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Wie hat der in Deutschland erfundene Fitness-Wettkampf Hyrox die Welt erobert, Patricia Johannes?

31. Oktober 2025

Im Jahr 2017 wurde in Hamburg der Fitness-Wettkampf Hyrox erfunden – u.a. vom früheren Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste. Heute, nur acht Jahre später, ist Hyrox ein weltweites Phänomen. Unsere Gastautorin Patricia Johannes geht im Rahmen der Themenwoche Sport der Frage nach, wie diese neue Sportart so schnell so groß werden konnte. Die Director Business Development bei september Strategie & Forschung hat tiefenpsychologische Interviews über Hyrox geführt. Ihr Ergebnis: Die Sportart trifft einen Nerv – und steht auch für eine Marketing-Erfolgsgeschichte.

Wenn Moritz Fürste, einer der Gründer und Geschäftsführer von Hyrox, über die Entwicklung seines einzigartigen und inzwischen weltweit boomenden Sportevents spricht, sitzt man unweigerlich staunend daneben. In nur wenigen Jahren ist Hyrox zu einem globalen Phänomen geworden und begeistert Millionen. Wie hat er das geschafft? Unser Talk mit Moritz – und ein Blick in unsere Studien – geben spannende Antworten.


(Foto: Wolfgang Hüffer, september Kongress 2025)

Gemeinsam stark statt einsam erschöpft

Im September war Moritz einer der Speaker auf unserem Kongress “Brave New Consumer World” unter dem Motto “Performance & Soul – der Spirit der heutigen Zeit”. Dort haben wir ausführlich über das Phänomen Hyrox gesprochen. Unsere Studien zeigen klar: Der Großteil der Menschen sehnt sich heute nach Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit. Angesichts der Dauerkrisen fühlen sich viele ohnmächtig und allein – mehr denn je.

Genau hier kommt Hyrox ins Spiel: als Motivations-Booster gegen den grauen Alltag. Das Event stiftet Stärkung, Resonanz und ein echtes Wir-Gefühl. Man trainiert, schwitzt und feiert gemeinsam – und erlebt dieses seltene Gefühl, zur gleichen Zeit dasselbe zu fühlen. Etwas, das uns im Alltag zunehmend verloren geht.

Was ist Hyrox überhaupt?
Ein Fitness-Race, bei dem jede:r mitmachen kann und so ein Teil der #HYROXFAMILY wird. Die Struktur ist simpel, aber brutal effektiv: acht 1-Kilometer-Läufe, unterbrochen von acht intensiven Workouts. Das Ziel? Das Race beenden – oder die eigene Bestzeit knacken. Ein Mix aus Adrenalin, Ehrgeiz und Teamspirit, wenn man im Double antritt. Das Highlight: An einem Race in einer der Metropolen der Welt mit anderen Hyroxern teilzunehmen.

Aus dem Gym auf die Weltbühne

Der Startimpuls war eine simple Erkenntnis aus der Fitnesswelt: Ein großer Teil der Menschen betrachtet ihr Fitness-Training als ihren Sport – nur fehlte dafür die Bühne. Hyrox schließt genau diese Lücke: eine klare Wettkampfplattform, auf der das, was Millionen im Gym trainieren, endlich messbar und vergleichbar wird.

2017 startete Hyrox in Hamburg – mit echter Straßenarbeit. Das Team klapperte Fitnessstudios persönlich ab, zahlte kleine Budgets fürs Aushängen und Verteilen, organisierte Mailings und brachte so das erste Event an den Start. Ergebnis: mehrere Hundert Teilnehmende zum Debüt. Gleichzeitig wurde früh auf eine international eindeutige, schützbare Markenführung geachtet – der heutige Name ist bewusst so gestaltet, dass er weltweit einheitlich funktioniert.

Die erste große Bewährungsprobe kam mit der Pandemie: Massenveranstaltungen waren plötzlich ein schlechtes Geschäftsmodell. Nach der Öffnung folgte die Gegenbewegung – das Format legte ein Wachstum hin, das interne Erwartungen klar übertraf.

Die Gen Y: mit Hyrox zu neuer Widerstandskraft

Kein Zufall, dass besonders die Generation Y Hyrox liebt. Nicht, weil man sie gezielt angesprochen hätte, sondern weil sie sich dort wiederfindet – mit Ausnahmen nach oben und unten (der bisher älteste Teilnehmer war übrigens 83 Jahre alt!). Unsere Generationsstudien zeigen: Kaum eine andere Generation hat den Glauben an “Wenn du dich nur genug anstrengst, schaffst du alles” so verinnerlicht. “Work hard, play hard” war ihr Lebensmotto. Doch heute? Die Realität hat diesen Glauben erschüttert: Leistung lohnt sich oft nicht mehr, Wohnträume platzen trotz Vollzeitjobs, und der einstige Fortschrittsoptimismus bröckelt.

