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NewsKNAcker-Kolumne: 40 Jahre “Do They Know It’s Christmas?” – Gut gemeint, schlecht gemacht?

14. November 2024

Ohrwurm-Alarm: Vor 40 Jahren erschien die Single “Do They Know It’s Christmas?” – noch heute läuft der Titel zur Adventszeit im Radio rauf- und runter oder findet sich in zahlreichen Weihnachts-Playlists der Streaming-Dienste. Der Song der “Band Aid” vereinte damals jede Menge Stars, um Hunger zu bekämpfen. Warum die Idee blitzschnell zum Hit wurde, warum dies so heute wohl nicht mehr möglich wäre und warum das Lied bis heute kontrovers diskutiert wird, erklärt Hannah Krewer in unserer neuen Reihe NewsKNAcker. Darin bringen wir künftig alle 14 Tage ein Lese-Stück aus dem Ticker unseres Medienpartners KNA.

Von Hannah Krewer (KNA)

Großbritannien im Herbst 1984: Die BBC strahlt eine Reportage über eine Hungersnot in Äthiopien aus. Bilder von abgemagerten und sterbenden Menschen erreichen eine breite Weltöffentlichkeit – auch den Musiker Bob Geldof. Der möchte helfen. Die Idee: einen Weihnachtssong herausbringen und dadurch Spenden sammeln. Kurze Zeit später haben um die 40 Stars zugesagt: George Michael, Sting, Phil Collins, Paul McCartney und viele weitere. “Band Aid” nennt sich das Projekt, den Song selber schreibt Geldof zusammen mit Midge Ure.

Am 25. November 1984 nehmen die Musiker “Do They Know It’s Christmas?” in London auf. Schon vier Tage später wird der Song veröffentlicht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz erreicht er Platz eins der Single-Charts, ebenso im Vereinigten Königreich. In den USA steigt er auf Platz 13 ein. Bis heute wird das Lied im Advent gern im Radio gespielt.

Forscher: Song traf den Nerv der Zeit

Für den Popmusikkultur-Forscher Christoph Jacke liegt das an einer Mischung verschiedener Faktoren. “Der Erfolg ist als riesiges Musikereignis sehr stark an die damals noch zentriertere Medienlandschaft gekoppelt”, sagt der Experte, der das Forschungszentrum C:POP an der Universität Paderborn mitleitet. Hinzu komme eine starke Emotionalisierung des Themas: “Neben den generellen Weihnachtsemotionen kommen Charity-Gefühle dazu. Gerade zur Weihnachtszeit funktioniert das gut, und man spendet gern und bekommt ein gutes Gewissen und Musik dafür.”

Zusammen mit der Tatsache, dass so viele Stars der Popmusik mitgewirkt hätten, sei das “eine Mischung, die schon ziemlich viel Erfolg versprach”. Zudem habe der Song einen Nerv getroffen: “In den 1980ern hat sich eine neue Achtsamkeit für Weltzustände entwickelt. Atomkrieg-Angst, Umweltschutz und die sogenannte ‘Dritte Welt’ wurden ein größeres Thema, sehr viele Weltläden sind entstanden und damit auch eine Sensibilität für Hunger, Dürre und Katastrophen in afrikanischen Ländern.” All diese Einflüsse hätten das Stück mit der Zeit zu einem Klassiker werden lassen.

Rassismusexpertin: Text verfestigt Klischees

Millionen Pfund kommen damals durch das Projekt zusammen. Dabei ist im Laufe der Zeit auch immer wieder Kritik daran aufgekommen – berechtigterweise, sagt Sarah Vecera. Etwa dann, wenn im Text von ganz Afrika – Äthiopien wird gar nicht erwähnt – als einer “Welt des Schreckens und der Angst” die Rede sei, auf der unter der brennenden Sonne nichts wachse. “Einseitig und problematisch” ist das für die evangelische Theologin und Autorin des Buches Wie ist Jesus weiß geworden?

“Es hat zur Folge, dass wir uns in unserem Eurozentrismus verstetigen und uns als überlegen sehen”, kritisiert sie. Dieses Denken habe seine Wurzeln noch in der Kolonialzeit: “Es nimmt nicht in den Blick, dass die Armut Afrikas auf unserem Reichtum basiert, den europäische, weiße Menschen damals absichtlich so generiert haben.” Kulturschaffende haben für sie eine große Verantwortung dafür, was sie mit ihrer Reichweite transportieren.

Abgesehen davon kann man auf die Frage, die der Text stellt, antworten: In Afrika weiß man wohl durchaus von Weihnachten, schließlich sind viele Afrikaner Christen.

Künstler fühlen sich zu Unrecht kritisiert

Auch wenn immer wieder Kritik aufflammt: Das Songprojekt findet zahlreiche Nachahmer. 2014 gibt es eine neue Fassung angesichts der Ebola-Epidemie. Neben einer englischen Version nehmen auch Musiker um “Die Toten Hosen”-Frontmann Campino eine deutsche Fassung auf. Auch diese werden wegen ihrer Texte kritisiert. Das ärgert Campino: Es gehe darum, etwas zu tun, anstatt die Füße hochzulegen, echauffiert er sich in einem Radiointerview.

Dass Künstler, die etwas Gutes tun wollen, sich in solchen Fällen auf die Füße getreten fühlen, kann Vecera gut verstehen. “Natürlich bin ich auch absolut dafür, dass wir unseren Wohlstand teilen”, betont sie. Falsche Klischees seien zwar nicht das richtige Mittel dafür, und man müsse sie selbstkritisch hinterfragen. “Aber wir dürfen uns nicht einfach gegenseitig beschuldigen, dass jemand damit etwas Schlechtes gemacht hat.” Es sei auch wichtig, die gute Absicht anzuerkennen, um dann gemeinsam zu schauen, wie es künftig besser gemacht werden könne. “Auch Bob Geldof oder Campino wollen eine gerechte Welt. Dieses Ziel haben wir gemeinsam.”

Den Song gar nicht mehr zu spielen, wäre für sie deswegen auch nicht der richtige Ansatz. “Das führt nur zu Widerstand und vielen Diskussionen. Und das trägt nicht zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.” Sie wünscht sich aber, dass mehr über seinen Kontext gesprochen wird.

(Foto: Julia Steinbrecht/KNA)

Dieser Text bildet den Auftakt zur neuen Lese-Reihe “NewsKNAcker”: Alle 14 Tage veröffentlicht turi2 ein Lese-Stück aus dem Ticker der Nachrichten-Agentur KNA – im Wechsel mit der Medienkolumne Kurz und KNAckig.
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