Medienpräsenz als Kernziel – Wie Dyn sich und seinen Sportarten zu Wachstum verhelfen will.
28. Oktober 2025
Sportstreamer Dyn ist gerade in die dritte Saison gestartet, wusste aber von Anfang an, dass “das Interesse an Sportarten zwischen den Spieltagen entsteht”, sagt CEO Andreas Heyden. Im Interview mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow erklärt er, wie sein Unternehmen die “stabile” Basis an Fans von Handball, Basketball oder Volleyball auch zwischen den Saisons versorgt und erläutert, weshalb es “vermessen” gewesen wäre, wenn der Anbieter jetzt schon profitabel sein wollte. Außerdem spricht Heyden darüber, wie die Fans über das Angebot aktiviert werden sollen, wo Dyn mit Ligen und Clubs das Wachstum der Sportarten antreiben will und weshalb der Fußball in Deutschland so mächtig ist. Das Gespräch ist Teil unserer Themenwoche Sport.
Andreas Heyden, bevor Sie 2022 bei Dyn angeheuert haben, waren Sie sieben Jahre lang bei der Deutschen Fußballliga und damit beim Ligaverband der einzigen Sportart, die es bei Dyn nie geben soll. Läuft bei Ihnen privat mehr Dyn oder mehr Sky und DAZN?
Natürlich schaue ich gerne und häufig Dyn. Zudem verfolge ich privat sehr intensiv Radsport auf verschiedenen Sendern.
In anderen Ländern konkurrieren unterschiedliche Sportarten um die Aufmerksamkeit des Publikums. Wie erklären Sie sich, dass es in Deutschland so anders ist und es hier alles, was nicht Fußball ist, bisher so schwer hatte?
Das Stichwort ist klar: mediale und kulturelle Aufmerksamkeit. Fußball ist historisch gewachsen in Deutschland und präsent wie kein anderer Sport. Daraus hat sich über Jahrzehnte eine Wirtschaftskraft entwickelt, die auch Vereinen und der Liga einen großen Spielraum ermöglichte. Wann immer neue Plattformen, etwa Instagram oder TikTok als reichweitenstarke Medien auf den Markt gekommen sind, konnte sie der Fußball in Deutschland unter anderem über die Klubs als erstes bespielen. Diese Möglichkeiten haben andere Sportarten nicht in der Form. Klubs und Ligen die Möglichkeit umfangreicherer Medienpräsenz zu geben, ist eines unserer Kernziele. Wir geben in einem großzügigen Umfang Rechte an Spielbildern an die Clubs und Ligen. Über unser Produkt, den Dyn Content Desk, können diese Inhalte über die Cloud bequem runtergeladen und Inhalte selbst hochgeladen werden. Wir stärken durch dieses Angebot die Grundlage für die Social-Media-Aktivitäten von Klubs, Ligen und Medienpartnern, was zu zunehmendem Interesse an den Dyn Sportarten führt. Der Fußball ist in dieser Entwicklung aber einige Jahrzehnte voraus.
Haben Sie bei der DFL damals einen zu guten Job gemacht?
Das müssen andere beurteilen (lacht). Im Ernst: Als Christian Seifert gemeinsam mit Axel Springer Dyn gegründet hat, bewies er eine bemerkenswerte Weitsicht. Er hat an Sport fernab des Fußballs geglaubt. Die DFL hat den Fußball in Deutschland über Jahrzehnte hinweg gestärkt und als Marke immer weiter ausgebaut. Christian und ich konnten einen Teil dieses Weges begleiten. Das heißt aber auch: Wir haben Erfahrungen gesammelt, die in der täglichen Arbeit bei Dyn helfen – und damit auch unseren Sportarten.
Ich frage das auch, weil Sportarten abseits des großen Fußballs messbar immer erfolgreicher werden: RTL etwa feiert Erfolge mit NFL, Prime Video zeigt die NBA und in diesem Sommer hat der Frauenfußball Rekordeinschaltquoten geholt. Verschiebt sich da gerade etwas weg vom König (Männer-)Fußball hin zu anderen Sportarten?
