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300 Seiten am Tag aus dem Norden: Wie die NOZ/mh:n die Zeitungs- und E-Paper-Produktion neu denkt.

24. September 2025

Die Tageszeitung lebt – gedruckt und auch als E-Paper, davon ist man auf der Achse Flensburg – Osnabrück überzeugt. Der Zeitungsriese NOZ/mh:n hat für seine Seitenproduktion gerade eine eigene Tochtergesellschaft namens Page gegründet. Hier entstehen schon heute bis zu 300 Seiten pro Tag für über 30 Tageszeitungen sowie weitere externe Kunden – und man ist bereit für mehr. Der Page-Chef Burkhard Ewert und der operative Leiter der Firma, Karsten Grosser, erklären turi2-Chefredakteur Markus Trantow, warum sich die Produktion von Seiten auch in vielen Jahren noch lohnen wird und wie sich das Unternehmen von ähnlichen Angeboten anderer Zeitungskonzerne abheben will. Dieser Beitrag erscheint im Rahmen unserer Themenwoche Zeitungen.

von Markus Trantow

Rund 50 Mitarbeitende an drei Standorten produzieren zusammen bis zu 300 Zeitungsseiten am Tag: Wir sind beim wohl unterschätztesten Zeitungsriesen Deutschlands: der NOZ/mh:n, beziehungsweise deren Flensburger Ableger, dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, sh:z. Hier schlägt das Herz der nördlichsten Zeitungsproduktion im Land, u.a. mit dem “Flensburger Tageblatt”, der “Sylter Rundschau” und der “Eckernförder Zeitung”. Die Firma hinter der Seitenschmiede heißt schlicht Page und ist, wie der sh:z selbst, Teil von NOZ/mh:n. Weitere Page-Standorte gibt es in Pinneberg bei Hamburg und in Osnabrück.

Mit der Ausgründung von Page im Frühjahr 2025 sendet der Konzern ein deutliches Signal: Man ist open for business und will künftig nicht nur für die eigenen Titel arbeiten, sondern auch für Verlage und Kunden außerhalb des Konzerns. Burkhard Ewert, Chefredakteur der “NOZ” und Geschäftsführer von Page, wirbt dieser Tage in vielen Gesprächen für die Angebote des Dienstleisters, der mitmischt im Wettlauf um Mantel- und Produktionskunden und damit um Wachstum und Größe auf dem strukturell rückläufigen Markt der Zeitungsseiten. “Der Markt der gedruckten Zeitungsseiten schrumpft, der Markt der konfigurierten Seiten, die auch im E-Paper publiziert werden, schrumpft nicht”, sagt Ewert und kann sich vorstellen, neben anderen Verlagen auch für kommunale Auftraggeber oder Kirchenzeitungen Seiten zu gestalten.

“Dritter Weg” für mehr Eigenständigkeit und Kooperation

Im Vergleich zu den noch größeren Konzernen wie Madsack, Funke oder Ippen sieht Ewert die NOZ/mh:n auf einem “dritten Weg”, der mehr auf Kooperation und Eigenständigkeit der Partner setze. Als Trends macht er außerdem Spezialisierung aus. Jedes Medienhaus müsse sich heute sehr genau überlegen, was man gut könne, was man selber machen wolle und was man auch anderen anbieten könne.


Karsten Grosser (links), operativer Page-Leiter, und einer seiner Mitarbeiter zeigen turi2-Chefredakteur Markus Trantow (Mitte), wie mit wenigen Klicks ganze Zeitungsseiten entstehen.

Die NOZ/mh:n Page erstellt als Dienstleister pro Tag bis zu 300 Zeitungs- und E-Paper-Seiten im Auftrag der 32 Zeitungen der NOZ/mh:n und von neun externen Mantelkunden. In der Firma arbeiten rund 50 Menschen, die Mehrzahl von ihnen sind ausgebildete Journalisten.

Die operative Arbeit bei Page liegt in den Händen von Karsten Grosser. Der studierte Mathematiker hat als Journalist bei der “NOZ” begonnen, inzwischen ist er über 20 Jahre im Konzern und übernimmt vor allem Management-Aufgaben. Nach der Leitung einer lokalen Content Unit organisiert er nun Page.

Print ist für Grosser noch längst nicht so tot, wie viele Digitalos gerne behaupten. Das zeigten die Zahlen der Verlage, die weiter viel Geld mit Gedrucktem verdienen. Auch bei der optischen “Wucht”, die Gedrucktes entwickeln kann, könne ein Handy-Display niemals mithalten, sagt er – und das will er nutzen.

