artcount
  • News
  • Sport
  • themenwochen
  • Köpfe
  • Jobs
  • Termine
  • edition
  • podcast
  • werben bei turi2
  • suchen auf turi2
  • FAQ
  • werben bei turi2
  • Team
  • Newsletter
  • themenwochen
  • Köpfe
  • Firmen
  • Termine
  • Edition
  • podcast
  • turi2.tv
  • turi2 folgen
  • Partner
  • RSS-Feed
  • Datenschutz
  • Impressum

“Ich gestehe mir mittlerweile zu, an meinem Job zu zweifeln” – Isabell Beer über Elite und Resilienz im Journalismus.

3. Dezember 2022

 
Probieren geht über studieren: Investigativ-Journalistin Isabell Beer hält nicht viel vom elitären Selbstbild des Journalismus. Für Funk recherchiert sie undercover im Netz – bereut es dabei nicht, nie studiert zu haben. Im Interview mit turi2-Redakteurin Nancy Riegel wünscht sie sich, dass die Redaktionen offener für junge Menschen werden und Nachrichten in einfacher Sprache nicht nur der “Bild” überlassen. Es gebe in der Branche viel Schönes, auch wenn ihr Job sie gelegentlich an ihre Grenzen bringt.
 

 
Isabell, du hast einmal im turi2 Clubraum erzählt, dir hätten schon mehrfach Arbeitgeber vorgeworfen, keinen Uni-Abschluss zu haben. Hast du in deiner täglichen Arbeit wirklich Nachteile dadurch?
 
Nein. Meine Recherchen drehen sich ja um Themen wie sexualisierte Gewalt und Drogen – was hätte ich da studieren sollen? Toxikologie? Nein, dafür kann ich mir ja Experten zur Seite holen.

Du hast im Boulevard, beim “Berliner Kurier”, volontiert. Würdest du das im Nachhinein noch einmal so machen?

Ja, schon. Mir wurde zwar auch schon geraten, ich solle das Volo verschweigen. Aber ich habe mich dafür nie geschämt. Die Ausbildung war sehr wertvoll, mir wurde viel geholfen und erklärt, vor allem, wie man Wichtiges auf wenig Platz sehr verständlich zusammenfasst.

Könntest du jetzt noch mal zurück in den Boulevard gehen?

Es ist schwer, bei Boulevard-Medien investigativ zu recherchieren, weil die meisten Redaktionen unterbesetzt sind. Wenn ich wüsste, das Blatt geht gut mit den Menschen um – sowohl mit Protagonistinnen als auch mit den Mitarbeitenden –, könnte ich es mir prinzipiell schon vorstellen. Es ist schade, dass wir es zu oft der “Bild” überlassen, Nachrichten in einfacherer Sprache zu bringen. Davon bräuchten wir viel mehr.

Verprellt sich der Journalismus mit seinen elitären Vorgaben gute junge Leute?

Man traut jungen Menschen nicht zu, nach der Schule ohne Studium Journalist zu werden – und wundert sich dann, dass man junge Menschen nicht mehr erreicht. Es reicht aber nicht nur, Nicht-Akademikerinnen einzustellen, sondern Redaktionen müssen auch ein Umfeld schaffen, in dem man sich wohl fühlt. Als ich ein Praktikum bei der “Zeit” gemacht habe, habe ich gefühlt die Hälfte nicht verstanden. Wegen der ganzen Fremdwörter und Fachbegriffe habe ich mich dumm gefühlt – und das darf nicht passieren.

Du bist bei deinen Funk-Recherchen undercover unterwegs, gleichzeitig sieht man dich bei YouTube und hört dich in Podcasts. Wie passt das zusammen?

Sichtbarkeit ist schon enorm wichtig, etwa bei Social Media. Ich hatte am Anfang meiner Laufbahn tatsächlich Angst, vergessen zu werden. Und diese Angst war sehr real, ich habe mehrfach keine Antwort auf Themenvorschläge erhalten, obwohl es zuvor hieß, man wolle unbedingt weiter mit mir zusammenarbeiten. Deswegen bewerbe ich mich auch immer wieder auf Journalisten-Preise. Die sagen nichts über meine Arbeit als Journalistin aus, aber sie machen meine Arbeit sichtbar.

Wie schützt du dich in den sozialen Medien?

