Widerspruch an Florian Harms: Warum es schlecht für die Gesellschaft ist, den ÖRR einzuengen.
8. Januar 2026
Steffen Grimberg macht ARD, ZDF und den Rundfunkbeitrag als Lieblingsthema von Kolumnisten aus, “wenn sich partout gerade kein Thema aufdrängt” und nimmt sich die jüngste ÖRR-Kritik von Florian Harms vor. In unserer Kolumne “Kurz und KNAckig”, die wir in Kooperation mit dem “KNA-Mediendienst” veröffentlichen, kritisiert er, dass der T-Online-Chef die Narrative derjenigen bediene, die “unter Verweis auf angeblich verengte Meinungskorridore … Vielfalt, Diversität und unabhängig-kritische Recherche” einschränken wollen. Was passiere, wenn man den ÖRR einenge, könne man gerade in den USA besichtigen.
Die Kolumne “Kurz und KNAckig” vom KNA Mediendienst erscheint alle 14 Tage donnerstags bei turi2. weitere Beiträge
Von Steffen Grimberg / KNA
Was macht man als Kolumnist, wenn sich partout gerade kein Thema aufdrängt und einem auch sonst nichts einfällt? Man schimpft auf die ARD, das ZDF, den Rundfunkbeitrag und den ganzen Rest. Das hat schon früher prima funktioniert, als der Zentrale Beitragsservice noch als GEZ das Lieblingsfeindbild der Deutschen abgab.
Und es garantiert auch heute noch hohe “Einschaltquoten”, egal auf welchem medialen Kanal von Print bis Netz. Also stellte gestern (am Mittwoch) t-online-Chefredakteur Florian Harms in seinem “Tagesanbruch”-Newsletter so überrascht wie empört fest, dass a) die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland immer noch üppig finanziert sind (10,4 Milliarden Euro Gesamteinnahmen pro Jahr), b) die ARD nicht nur ein Laden ist, sondern aus “neun (!) verschiedenen Anstalten” besteht und die Menschen c) für ihr Geld vor allem ein Überangebot an Krimis bekommen. “Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich in eine Verbrecherfabrik verwandelt, in der mehr Leichen produziert werden als Nachrichten”, schreibt Harms, was stilistisch ganz lustig ist und garantiert keiner statistischen Überprüfung standhält.
Ausgenommen ist bei allen ÖRR-Untergangspredigern von links bis schräg dabei natürlich immer das Deutschlandradio, das auch Harms bei t-online “getrost als beste Radioanstalt Europas” bezeichnen darf.
Alles also wie gehabt? Leider nein. Denn t-online geht im so klar wie schlicht mit “ARD und ZDF sind kaputt” betitelten Stück noch weiter. Und framed die Vorliebe für Krimis so: “Es wirkt ein bisschen so, als wollten sie kritische Zuschauer vom politisch korrekten Einheitsbrei ihrer Politsendungen ablenken.” Damit wird blöderweise das Narrativ derer bedient, die unter Verweis auf angeblich verengte Meinungskorridore genau das Gegenteil von dem bezwecken, was sie vorgeben: Nämlich Vielfalt, Diversität und unabhängig-kritische Recherche einzuschränken. Und zwar nicht nur beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern bei allen professionell journalistisch arbeitenden Medien inklusive t-online.
“Was ARD und ZDF liefern sollten, ist die präzise und neutrale Berichterstattung über die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen, sportlichen und gesellschaftlichen Ereignisse. Alles andere gehört in die Hände privater Medien, die sich dem fairen Wettbewerb stellen müssen”, schreibt Harms weiter, was Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nicht freuen dürfte, weil er dann gar nicht mehr bei ARD und ZDF vorkäme. Aber auch wenn wir mal unterstellen, dass t-online die Kultur bloß vergessen hat: Diese Einengung des ÖRR macht keinen Sinn. Das lässt sich in den USA besichtigen, wo Trump dem bisschen Public Service gerade den Stecker gezogen hat.
Und was das Beitragsgeheul angeht: Da hat eben die KEF mit untrüglichem Timing kurz vor Weihnachten neu gerechnet. Doch die prinzipiell frohe Botschaft, dass der Beitrag gar nicht so stark, sondern nur noch um 28 Cent auf 18,64 Euro steigen könnte, dringt irgendwie nicht durch. Was vielleicht auch daran liegt, dass sie in vielen Kolumnen über den ÖRR gar nicht erst vorkommt. Würde ja die schöne Geschichte kaputtmachen, wenn es ARD und ZDF plötzlich auch in billiger gibt.
Dieser Text ist Teil der Kolumnen-Reihe “Kurz und KNAckig”, die alle 14 Tage erscheint. weitere Beiträge