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Wie überlebt eigentlich ein Fußballreporter in der Provinz?

7. Juni 2024

Roter Teufel, schwarze Zahlen? Florian Reis hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht – und wurde vom FCK-Fan zum Fußball-Reporter. 20 Jahre lang war Florian Reis mit einer Dauerkarte im Stadion des 1. FC Kaiserslautern. Dann hat er die Dauerkarte gegen eine Akkreditierung eingetauscht – seitdem berichtet er als Sportreporter über seinen Lieblingsverein. Aber geht Fansein mit Objektivität zusammen? Und rechnet sich der Reporter-Job in der Provinz? Florian Reis, freier Sportjournalist in Maxdorf, berichtet in der Themenwoche Sport von seinen Erfahrungen.

Flo, hast du nach dem Tor in der Nachspielzeit gejubelt? Jeder Fan eines Fußballvereins würde diese Frage seines Vaters mit einem klaren Ja beantworten. Bei mir gestaltete sich das Anfang März nach einem 3:2-Sieg des 1. FC Kaiserslautern in einem richtungsweisenden Kellerduell der 2. Fußball-Bundesliga anders. Meine Antwort war nämlich: Nein. Aus gutem Grund. Ich hatte über 20 Jahre eine Dauerkarte für das Fritz-Walter-Stadion, den “Betze”, die Heimstätte des 1. FC Kaiserslautern. Seit 2017 begleite ich den Verein als Sportjournalist. Das wirft natürlich Fragen auf: Kann man über seinen Verein objektiv berichten?

Ich erachte es als Privileg, diesen Beruf auszuüben. Und ich kann die Frage nach der Objektivität mit Ja beantworten. Die Jahre in diesem Geschäft haben mich von fast jeglicher Fußball-Emotion befreit. Ganz vorne steht für mich die Wahrung der journalistischen Distanz. Bloß nicht mit irgendwem oder irgendetwas gemein machen, auch nicht mit den Roten Teufeln, die ich so lange als Fan begleitet habe. Natürlich gibt es auch mal Spiele, die einen emotional mitnehmen.

Aber auf der Pressetribüne jubeln? Auf keinen Fall.

Der Blick auf den Fußball wandelt sich als Reporter fast komplett. Anders als als Fan bekommt man mit dem Presseausweis auch die Kehrseite dieser Glamourwelt mit, wenn man nur hinsieht: Intrigen, Beleidigungen, Fehltritte. Dass der Profifußball ein eigenes Universum ist, das mit der Realität wenig zu tun hat, baut automatisch Distanz auf. Bei mir zumindest. Je mehr Einblick ich in dieses Universum bekomme, desto fremder wird es mir.

Mein Werdegang im Sportjournalismus startet erst relativ spät, 2015 beginne ich ein Sportjournalismus-Studium. Zwar wird einem dort erzählt, dass man später ziemlich leicht einen Job findet. Doch das stimmt nicht so wirklich. Nach einem Pflichtpraktikum beim „Kicker“ fange ich 2017 als freier Mitarbeiter beim Onlinemagazin „Der Betze brennt“ an. 2020 falle ich dann sozusagen in den richtigen Beruf: Bei der Deutschen Presse-Agentur wird mir der Job des FCK-Reporters angeboten. Nun, ab sofort bin ich freier Sportjournalist im Profifußball. Bald werden auch andere Zeitungen auf mich aufmerksam und ab und zu steht auch mal mein Name über oder unter den Artikeln. Seit Anfang 2024 arbeite ich zudem in der Sportredaktion der “Rheinpfalz” als Blattmacher.

Läuft doch, möchte man meinen, aber: Ich bin extrem kritisch mit mir selbst. Meine Eltern würden sagen: zu kritisch. Schon der kleinste Tippfehler in einem Artikel nervt mich tagelang. Es zehrt an mir, weil ich es ernst meine mit dem Sportjournalismus. Nicht nur deshalb rate ich anderen oft vom Schritt in diesen Beruf ab. Man muss eine Menge investieren, bevor man irgendwann mal ausreichend etwas zurückbekommt. Vor allem Geld. Das Business ist hart umkämpft. Und man konkurriert auch mit Menschen, die das Ganze nur nebenberuflich und oft gegen schlechte Bezahlung machen. So etwas ist in anderen Berufen undenkbar.