Wichtig ist, nicht die privaten Profile bei Recherchen zu benutzen. Ich habe auch kürzlich aufgehört, Kommentare zu mir unter meinen Videos zu suchen. Was bringt es mir denn, einen beleidigenden Kommentar über mein Aussehen zu lesen? Dinge wie Drohungen und Dickpics zeige ich natürlich an. Auch, wenn es nicht unbedingt zu einer Verurteilung kommt, setze ich damit ein Zeichen, dass man mir nicht alles an den Kopf werfen kann.

Verlierst du bei den Themen, die du bearbeitest – sexualisierte Gewalt, Spanner, Drogen, Frauenhasser – nicht manchmal den Glauben in die Menschheit?
 
Während der Spanner-Recherche war ich auf jeden Fall paranoid, weil ich gesehen habe, dass es vermeintlich ganz normale Menschen waren, die da Kameras an öffentlichen Orten installiert haben. Ich suche bis heute öffentliche Toiletten ab, bevor ich sie benutze. Bei der Incel-Geschichte habe ich mich gefragt, welche Männer in meiner Umgebung, in der U-Bahn oder im Supermarkt, vielleicht ebenfalls Frauen kategorisch hassen. Was mir hilft, sind Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen und psychologisches Coaching, wenn ich merke, es wird mir zu viel.

Was lernt man bei einem solchen Coaching?

Eine gesunde Distanz zu einem Thema zu bewahren. Und mit den Dingen umzugehen, die man während einer solchen Recherche sieht oder erlebt. Ich habe Techniken gelernt, wie ich das Gesehene noch mal vorm inneren Auge aufrufen kann und dann die Emotionen zulasse, die ich während der Arbeit unterdrücke, weil ich so im Arbeitsmodus bin. So haben auch die Albträume, die ich eine Zeitlang hatte, wieder aufgehört. Und ich setze mir Regeln, beispielsweise fange ich keine neue Recherche zu sexualisierter Gewalt an, bevor ich die letzte nicht verarbeitet habe.

Du bist noch nicht mal 30 und hast jetzt schon mit der psychischen Belastung zu kämpfen. Kannst du deinen Job wirklich dein Leben lang machen?

Ich gestehe mir mittlerweile zu, an meinem Job zu zweifeln. Er kann sehr anstrengend und einfach nur scheiße sein. Durch diese Ehrlichkeit mir gegenüber habe ich aber gemerkt: Ich will genau das machen, denn es gibt in dieser Branche viel Schönes. Seien es die Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Dinge, die ich sonst nicht erleben würde. Ich kann diesen Job aber nur machen, solange ich auf meine psychische Gesundheit achte.

Isabell Beer, Jahrgang 1994, volontiert nach dem Abitur beim “Berliner Kurier” und hospitiert bei der “Zeit”. Seit 2019 arbeitet sie im Recherche-Team von Funk, dem jungen Medienangebot von ARD und ZDF. 2021 veröffentlicht sie ihr Buch “Bis einer stirbt” über die Online-Drogenszene.

Dieses Interview ist Teil der Agenda-Wochen von turi2: Bis zum 18.12. blicken wir jeden Tag auf die Themen, die die Kommunikationsbranche zum Jahreswechsel bewegen.

    • “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” – TV-Klassiker feiert 50 Jahre.

      Maul- und Klauenseuche am Drehort, klirrende Kälte: Es waren einige Probleme zu überwinden, bis einer der zauberhaftesten Märchenfilme im Kasten war, schreibt Alexander Brüggemann in unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit der KNA veröffentlichen. Ohne den tschechisch-deutschen Klas...
      weiterlesen
    • “Wir sind keine Bittsteller” – Wie die Vorstände Matthias Ditzen-Blanke und Stefan Hilscher den BDZV jetzt aufstellen.

      Wer Mitte September den Kongress der Zeitungsverleger und Digital-Publisher in Berlin besucht hat, konnte Aufbruchstimmung und Geschlossenheit erleben. Selbst der Dauerstreit mit dem ÖRR um Presseähnlichkeit scheint vor der Mammut-Aufgabe der Plattformregulierung in den Hintergrund zu rücken. Ge...
      weiterlesen
    • Kurz & KNAckig: Warum ein langjähriger Springer-Manager im Verwaltungsrat “beim ZDF niemanden mehr groß in Wallung bringen” dürfte.

