“Nur eine Frage” – Warum “Zeit”-Chefredakteur Jochen Wegner einen neuen Podcast startet.
17. September 2025
“Zeit”-Chefredakteur Jochen Wegner hat noch lange nicht “alles gesagt”. Er startet heute das multimediale Interview-Format “Nur eine Frage”. “Wir laden die besten Expertinnen und Experten ein, die wir finden können, um Antworten auf besonders einfach klingende, aber schwer zu beantwortende Ja-Nein-Fragen zu finden”, erklärt Wegner im Interview mit turi2 im Auftakt des Podcasts, der künftig alle zwei Wochen erscheint – zum Hören, als Video und in Auszügen auch auf zeit.de und gedruckt. Die ersten beiden Ausgaben liegen bereits vor – zu den Fragen “Gibt es mich wirklich?” und “Ist die Rente sicher?”.
Jochen Wegner, Chefredakteur der “Zeit”, ich hätte ja gedacht, Sie hätten in Sachen Podcast inzwischen “alles gesagt”. Jetzt starten Sie aber doch noch mal was Neues und haben “Nur eine Frage” – trägt eine Frage einen ganzen Podcast lang?
Ich fürchte und hoffe: ja! Wir laden die besten Expertinnen und Experten ein, die wir finden können, um Antworten auf besonders einfach klingende, aber schwer zu beantwortende Ja-Nein-Fragen zu finden. Bei “Alles gesagt?” nenne ich sie “Kinderfragen”. Zum Beispiel “Können Maschinen denken?”, “Ist Demokratie die beste Staatsform?”, “Zerstört das Internet die Demokratie?”, aber auch eher Konkretes wie “Ist die Rente sicher?” – oder: “Braucht Deutschland die Atombombe?”. Im Grunde ist “Nur eine Frage” also ein kleines Beiboot von “Alles gesagt?”.
“Alles gesagt?” ist ja sozusagen ein Marathon-Podcast. Ist “Nur eine Frage” im Vergleich dazu eher der Sprint?
Bei “N1F” höre ich einfach auf, wenn ich das Gefühl habe, die Antwort endlich verstanden zu haben. Das dauert, habe ich nun herausgefunden, meistens ein, höchstens zwei Stunden, aber zum Glück nicht acht oder neun. “Nur eine Frage” ist also deutlich kürzer als die durchschnittliche Vorstellung der Gäste am Anfang von “Alles gesagt?”.
Die erste Folge dreht sich um die Frage “Gibt es mich wirklich?” – haben Sie während der Produktion kurz mal an der eigenen Existenz gezweifelt?
Die Antwort des Bewusstseins-Forschers Anil Seth ist ja sehr eindeutig: Es gibt mich nicht. Wer jemals eine Vollnarkose hatte und von einem Moment auf den anderen aus- und wieder angeschaltet wurde, fragt sich vielleicht auch, ob das Erleben der eigenen Existenz wirklich mehr ist als eine sehr geschickte Simulation des Gehirns. Warum es dieses “Ich” überhaupt gibt und wie genau es entsteht, ist völlig unklar.
Ihr Ziel ist es, am Ende ein “Ja” oder “Nein” zu bekommen. Wie sind Ihre Erfahrungen, klappt das im Gespräch mit Forschenden?
Ja.
Mit Monika Schnitzer, der Chefin des Sachverständigenrats für Wirtschaft, diskutiert Jochen Wegner über die Frage “Ist die Rente sicher?” (Foto: Die Zeit)
Sie erscheinen diesmal nicht nur im Ohr, sondern auch im Bild – wie verändert das Genre Video einen Podcast?
Fundamental. Manche Gäste bleiben entspannt, viele sind davon aber merklich beeinflusst und sprechen anders. Auch ich selbst habe eine andere Sprechhaltung, wenn eine Kamera im Raum ist. Man braucht länger, bis alle die Aufnahmesituation vergessen. Wir versuchen deshalb, den Aufbau für das Video so klein wie möglich zu halten. Video-Podcasts sind so populär, dass wir das einfach einmal konsequent ausprobieren wollten.
Zusätzlich gibt es einen Newsletter. Fehlt nur noch eine Rubrik in der gedruckten “Zeit”, dann ist “Nur eine Frage” ein 360-Grad-Produkt. Ist das der nächste Schritt?
Die meisten Gespräche transkribieren wir auch und veröffentlichen sie auf zeit.de, das eine oder andere Interview wird auch gedruckt. “Gibt es mich wirklich?” zum Beispiel erscheint auch auf einer Seite im Ressort “Wissen” der aktuellen “Zeit”.
Wie läuft die Monetarisierung? Startet der Podcast hinter der Paywall – Sie sind ja ziemlich erfolgreich mit Ihrem Podcast-Abo – oder gibt es den Podcast für die Hörerschaft kostenfrei und mit Werbefinanzierung?
Neue regelmäßige Formate starten wir in aller Regel offen, um zunächst auf eine gewisse Reichweite zu kommen, der Podcast wird auf unseren Kanälen und den Plattformen also ganz normal vermarktet. Als Video-Podcast ist “Nur eine Frage” zudem Teil des neuen Partnerprogramms von Spotify. Für unser Haus ist das der erste Test, wir sind gespannt, wie es funktioniert.