Und trotzdem bleibt diese Generation nicht stehen. Sie sucht neue Wege, um Sinn, Verbindung und Erfüllung zu finden – jenseits von Karriereleitern und Statussymbolen. Genau hier passt Hyrox perfekt ins Lebensgefühl der Gen Y: eine Bühne, auf der man zeigen kann, was in einem steckt, ohne jemand anderem etwas beweisen zu müssen. Hier beweist man Durchhaltevermögen, ist gemeinsam stark – im übertragenen Sinne auch angesichts herausfordernder Zeiten.


(Foto: Privat)

Mehr als Fitness: Hyrox als Therapie der Ohnmacht

Unsere psychologischen Studien zeigen: Was gesellschaftlich nicht lösbar scheint, bearbeiten viele im Kleinen, im Privaten. Und Sport ist das ideale Ventil. Dabei ist Hyrox mehr als ein Workout oder YouTube-Training. “Wenn eine ganze Halle gemeinsam ans Limit geht, um sich selbst zu beweisen, dass sie nicht kleinzukriegen ist, während im Hintergrund Eminem läuft – das ist pure Gänsehaut”, beschreibt es ein Teilnehmender im tiefenpsychologischen Interview für unsere aktuelle Zeitgeiststudie. Eine gemeinsame Choreografie des Nichtaufgebens. Man spürt sich wieder. Und das tut gut.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, bei dem man den Einfluss vom Gründer und mehrfachen Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste deutlich spürt: Ein regelmäßig ausgeübter Sport macht am Ende des Tages erst durch Wettkampf richtig Sinn. Hyrox gibt dem Training ein klares “Why”.

Vom Event zum Movement

Der wahre Coup: Hyrox ist ein ganzes Universum, es lebt nicht nur von den Events. Über Urban Sports, Fitnessstudios oder CrossFit-Boxen kann man sich inzwischen in speziellen Hyrox Classes vorbereiten, für die die Studios Lizenzgebühren zahlen. Durch die Kombination von Kraft und Ausdauer auf hohem Niveau stellen diese Classes oft eine reizvolle Ergänzung zum bisherigen Programm dar.

Aus einem anfänglich bezahlten Awareness-Kanal ist ein Wachstumsmotor geworden: Heute bieten rund 9.000 Partnerstudios weltweit offizielle Hyrox-Classes an, zahlen Lizenzen und fungieren zugleich als Multiplikatoren. Studios stärken ihre Bindung und Differenzierung, Hyrox gewinnt Reichweite – und Teilnehmende erleben Zugehörigkeit bereits im Training. Ein seltener Dreifachnutzen.

Und wer einmal dabei war, weiß: Schon das Training bringt das echte Hyrox-Feeling. Kein Wunder also, dass viele Athlet:innen stolz die Hyrox x Puma-Kollektion tragen – als Statement, Teil dieser Bewegung zu sein.

Diese Kollektion ist das beste Beispiel für strategische Markenintegration: Puma war früh an Bord und hat seine Chance schnell erkannt – von Event-Shirts entwickelte sich die Kooperation weiter. Inzwischen gibt es eine gemeinsame Kollektion im Halbjahresrhythmus mit einem speziell auf das Format ausgelegten Schuh. Der Mehrwert liegt auf der Hand: passendes Produkt, hohe Sichtbarkeit am Eventtag und authentische Verankerung in der Community.


(Foto: Wolfgang Hüffer, Moritz Fürste auf dem september Kongress 2025)

Und das ist erst der Anfang

Wer Hyrox live erleben will, hat die Qual der Wahl: Von Berlin über Paris bis nach New York oder Sydney – die Locations der Hyrox-Races sind absolute Highlights. Manche sammeln die Städte wie früher Panini-Bilder – ein echter Gen Y-Move. Und der Hype ist noch lange nicht vorbei. Hyrox erfüllt unsere tiefsten Bedürfnisse: Selbstwirksamkeit, Gemeinschaft, Stärke, Zielerreichung.

Vielleicht ist genau das die Erfolgsformel unserer Zeit – nicht nur für den Sport. Hyrox zeigt, wie stark Menschen werden, wenn sie gemeinsam in Bewegung kommen – buchstäblich und im übertragenen Sinn. Es ist ein Ort, an dem man spürt: Wir sind nicht allein. Wir werden vom Gleichen berührt, wir schwingen miteinander. Diese Resonanz – das Spüren von Verbindung, wenn Hunderte im gleichen Takt atmen, kämpfen und jubeln – ist vielleicht das stärkste Gefühl, das Hyrox auslöst.

Über die Autorin
Patricia Johannes ist seit 2018 bei september Strategie & Forschung in Köln und seit 2024 Director Business Development. Sie forscht zu Marken und Menschen – von Brand Visibility über (gesellschaftliche) Trends bis hin zu den Generationen von Boomer bis Alpha.

Dieser Gastbeitrag ist Teil der Themenwoche Sport bei turi2. Alle Beiträge der Reihe lesen >>>

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