      Wird Christian Nienhaus, lange hochrangiger Springer-Manager, bald Mitglied im Verwaltungsrat des ZDF? Wenn man einer Meldung von “Medieninsider” glauben mag, ist das nicht ganz unwahrscheinlich. Entsprechend groß ist die Aufregung, u.a. beim DJV, der vor einer Auflösung der Trennung...
      weiterlesen
    • 50 Jahre Abrafaxe: Ein Besuch beim Kult-Comic aus der DDR.

      Seit Jahrzehnten reisen die Abrafaxe durch Raum und Zeit – von der DDR-Zeit bis heute. Zum Jubiläum erscheint die 600. Ausgabe des “Mosaik”. Matthias Jöran Berntsen hat für unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit dem KNA-Mediendienst veröffentlichen, die Schaffenswerksta...
      weiterlesen
    • Doppelte Zweitverwertung: Sportdokumentationen bei Sendern und Streaming-Portalen.

      Streaming-Portale und Sender setzen zunehmend auf Sportdokumentationen, auffallend sind die vielen seriellen Formate. Medienwissenschaftler Dietrich Leder schreibt in seiner Analyse für epd Medien, viele dieser Dokumentationen seien nicht im eigentlichen Sinne dokumentarisch, vielmehr werde meis...
      weiterlesen
    • Kurz und KNAckig: Warum wir nicht alle im selben digitalen Omnibus sitzen.

      Mit ihrem “Digitalen Omnibus” will die EU nicht weniger als Digitalregulierung grundlegend überarbeiten und vereinfachen. Ziel ist es, verschiedene bestehende Regelungen u.a. zu Datenschutz, Datennutzung und KI in einem einheitlichen Rahmen zusammenzuführen. Doch leider gelingt das n...
      weiterlesen
    • Geschichten schreiben, die die KI nicht kann: “NOZ”-Chefredakteur Burkhard Ewert über digitale Erfolge, politische Vorwürfe und historische Vergleiche.

      Die “Neue Osnabrücker Zeitung” und die Blätter der Medienholding Nord schaffen es inzwischen, ihre Redaktionen durch die Einnahmen aus digitalen Abo-Modellen zu finanzieren, freut sich Chefredakteur Burkhard Ewert im turi2 Podcast. Für ihn ist das ein “wichtiger Meilenstein...
      weiterlesen
    • Gedenken auf Tiktok: Wenn alte Erinnerung junge Menschen erreicht.

      Weniger Pathos und klarere Worte – das fordert Susanne Siegert. Ihre Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit auf Social Media ist preisgekrönt. Mit Siegerts Account @keine.erinnerungskultur auf TikTok und Instagram hat sich Paula Konersmann für unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit dem...
      weiterlesen
    • Wie hat der in Deutschland erfundene Fitness-Wettkampf Hyrox die Welt erobert, Patricia Johannes?

      Im Jahr 2017 wurde in Hamburg der Fitness-Wettkampf Hyrox erfunden – u.a. vom früheren Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste. Heute, nur acht Jahre später, ist Hyrox ein weltweites Phänomen. Unsere Gastautorin Patricia Johannes geht im Rahmen der Themenwoche Sport der Frage nach, wie diese neue Spo...
      weiterlesen
    • Wäre ein US-Streamer nicht zeitgemäßer als ProSieben gewesen, um den Padelsport in Deutschland populär zu machen, Jonathan Sierck?

      Ein großer Quoten-Hit war die “Promi Padel WM” bei ProSieben Mitte des Monats nicht. Der Marktanteil beim Gesamt-Publikum war mit knapp über 3 % mau, in der jungen Zielgruppe mit 9,3 % aber immerhin solide. Jonathan Sierck, CEO von PadelCity, ist in seinem Gastbeitrag für turi2 denno...
      weiterlesen

    Artikel-Navigation

    ← turi2 am Abend: Julia Ruhs, Sportdigital, Rammstein. turi2 am Morgen: Martin Baron, Padelsport, Julian Reichelt. →

Werktags um 7 und 17 Uhr die wichtigsten News aus Medien, Marketing und PR als Newsletter. Jetzt abonnieren!

Loading...

Suchen auf turi2.de

Banner turi2 Themenwoche
Impressum, Datenschutz, Mediadaten, FAQ, RSS-Feed, Termine
Dieses Blog läuft mit WordPress