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“Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” – TV-Klassiker feiert 50 Jahre.

4. Dezember 2025

Maul- und Klauenseuche am Drehort, klirrende Kälte: Es waren einige Probleme zu überwinden, bis einer der zauberhaftesten Märchenfilme im Kasten war, schreibt Alexander Brüggemann in unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit der KNA veröffentlichen. Ohne den tschechisch-deutschen Klassiker “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” fehlt in vielen deutschen Wohnzimmern zu Weihnachten etwas. Auch noch nach 50 Jahren zieht er Millionen vor den Fernseher.

Von Alexander Brüggemann (KNA)

Zum Jahresende sitzt ein ganzes Volk vor dem Fernseher und guckt Märchen. Es soll Tschechen geben, die meinen, Weihnachtsfeiertage seien ohne diesen Film zwar möglich, aber sinnlos. Und auch im einst geteilten Deutschland sind sich seit 50 Jahren viele einig: Das Märchen “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” aus der gemeinsamen Werkstatt der Defa (Deutsche Film AG) und der tschechoslowakischen Filmstudios in Prag-Barrandov ist vielen sogar wichtiger als Kartoffelsalat oder Weihnachtsgans. Die “drei Nüsse” gehören fest zum Fest. Anfang 1973 gedreht hatten sie vor 50 Jahren ihre deutsche TV-Premiere – am 20. Dezember 1975 in der DDR und am 26. Dezember im Westen.

Die “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”, basierend auf einer frechen Bearbeitung des Grimmschen Märchens “Aschenputtel” durch die tschechische Schriftstellerin Bozena Nemcova (1820–1862), ist für immer auch mit der damals 20 Jahre jungen Hauptdarstellerin Libuse Safrankova (1953–2021) verbunden. Gedreht wurde unter anderem in Schloss Moritzburg bei Dresden; mit Pavel Travnicek (heute 75) als Prinz und dem Thüringer Rolf Hoppe (1930–2018) als König.

Schreckliche Stiefmutter

Ein Schimmel, ein Hund und eine Schmuckschatulle, die von der Eule Rosalie bewacht wird – das ist alles, was Aschenbrödel nach dem Tod ihres Vaters geblieben ist. Den Gutshof hat ihre schreckliche Stiefmutter (Carola Braunbock) an sich gerissen. Sie und ihre leibliche Tochter erniedrigen das Aschenbrödel nach Kräften und behandeln sie wie eine Magd. Doch so deprimierend bleibt es nicht.

Regisseur Vaclav Vorlicek (1930–2019) ließ Aschenbrödel und ihren Prinzen durch sanfte Landschaften reiten. Dass sie romantisch verschneit waren, war ein Wunsch der Defa. Der schnöde Grund: Die Defa-Arbeiter waren für den Sommer bereits ausgebucht. So wurde also im Winter gedreht; bei bis zu minus 17 Grad – und unter sehr unterschiedlichen Schneeverhältnissen an Schloss Moritzburg und im Böhmerwald.

Erfrischend keck und witzig geht es im Film zu; und die Heldin ist keineswegs ein Piepken Doof vom Lande, das erst durch den Prinzen quasi emporgehoben wird. Aschenbrödel darf schießen, reiten und auf Bäume klettern. Es tritt überhaupt sehr selbstständig auf und wird auch selbst mit der bösen Stiefmutter fertig; na ja, wenn auch am Ende mit Hilfe dreier Zaubernüsse.

Künstler in die Märchenwelt

Die so geliebten tschechoslowakischen Märchenfilme der 70er und 80er Jahre wurden von exzellenten Leuten gedreht, die zuvor auch großartige “richtige” Filme verantwortet hatten. Filme, wie sie nach dem abrupten Ende des politischen Prager Frühlings 1968 nicht mehr gemacht werden durften: Sie wären von vornherein an der Zensur gescheitert. So wichen die Künstler in die Märchenwelt aus.

Dass der bis dahin hinter dem Eisernen Vorhang unbekannten Freiheit der Filmkunst plötzlich ein Riegel vorgeschoben wurde, daran waren auch die orthodoxen Kulturwächter aus der Ulbricht-DDR beteiligt. Dort fürchtete man die ideologische Sprengkraft aus dem “befreundeten” Nachbarland. “Der Zynismus feiert Orgien”, schrieb 1968 die “Nationalzeitung”, zentrales Blatt einer DDR-Blockpartei, über die “gefährlichen Filme” aus der CSSR.

Nach 1969 war damit Schluss. Die Regisseure wurden in der sogenannten Normalisierung mundtot gemacht; einige gingen ins Exil. Andere sattelten um ins “unverfängliche” Märchengenre. Ihnen verdanken die Tschechen auch heute noch mindestens 83 Minuten ihrer Weihnachtsunterhaltung.

Drehbuch unter Pseudonym

Das gilt auch und vielleicht vor allem für den Drehbuchautor, Frantisek Pavlicek. Seine Werke wurden nach dem Prager Frühling verboten; also schrieb er die Haselnüsse unter Pseudonym. Nach der Wende, da war er schon 66, machte man Pavlicek 1990 noch zum Institutsdirektor des Tschechoslowakischen Rundfunks. Eine späte Rehabilitation.

2021 trauerten die Tschechen dann um ihr “Aschenbrödel”. Safrankova starb mit nur 68 Jahren. Über ihren größten Erfolg hatte die Künstlerin nicht groß sprechen wollen – wie sie generell sehr zurückhaltend war. Einmal aber verriet sie, dass sie den Film zu Weihnachten noch nie gesehen habe. Das liege an den Traditionen ihres katholischen Elternhauses. An diesem Fest bleibe in der Familie das Fernsehen prinzipiell aus.

Wir halten also fest: Nicht ganz sämtliche Tschechen schauen zu Weihnachten die Haselnüsse… Dafür gibt es im Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland im Dezember diverse Sendetermine; an Heiligabend sogar im Ersten. Und seit Mitte November bis Ende Februar findet wie jedes Jahr auf Schloss Moritzburg eine Winterausstellung zum Film statt.

TV-Termine “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” 2025

Sonntag, 7. Dezember, 16.25 Uhr, RBB
Sonntag, 14. Dezember, 17.25 Uhr, MDR
Sonntag, 21. Dezember, 12.40 Uhr, HR
Mittwoch, 24. Dezember, 12.50 Uhr, Das Erste

ardmediathek.de (83-Min-Film in der Mediathek)

(Foto: MDR/WDR/Degeto)

Dieser Text ist Teil unserer neuen Lese-Reihe “NewsKNAcker”: Alle 14 Tage veröffentlicht turi2 ein Lese-Stück aus dem Ticker der Nachrichten-Agentur KNA – im Wechsel mit der Medienkolumne Kurz und KNAckig.
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