Der Großteil der Seiten, die in Flensburg, Pinneberg und Osnabrück produziert werden, entstehen aus vorgefertigten Layouts, deren Gestaltung die Editoren nur wenige Klicks kostet und im Idealfall pro Seite nur wenige Minuten dauert. Grossers Ziel ist es, die Zeit, die pro Seite gebraucht wird, noch weiter zu senken.

Keine Zeitung von der Stange

Daneben produziert die Page sogenannte “Leuchtturmseiten” mit einer “magazinigen” Optik, die dem passionierten Fotografen Grosser besonders am Herzen liegen. Diese seien noch echte Handarbeit und sollen, u.a. in den Wochenendausgaben, für optische Überraschungen und damit Leserbindung sorgen. “Eine Zeitung, die aussieht, als käme sie von der Stange, wird auf Dauer nicht erfolgversprechend sein”, ist der Manager überzeugt.


Karsten Grosser erklärt anhand einer Grafik, wie sich die neu gegründete Page in die Arbeit der NOZ/mh:n eingliedert.

Grosser ist studierter Mathematiker und gelernter Journalist. Er arbeitet seit über 20 Jahren bei der “NOZ” und wirkt seit der Gründung im März 2025 als operativer Leiter des Dienstleisters Page. Wenn Grosser selbst schreibt, dann über Gesellschaftsspiele. Er ist Spiele-Experte und Mitglied der Jury “Spiel des Jahres”.

Die Inhalte kommen aus den Redaktionen: Überregionales aus der Zentralredaktion in Osnabrück, Lokales von den Lokaljournalisten der unterschiedlichen Titel oder von externen Kunden. Welche Inhalte gedruckt werden und welchen Platz sie in der Zeitung erhalten, entscheiden die Redaktionen selbst. Die Editoren von Page, die auch alle ausgebildete Journalistinnen und Journalisten sind, setzen die Vorgaben um. Ihre Aufgabe ist es aber auch, Texte, Überschriften und Bilder fürs Layout anzupassen – dort, wo die Software noch nicht perfekt arbeitet.

Damit das für bis zu 300 Seiten am Tag klappt, arbeiten die Editoren der Page von morgens bis abends. Die Inhalteplanung beginnt dafür schon zwei Tage vor dem eigentlichen Erscheinungstermin. In der Page-Terminologie heißt das “ET-2”. Die Planungsredakteure entscheiden schon zwei Tage vor Veröffentlichung, was wo in der Zeitung steht. Daneben gibt es für aktuelle Ereignisse Aktualisierungsfenster – im Überregionalen betrifft das mehr Flächen als in den Lokalausgaben.

Das E-Paper als Wachstumsprodukt

Für Grosser ist besonders wichtig, dass die Ausgründung der Seitenproduktion keine Auslagerung ist. “Die Nähe zu den Redaktionen wurde erhalten oder gewonnen”, sagt er. So seien die Editoren im Zuge der Gründung von Büdelsdorf, wo sie früher in unmittelbarer Nähe der Druckerei gearbeitet haben, nach Flensburg gezogen und sitzen nun unter demselben Dach wie die Redaktion. In Osnabrück und Pinneberg ist die Nähe zu den Journalisten erhalten geblieben.

Burkhard Ewert versteht die Gründung der Page auch als Aufwertung der Seitenproduktion, bei der früher womöglich die Gefahr bestanden habe, sie als Geschäft von gestern abzutun. Die Mitarbeitenden in der Einheit seien Teil eines Dienstleisters, der für die NOZ/mh:n und für ihre externen Kunden von “immenser Bedeutung” ist, der nicht mehr schrumpfe, sondern wachse. “Für viele Verlage ist das E-Paper ein Wachstumsprodukt und ein wichtiger Umsatzbringer, was sich auch auf Sicht vieler Jahre nicht ändern wird”, ist Ewert vom Kurs der Firma überzeugt.


Chefredakteur Burkhard Ewert (rechts) interviewt im Herbst 2024 gemeinsam mit Hauptstadt-Korrespondentin Rena Lehmann (links) den damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck. (Foto: Friso Gentsch / dpa / picturedesk.com)

Ewert ist Chefredakteur der “NOZ” und Chefredakteur für Politik & Gesellschaft des Verbundes von NOZ/mh:n. Zudem ist er Geschäftsführer der NOZ/mh:n Page. Er tritt regelmäßig als Gesprächsgast in anderen Medien wie dem Deutschlandfunk auf, schreibt den Newsletter Rest der Republik und wirkt als Sprecher der “Berliner Runde”, einem Zusammenschluss von Chefredaktionen großer, regionaler Medienhäuser.

(Fotos, soweit nicht anders vermerkt: NOZ/mh:n)

Dieser Text ist Teil der Themenwoche Zeitungen bei turi2. Alle Beiträge der Reihe lesen >>>

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