Definitiv hat eine Entwicklung bereits begonnen. Die Handball-Bundesliga und die Basketball-Bundesliga haben kürzlich wieder Zuschauerrekorde für die abgelaufene Saison vermeldet. Auch die Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse 2025 misst ein steigendes Interesse an den Dyn Sportarten. Im Vergleich zu 2022, dem Jahr vor dem Sendestart von Dyn, haben 2025 rund 16 Prozent der Befragten mehr angegeben, dass sie an Basketball interessiert sind. Beim Tischtennis sind es mehr als zehn Prozent, auch Handball und Volleyball verzeichnen mit einem Plus von mehr als acht Prozent deutliche Zuwächse. Das liegt nicht nur an Dyn, aber sicherlich leisten wir einen wichtigen Beitrag.
Vier Köpfe für eine buntere Sportlandschaft: Die Dyn-Geschäftsführung besteht aus COO Marcel Wontorra, CEO Andreas Heyden, Gründer und Gesellschafter Christian Seifert sowie Max Ehrhardt, verantwortlich für Umsatz und Marketing. Foto: Dyn
Wie kann Dyn davon profitieren? Wie entwickelt sich Ihr Geschäft?
Von steigendem Interesse und damit verbundenem Reichweiten-Wachstum profitiert natürlich auch Dyn. Einerseits wächst die Zahl der Abonnenten, andererseits werden die Dyn-Sportarten auch als Werbeplattform für namhafte Brands attraktiver. Es gibt immer mehr Unternehmen, die sich auch für Vermarktung im Sportumfeld außerhalb des Fußballs stark interessieren.
Welche Sportarten laufen besonders gut?
Der Vergleich zwischen den Dyn-Sportarten ist immer schwierig, weil jede Sportart völlig unterschiedliche Voraussetzungen hat. Das Interesse an Handball und Basketball ist in Deutschland sehr hoch, das sehen wir auch in den Abo-Zahlen. Und auch Volleyball, Tischtennis und Hockey entwickeln sich sehr gut. Diese Sportarten begeistern Fans, weil sie schnell und dynamisch sind. Auch deshalb funktionieren sie sehr gut als Medienprodukt. Bei einer unserer wichtigsten Kennziffern, der durchschnittlichen Watchtime pro Kunde, zeigen sich ähnlich hohe Werte mit durchschnittlich 16 Stunden pro Monat über alle Sportarten hinweg. Das spricht für die Begeisterung für die Sportarten und die Zufriedenheit mit dem Sender Dyn.
Wie haltbar sind die Abos bei Ihnen durchschnittlich?
Wir haben allgemein eine sehr aktive Zuschauerschaft. Unsere Abonnentenbasis ist zu mehr als 90 Prozent im Durchschnitt aktiv in einem Monat. Daraus lässt sich leicht ablesen, dass unser Angebot angenommen und wertgeschätzt wird. Wir haben einen sehr großen Anteil von Sportfans, die seit der ersten Saison dabei sind.
Nicht jede Sportart hat über das ganze Jahr Saison. Wie entwickeln sich Ihre Abos übers Jahr?
Unsere Basis ist sehr stabil. Das gelingt auch, weil wir von Beginn an eine klare Philosophie hatten: Das Interesse an Sportarten entsteht zwischen den Spieltagen. Deshalb haben wir jeden Tag Formate und Hintergrund-Content. Es lohnt sich auch, das Dyn-Abo in der spielfreien Zeit zu behalten. Auch deshalb entscheiden sich mehr Abonnenten für das Jahresabo als für das monatlich kündbare.
Foto: Dyn
Wie abhängig ist Ihr Erfolg von dem der deutschen Basketball-, Volleyball- oder Hockey-Teams?
Abhängig ist das falsche Wort. Unsere Ligen und die dazugehörigen Vereine haben eine breite Fanbasis. Erfolge der Nationalmannschaften, etwa der Gewinn von Weltmeisterschaft und Europameisterschaft der deutschen Basketballer bieten uns eher Chancen. Die Sportarten haben das Potential, einen Boom auszulösen. Es liegt dann auch an den Ligen und Vereinen, diese gestiegene Aufmerksamkeit mit uns zusammen in ein wachsendes Interesse an der jeweiligen Liga zu transformieren. Das geht nur gemeinsam.
Es gibt Fangruppen, die beim Fußball eine Überkommerzialisierung kritisieren. Droht das den Randsportarten, die Sie anbieten, wenn diese kommerziell erfolgreicher werden, auch? Und leistet Dyn dem nicht in gewisser Weise Vorschub?
