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“Nachhaltigkeit wird zum Business-Case” – KPMG-Partner Goran Mazar über grünes Reporting und Chancen für Unternehmen.

15. Februar 2024

Grünes Gewissen: Neben finanziellen Bilanzen kontrollieren Wirtschafts­prüfer wie KPMG auch die Nachhaltig­keits­bestrebungen von Unter­nehmen. Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD, müssen in Zukunft 15.000 statt bisher 500 Firmen in Deutschland Nach­haltig­keits­berichte erstellen. Goran Mazar, German Head of ESG bei KPMG, sagt im Interview mit turi2, dass dies nicht nur einen großen Aufwand für die Firmen bedeutet, sondern auch eine Auswirkung auf die Außen­wahrnehmung hat. “Greenwashing geht nicht mehr. Das muss jetzt schon alles robust sein.” Er sieht aber auch Chancen für die Wirtschaft: “Unter­nehmen, die sich mit Nachhaltig­keit auseinander­setzen, steigern ihre Resilienz.”

Interview: Nancy Riegel
 
Sie sind seit über 20 Jahren Strategieberater und seit 2021 als German Head of ESG bei KPMG Experte für Nachhaltigkeit in großen Unternehmen. Wie ist Ihre Erfahrung: Ist Nachhaltigkeit für CEOs Herzensprojekt oder Leidensthema?
Nachhaltigkeit ist von einem kommunikativen Thema – ich möchte mich als Unternehmen differenzieren – zu einer operativen und finanziellen Fragestellung geworden. Es wird immer häufiger direkt im Vorstand verankert, entweder beim CFO oder CEO. Laut unserer Erhebung haben 63 % der Unternehmen Nachhaltigkeit auf dem Top-Management-Level verankert. Wir sind in einer Phase der exponentiellen Auswirkungen durch die Umwelt- und Sozialkrisen – denken wir an die Klimakrise mit trockenen Flüssen, auf denen kein Material transportiert werden kann. Oder an die Halbleiterindustrie und Batteriefabriken, die sehr viel sauberes Wasser in Trinkwasserqualität brauchen. Nachhaltigkeit hat eine strategische produkt- und kundenverändernde Wirkung.
 

Glossar
ESG steht für Environmental, Social and Corporate Governance. ESG-Kriterien sind eine Bewertung der nachhaltigen und ethischen Praxis von Unternehmen
CSRD steht für Corporate Sustainability Reporting Directive. Die Richtlinie erweitert die Nachhaltigkeitsberichterstattung Non-Financial Reporting Directive (NFRD), die seit 2014 gilt. Die CSRD ist seit 2023 in Kraft und gilt ab dem Geschäftsjahr 2024. Sie gilt für alle großen Unternehmen in der EU, schätzungsweise 15.000 allein in Deutschland. Dabei geht es nicht nur um den Wasserverbrauch und den CO2-Ausstoß eines Werks, sondern auch um soziale Komponenten wie Menschenrechte und Diversität

 
Rückt Nachhaltigkeit in den Hintergrund, wenn die Wirtschaft durch Krisen schwächelt?
Es fängt jetzt an, dass Nachhaltigkeit etwas kostet. Aber es bringt nichts, wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen, denn es ist die faktische Realität. Extreme Wetterereignisse nehmen immer mehr zu, ebenso wie Verschmutzung. Unternehmen, die sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen, steigern ihre Resilienz. Und ein großer Teil der Führungskräfte erkennt darin Umsatzpotenziale. ESG wird zum Business-Case: Wie kann ich Produkte und Services entwickeln oder bestehende Produkte verbessern, damit ich weiterhin attraktiv bleibe? Drei der fünf größten E-Autobauer kommen beispielsweise mittlerweile aus China, nicht aus Deutschland. Das hat eine direkte Auswirkung auf unser Bruttoinlandsprodukt und damit auf die Wettbewerbsfähigkeit.

Wie sieht es in Branchen aus, die keine solchen Produkte herstellen – wie können diese von Nachhaltigkeit profitieren?
Die Frage ist: Wie sieht mein Unternehmenswert aus, wenn ich nichts für Nachhaltigkeit mache – und wie, wenn ich etwas mache? Thema Fachkräftemangel: Über 40 % der Universitätsabgänger sagen, für sie ist es ein Einstellungskriterium, wie ein Unternehmen mit Nachhaltigkeit umgeht. Auch für uns bei KPMG ist es ein wichtiges Thema, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein.

