Ist Corona der Sargnagel für die Globalisierung, Monika Schaller?


Weltumspannend: Monika Schaller empfindet Forderungen, die Globalisierung zurückzudrehen als “Spiel mit dem Feuer”. Für die Kommunikations-Chefin von Deutsche Post DHL ist die Vernetzung der Welt ein Garant für Frieden und Wohlstand. Ihr Gastbeitrag ist Teil der turi2 edition #13. Sie können das Buch hier als kostenloses E-Paper lesen oder gedruckt bestellen.

Wenn man den Unkenrufen der Kritiker glauben mag, ganz sicher. Seit Jahren werden ihre Stimmen lauter. Das gescheiterte TTIP-Abkommen, der Brexit oder der Handelsstreit zwischen den USA und China sind mahnende Vorboten, dass die Stimmung kippt.

Doch der Ruf nach Deglobalisierung ist ein Spiel mit dem Feuer. Denn wer die internationale Zusammenarbeit und den weltweiten Austausch zurückdrehen will, legt die Axt an all das, was unser heutiges Leben lebenswert macht. Aus drei Gründen.

Erstens, weil Globalisierung Frieden bringt. Eine Stanford-Studie aus dem Jahr 2014 legt den Zusammenhang zwischen wachsenden Handelsbeziehungen und dem Rückgang militärischer Aktivitäten in den letzten 100 Jahren nahe. Die Bereitschaft zur Lösung von Konflikten mit militärischen Mitteln könnte im Zuge einer Deglobalisierung zunehmen. Am härtesten würde es die schwächsten Länder der Welt treffen – diejenigen, die heute in ihrer Entwicklung am stärksten vom “globalen Dorf” profitieren.

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Zweitens, weil Globalisierung Wohlstand bringt. In der Summe ging es der Menschheit noch nie so gut wie heute. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist seit 1960 um etwa 20 Jahre gestiegen, die Wirtschaftsleistung pro Kopf hat sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt, und die Zahl der Analphabeten ist weltweit zurückgegangen. Je mehr die Welt ihre Grenzen für den Handel öffnet und den Austausch von Waren, Ideen und Dienstleistungen zulässt, desto größer werden die Chancen – für alle.

Drittens, weil wir die großen globalen Herausforderungen nur gemeinsam bezwingen werden. Die Pandemie zeigt einmal mehr: Die am stärksten vernetzten Länder kommen am besten durch die Krise – nicht diejenigen, die sich isolieren. Weltweite Zusammenarbeit ist die Lösung, nicht das Problem. Das gilt für den Klimawandel wie für Covid-19: Ohne weltumspannende Kooperation von Forschern, Herstellern und Logistikern würde etwa ein wirksamer Impfstoff sehr viel länger auf sich warten lassen. Trotz all der genannten Vorteile steht außer Frage, dass die Globalisierung, wie wir sie heute leben, auch Schwächen hat. Das größte Problem ist die ungleiche Verteilung der Gewinne. Hier müssen wir umsteuern. Zukünftiges Wirtschaftswachstum muss fair verteilt sein. Dann profitieren alle von der Idee einer globalisierten Welt.

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