Es ist eine Frage, was eine solche Entwicklung auslöst. Kommerzialisierung ist für Sportfans dann ein Problem, wenn sie zu einer Entfremdung führt. Wenn sich der Sport aus wirtschaftlichen Gründen so entwickelt, dass die Hürden zur Partizipation für Fans immer höher werden, dann ist das ein Problem. Unser Ansatz ist aber das genaue Gegenteil: Durch das Dyn-Konzept und das daraus entstandene Medienprodukt schaffen wir deutlich größere Möglichkeiten der Teilnahme. Es entsteht – auch in den sozialen Netzwerken – ein viel höheres Content-Angebot, von dem Fans profitieren. Gleichzeitig kann jeder Abonnent über unsere Initiative zur Nachwuchsförderung ‘Dyn Move Your Sport’ mit seinem Abo-Beitrag unmittelbar seine Sportart unterstützen. Wir sind davon überzeugt, dass Dyn die Möglichkeiten, aktiver Teil der Sport-Community zu sein, erweitert und nicht beschränkt.
Sie haben mit Springer und der Schwarz-Gruppe zwei große Investoren an Bord. Wann planen Sie mit Dyn profitabel zu sein?
Unser klar definierter Plan zur Profitabilität stand auch schon vor dem Einstieg der Schwarz-Gruppe und der DFL in den Kreis der Gesellschafter. Dass sich diese Unternehmen aber an Dyn beteiligen, zeigt ihre Überzeugung von unserem Konzept und unserem Weg. Dass wir in unseren Sportarten die Rechte direkt für sechs Jahre erworben haben und bereit waren, in die technische Infrastruktur sehr umfangreich zu investieren, macht eines klar: Dyn ist angetreten, um langfristiger Partner zu sein und nicht primär auf den schnellen Erfolg zu schauen. Das ließe sich auch nicht realisieren. Es wäre eine vermessene Erwartungshaltung gewesen, zum jetzigen Zeitpunkt profitabel sein zu wollen. Wir sind gerade in unsere dritte Saison gestartet und merken, dass unser Konzept funktioniert.
Machen zusammen das Format “Kretzsche & Schmiso”: Florian Schmidt-Sommerfeld und Stefan Kretzschmar. Foto: Justus Foto
Nächstes Jahr ist wieder ein klassisches Fußball-Jahr mit der WM in Kanada, den USA und Mexiko. Haben Sie es in so einem Jahr schwerer als in Jahren ohne großes Fußball-Turnier?
Wie bereits erwähnt, nehmen wir einen deutlichen Anstieg des Interesses an unseren Sportarten wahr. Ein großes Fußballturnier ist deshalb für uns kein Wettbewerb, zumal auch die Handball-EM im Januar stattfinden wird. Vielmehr bieten solche Jahre wie 2026 eine tolle Chance, weil sie Sportvielfalt sichtbar machen. Große Events präsentieren sportartenübergreifend ein hohes Maß an Leidenschaft, Begeisterung und sportlicher Extraklasse. Davon profitiert jeder Sportfan.
Wo soll Dyn in fünf Jahren stehen?
Wir arbeiten hart daran, dass wir 2030 die mediale Begeisterung für unsere Sportarten weiter gesteigert und viele zufriedene Kunden gewonnen haben. Außerdem möchten wir auch in den kommenden Jahren mit unserer Nachwuchsförderung ‘Dyn Move Your Sport’ einen relevanten Teil in der Entwicklung des Sportökosystems geleistet haben.
Steht Fußball dann noch immer auf Ihrer Ausschlussliste? Oder könnten Sie sich vorstellen, z.B. Spiele von Frauen-Turnieren oder -Ligen zu zeigen?
Wir führen keine Ausschlussliste und es wäre auch nicht seriös, etwas grundsätzlich auszuschließen. Dafür sind die Sport- und die Medienbranche zu schnelllebig. Stand heute ist aber Fußball in keinem unserer Businesspläne vorgesehen.
Drei, zwei, eins … dyns: Der Sportstreamer Dyn wird 2022 von Christian Seifert und Springer gegründet – mit dem Ziel, eine Streaming-Plattform aufzubauen, die Sportarten abseits des Fußballs einem breiten Publikum zugänglich macht. Seit 2023 ist die Plattform auf Sendung und zeigt u.a. Handball, Basketball, Hockey und Tischtennis. Im Sommer 2025 steigen auch die Lidl-Mutter Schwarz-Gruppe und die Deutsche Fußball-Liga als Anteilseigner bei dem Sportmedium ein. Das Abo kostet ab 14,50 Euro pro Monat. dyn.sport