Lassen sich Umwelt-Kriterien eines Unternehmens wie Emissionen, Wasserverbrauch und Müll für Wirtschaftsprüfer genauso stichhaltig überprüfen wie finanzielle Bilanzen?
Hier wird es sicherlich noch eine Entwicklung geben. Zunächst müssen wesentliche Punkte definiert werden, von Biodiversität über Dekarbonisierung hin zu Diversität. Einerseits die Frage: Was ist wesentlich für mich als Unternehmen? Wenn ein produzierendes Unternehmen sehr stark abhängig ist von Wasser, dann hat das Thema eine sehr hohe Wesentlichkeit für mich. Auf der anderen Seite die Frage: Was kann ich als Unternehmen für Umwelt- und Sozialthemen tun, beispielsweise durch Reduktion des CO2-Ausstoßes. Dann läuft es ähnlich ab wie bei der finanziellen Berichterstattung: Man schaut sich qualitative und quantitative Kennzahlen an und die Prüfer stellen sicher, dass sie vollständig, ausgewogen und wahrheitsgemäß sind.
 

Goran Mazar,
Jahrgang 1973, ist Partner und seit 2021 German & EMA Head of ESG beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. Bevor er 2009 zu KMPG kam, war der studierte Betriebswirt u.a. als Berater bei seiner eigenen Consulting-Firma und beim Tourismuskonzern Thomas Cook tätig

 
In Deutschland mussten bisher 500 Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte erstellen, in Zukunft werden es 15.000 sein. Welche Branchen betrifft das vor allem?
Viele sind aus der Energiebranche oder aus dem produzierenden Gewerbe, sei es Prozess- und Chemieindustrie, Maschinenbau und Automobilhersteller. Auch Banken und Versicherungen sind dabei. Für die betroffenen Unternehmen ist es ein zusätzlicher Arbeitsaufwand von 20 bis 40 Prozent von dem, was sie heute schon leisten müssen.

Bricht dort jetzt Panik aus?
Es lastet ein sehr hoher Druck auf den Unternehmen. Sie müssen ja nicht nur zum Thema Nachhaltigkeit berichten, sondern auch zur Unternehmensführung, sowohl auf deutscher als auch auf europäischer Ebene. Das ist schon ein dickes Brett, was Unternehmen hier bohren müssen, vor allem für Mittelständler.

Gibt es überhaupt genügend Wirtschaftsprüfer, um den Bedarf zu decken? Und sind sie dahingehend ausgebildet, Nachhaltigkeits-Komponenten zu prüfen?
KPMG investiert massiv in die Ausbildung der Mitarbeitenden. Wir haben auf verschiedenen Ebenen Trainings eingezogen, u.a. Flagship-Trainings mit der Cambridge Universität und der European Business School. Dazu kommen noch Spezial-Trainings.

Das ESG-Reporting ist lästige Pflicht: Wie können Unternehmen das für ihre Kommunikation nutzen?
Wenn ich mit Kunden eine Medienanalyse mache, sind sie oft überrascht: In einigen Branchen ist es so, dass 40 bis 60 Prozent der Medienpräsenz von Unternehmen einen Bezug zu ESG-Themen hat. Medien interessieren sich also für die Nachhaltigkeitsbestrebungen von Unternehmen. Somit hat das ESG-Reporting natürlich auch eine Auswirkung auf die Außenwahrnehmung. Es wird auch immer mehr investigativen Journalismus in diese Richtung geben und NGOs, die Unternehmen auf die Finger klopfen. Greenwashing geht nicht mehr. Das muss jetzt schon alles robust sein. Wichtig ist für die Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen auch zu kommunizieren. Wir bereiten gerade für ein großes produzierendes Unternehmen die CSRD mit vor und sammeln dort 1.900 Datenpunkte. Wenn die Firmen die Daten nicht für ihre Kommunikation nutzen, wäre das verschenkt.

Können die neuen Richtlinien helfen, Greenwashing einzudämmen?
Es ist jetzt klar definiert, was alles zu ESG gehört. Das führt auch dazu, dass der Fokus der Medien und der Gesellschaft konkreter wird, sodass nichts mehr unberechtigterweise grün angemalt werden kann.

Welchen Effekt wird das auf die Nachhaltigkeitsbilanz Deutschlands haben – ein Tropfen auf dem heißen Stein oder tatsächliche Verbesserungen?
Es muss eine Kombination aus Regulatorik und Industriepolitik sein. Wir haben eine unglaubliche Transformation vor uns. Damit diese gelingen kann, könnte Deutschland Nachhaltigkeitsbestrebungen von Unternehmen mehr fördern sowie verständlicher und transparenter gestalten. Man braucht in Deutschland viel Expertise, um bei den Förderrichtlinien durchzublicken. Das ist für mich keine gute Förderpolitik. Und es braucht ein starkes Narrativ: Wo wollen wir hin? Was wollen wir als Deutschland erreichen? Wollen wir führend sein in grünen Technologien? Dann braucht es gezielte Förderungen, und zwar nicht wie bisher im Klein-Klein.

Foto: KPMG

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