Andere Kollegen müssen sich jeden Auftrag hart, ich nenne es, ersprechen. Was ich damit meine? Dass man anders, als wenn man über den FC Bayern schreibt, ständig Themen und Formate vorschlagen muss, die von Redaktionen häufiger abgelehnt werden. Vor allem aber bin ich – wie andere, die über Vereine jenseits der oberen Ränge der Bundesliga berichten – extrem abhängig von Auf- oder Abstiegen „meines“ Vereins. Verliert der FCK an Bedeutung, verliert auch mein Wissen, mein Netzwerk und damit meine Arbeit an Attraktivität.

Sichere Zukunftsplanung ist also nicht. Richtige feste Verträge werden ja in diesem Metier nicht (mehr) gerade reichhaltig vergeben. Jeder, der einen hat, sollte froh sein. Die Halbwertszeit in diesem Beruf sinkt immer mehr. Kollegen kommen ständig hinzu, verabschieden sich aber auch schnell. Die Gründe liegen auf der Hand: keine geregelten Arbeitszeiten, kurzfristige Termine, wenn etwa mal wieder der Trainer wechselt, und Wochenendarbeit ergibt sich durch die
Spielpläne von selbst. Das müssen Freunde und Familie mitmachen. Da habe ich Glück. Mein Umfeld akzeptiert meinen Beruf und dass ich nach einem Spiel nicht sofort zum Bier greifen oder in der Stadt etwas essen gehen kann.

Allgemein ist der Zugang zum Sportjournalismus, vor allem im Fußball, schwieriger geworden. Vereine produzieren für die eigene Vermarktung Content, als Journalist bekommts du von Spielern, Trainern und Funktionären oft nur Phrasen aufgesagt. Dass es schon etwas Besonderes ist, wenn jemand aus diesem Kommunikationskonzept ausschert und seine ehrliche Meinung sagt, dann spricht das für sich.

Jetzt nehme ich also die Rolle des Beobachters und des Beurteilers an. Das Fandasein ist (fast) komplett verschwunden und wenn mal jemand mit Trikot oder Fanshirt auf der Pressetribüne auftaucht, ist mir das suspekt. Auch dass man als Reporter eines unabhängigen Mediums nicht jubelnd auf der Pressetribüne auf und ab hüpft, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber man sieht es dennoch ab und an. Und: In den vergangenen Jahren hat sich eine gewisse Selfiekultur im Sportjournalismus eingeschlichen. Bevor das erste Wort gesprochen ist, wird erst mal ein Bild mit dem Gesprächspartner gemacht. Nee, das geht eigentlich auch nicht. Andere werden sagen, dass ich auch hier wieder zu kritisch bin.

Aber vielleicht bin ich mit meinen Auftrag- und Arbeitgebern da noch in einer der privilegierteren Situationen. Ich möchte keineswegs den Stab brechen über jene, denen das Trennen von Fan-Dasein und Berichterstattung schwerfällt. Denen schon wirtschaftlich nicht viel mehr übrig bleibt, als sich von der PR-Maschinerie des Königs Fußball einlullen zu lassen. Am Ende sitzen wir alle im gleichen Boot, auch wenn wir uns über die Richtung, in die wir rudern sollten, nicht einig sind.

Hinzu kommt, dass alle, die zum Zirkus um den Fußball etwas publizistisch beitragen, gewollt oder ungewollt, irgendwann selbst in der Öffentlichkeit stehen. Jeder von uns, egal ob fest angestellter Reporter oder Teilzeitjournalist, liest Kommentare über sich im Internet, die nicht immer nett sind und oft für Kopfschütteln sorgen. Etwa, dass der Kollege doch eine persönliche Agenda gegen einen Trainer oder einen Funktionär habe. Oder Spekulationen, dass dieser oder jener Schreiber ja früher selbst in der Kurve gestanden habe. Oder gar in der Stadt geboren wurde! Ach so. Also müsse er dann automatisch positiv über den Verein berichten. Nein, eben nicht. Wer schlechte Leistungen bringt, wird kritisiert. Wer gut spielt, wird eben aber auch gelobt.

Fußball ist mehr als das Spiel. Durch Fußball entstehen Freundschaften. Man teilt gemeinsame Erlebnisse, die man sich 20 Jahre später noch erzählen wird. Anhänger, die an einem Samstag lautstark gegenüber ihrer Mannschaft protestieren, weil die Leistung schlecht war, fahren am folgenden Spieltag stundenlang durch Deutschland, um dieselben Spieler bedingungslos zu
unterstützen. Weil ich genau nachvollziehen kann, was diese Leute auf sich nehmen, nur um ihren Lieblingsverein zu unterstützen, habe ich großen Respekt vor ihnen. Auch als Reporter.

Bearbeitete Version eines Beitrags aus dem medium magazin 2/2024, Spezial: König Fußball (Paid)

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