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turi2 edition #15: Michaela Hammels Tour an die “Alps”-Verlagsspitze.

22. September 2021

Bergab, bergauf: Die Karriere von “Alps”-Verlegerin Michaela Hammel beginnt weitab von Graten und Gämsen. Bevor die Alpen in ihr Berufsleben kommen, ist sie u.a. Anzeigenleiterin der Frauenzeitschrift “Madame”. Heute hofft sie, den Leserinnen mit ihrem eigenen Magazin “einen Traum mit nach Hause” geben zu können – und führt es trittsicher durch alle Höhen und Tiefen.

Von Tatjana Kerschbaumer

Aufgewachsen ist Michaela Hammel in einem Ort, der gerade mal 89 Meter über null liegt: in Riedstadt-Goddelau in Südhessen. Zum Glück nimmt ihre Mutter, eine gebürtige Allgäuerin, Hammel oft mit in die alte Heimat, so dass die Bergliebe doch nicht ganz auf der Strecke bleibt. Zumindest beruflich hat Hammel mit Graten und Gämsen aber lange nichts zu tun. Nach einer Lehre zur Verlagskauffrau beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt arbeitet sie unter anderem bei der Mediaagentur Campus und ist später Anzeigenleiterin der “Madame”.

Dann stolpert “Alps” in ihr Leben. Die damalige Verlegerin Andrea Lindner-Varasteh will das Magazin 2015 verkaufen. Als Hammel davon erfährt, kommt sie so elektrisiert nach Hause, dass ihr Mann denkt, sie habe einen Geist gesehen. Sie hat Lust auf die Herausforderung – wenn auch nicht ganz so viel Ahnung. “Ich musste richtig lernen, wie so ein Heft geht”, sagt sie heute. Das Anzeigengeschäft beherrscht sie aus dem Effeff, für die Gestaltung und den journalistischen Part holt sie sich Unterstützung, aber auch Mitinvestoren an die Seite.

Viermal im Jahr gibt “Alps” seitdem den Leserinnen “einen Traum mit nach Hause”, sagt Hammel. Das ist ihr Anspruch: “Bergwelten” soll sich um weltweite Klettertouren kümmern, “Alpin” sich an die extremen Kraxler richten. “Alps” stehe eher für alpine Lebensart – und sucht deshalb einfache, aber leckere, alte Rezepte aus den Alpen oder lässt sich die Lebensgeschichte eines Südtiroler Senners erzählen. Und “Alps” ist bei aller Tradition durchaus umtriebig. Unter dem Magazinlogo tummeln sich ein erfolgreicher Instagram-Account, mit dem Blog wanderlust.cc aus Wien gibt’s eine Kooperation und die Heftrubrik “Weekender”, die schöne Ausflugsziele für ein Wochenende vorstellt, soll sich bald in ein kleines Buch verwandeln. “Mehr Gas geben” will Hammel außerdem künftig sowohl bei Sport-Themen als auch bei der Zusammenarbeit mit Hotels. Manche haben sich schon ganze Kundenmagazine vom “Alps”-Team erstellen lassen, etwa die Sonnenalp im Allgäu.

“In diesem kleinen Team ist so viel Bewegung drin – wenn ich es erzähle, wird es mir erst richtig bewusst”, sagt Hammel. Auch von Corona lässt sich die Verlegerin nicht unterkriegen: 2020 bietet sie ihren Hotelkunden zum Beispiel an, Anzeigen in Gutscheinen zu bezahlen. Diese Gutscheine wiederum können Bergfans beim Klassik Radio kaufen, mit dem “Alps” eine Kooperation eingegangen ist. Zack, weg sind sie.

Dass die Auflage des gedruckten Hefts heute nur noch 25.000 bis 30.000 Stück beträgt, sei zwar einerseits schade, sagt Hammel, aber auch keine große Überraschung: Der Markt für Outdoor- und Bergmagazine ist hart umkämpft, Print schwächelt seit Jahren. Umso wichtiger, sich rechtzeitig zu bewegen – und zum Beispiel demnächst mit einem Podcast gegenzusteuern.
Wie lang sie mit “Alps” noch unterwegs bleiben will? Hammel lacht und kreuzt dann energisch die Finger: “Solange es mir Spaß macht, mache ich weiter.” Am Berg stehen zu bleiben war eben noch nie eine gute Idee.

Foto: “Alps”

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #15 über Bewegung. Hier das kostenlose E-Paper lesen!

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