch ehemalige Staatskanzleichefs sollten tabu sein – und ehemalige Regierungssprecher erst recht!
Dieser Text ist Teil der Kolumnen-Reihe “Kurz und KNAckig”, die alle 14 Tage erscheint. weitere Beiträge