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turi2 edition #15: “Mehr Zeit für das ‘Wir’ planen.”

1. Oktober 2021

Schmetterling und Blüte: Margit und Klaus Dittrich führen ein Leben auf dem Sprung. Sie ist Coach und Netzwerkerin, er Chef der Messe München und damit Gastgeber der Auto-Ausstellung IAA. Ihr Beziehungsgeheimnis: gute Planung. Und hin und wieder gemeinsame Treffen am Flughafen.

Von Anne-Nikolin Hagemann

Stellt Klaus Dittrich seine Frau vor, muss er sich ermahnen, nicht zu viele Superlative zu verwenden. Also sagt er: “Sie liebt Menschen und erkennt viel mehr in ihnen als andere. Wenn wir in einem Straßen-Café sitzen, erzählt sie mir, was die Leute beschäftigen könnte, die gerade vorbeigehen.” Margit Dittrich sagt über ihren Mann: “Er ist ein Mensch, der immer für etwas kämpft, mit einer Beständigkeit, die mir fehlt. Der Ruhepol in meinem Leben, gleichzeitig immer in Bewegung.”

Als Coach für Führungskräfte ist es für Margit Dittrich eigentlich ein No-Go, sich in einen Kunden zu verlieben. Doch vor zwölf Jahren arbeitet sie zusammen mit Klaus Dittrich von der Messe München. Als das gemeinsame Projekt abgeschlossen ist, macht es “Bumm”, wie sie sagt. Wenn Klaus Dittrich von einem besonders guten Rat erzählt, den sie ihm gegeben hat, sagt er manchmal “mein Coach” statt “meine Frau”.

Margit Dittrich wollte nie nur “die Frau von” sein, ein Leben als hübsches Anhängsel liegt ihr nicht. Sie wächst im Chiemgau auf, mit einem strengen Vater und klaren Schubladen: Ein Mädchen hat lange Haare, hübsche Kleider, wenig Karriereaussichten. Mit 14 schneidet sich Margit zum ersten Mal die Haare kurz. Sie macht eine Banklehre, studiert, geht zur Commerzbank nach Leipzig. Dort wird sie Führungskraft und Coach.

Einmal präsentiert sie mit zwei Kollegen ein gemeinsames Projekt vor dem Vorstand. Sie bereitet den Raum vor, den Projektor, die Getränke. Die Kollegen erscheinen erst kurz vor der Präsentation, gehen direkt danach. Während sie aufräumt, kommt der CEO zurück und sagt: “Ich weiß, wer die ganze Arbeit gemacht hat.” Jahre später wird ihr klar, wie sehr sie dieser Moment prägt. Sie lernt: Die Leistung von Frauen wird zu oft nicht gesehen. Und: Manchmal braucht es den Blick von außen, um sich über sich selbst klar zu werden. Es ist der Moment, in dem sie beschließt zu kündigen. Heute berät sie Top-Executives und ist Mitgründerin des Netzwerks “Frauen verbinden”, das Frauen im Management in der Wirtschaft sichtbarer machen und branchenübergreifend vernetzen will.

Als Klaus Dittrich vor mehr als 40 Jahren ein Studium der Germanistik und Politik in München beginnt, mit Willy Brandt als Idol und Begeisterung fürs “Mehr-Demokratie-Wagen”, hätte er nicht gedacht, dass er einmal an der Spitze eines internationalen Unternehmens stehen und für 1.500 Mitarbeiterinnen verantwortlich sein würde. Er arbeitet beim DGB, wird Mitglied verschiedener Aufsichts- und Verwaltungsräte, sitzt in den 90er Jahren im Münchner Stadtrat. 2002 tritt Klaus Dittrich in die Geschäftsführung der Messe München ein, 2010 wird er Chef. Unter seiner Führung wächst das Unternehmen zum Global Player.

Margit und Klaus Dittrich führen ein Leben auf dem Sprung. Unterwegs kommen sie am besten zur Ruhe. Sie auf langen Zugfahrten, “wenn ich meinen Geist ausschalten darf”. Er auf Langstreckenflügen: “Da oben sitzen, die Weite sehen und in Ruhe nachdenken. Diese Räume habe ich sonst zu wenig.” Vor Corona sehen sich die Dittrichs manchmal nur ein-, zweimal die Woche, verabreden sich einmal sogar am Flughafen, er ist gerade gelandet, sie kurz vor dem Start. Die Zeit miteinander wird da umso wertvoller. Er lernt von ihr Leichtigkeit. Sie von ihm, dass man mit Ruhe und Struktur immer eine Lösung findet. Sie sagen: Sie ist der Schmetterling und er die Blüte, auf der sie immer wieder landet.

Beide haben Veränderung zu ihrem Beruf gemacht. Sie im Kleinen, er im Großen. “Ich habe den Antrieb, Menschen zu entwickeln”, sagt Margit. “Auf den Messen werden Dinge, die morgen die Welt verändern werden, oft zum ersten Mal gezeigt”, sagt Klaus.

Dass er seinen regulären Ruhestand im Januar 2021 schon vor Corona auf den Juli 2022 hinausgeschoben hat, bereut er “keine Sekunde”. Trotz mehrerer Hundert Millionen Umsatzverlust, Sparprogrammen, dem Abbau jeder vierten Stelle. “Natürlich lässt mich das nicht kalt”, sagt Klaus Dittrich. Aber er sieht es als seine Aufgabe, “das Unternehmen gestärkt aus der Krise herauszuführen”. Die Internationale Automobil-Ausstellung IAA versucht 2021 in München einen Neuanfang: Nicht nur auf dem Messegelände, sondern in der ganzen Stadt soll die Mobilität der Zukunft gezeigt werden, autonomes Fahren, alternative Antriebe, Fahrzeuge mit zwei und vier Rädern, auf der Straße und in der Luft. Eine Herausforderung schon ohne Corona.

Privat erwischt Covid-19 die Dittrichs nach fast einem Jahr Lockdown. Der fühlt sich zuerst nach Herausforderung an – “Wir haben noch nie so viel gemeinsame Zeit unter einem Dach verbracht!” – dann spüren sie: Sie können einander Ruhe geben in harten Zeiten. Kurz vor Weihnachten 2020 erkranken beide, vier Wochen ernste Symptome.

Dass sie beide in ihren Traumjobs arbeiten, sagt Klaus Dittrich, sei ein Privileg. Und eine Bedrohung. Die Dittrichs haben sich vorgenommen: Weniger die Gesundheit aufs Spiel setzen, mehr Schlaf, mehr Sport. Und: “Mehr Zeit für das ‘Wir’ planen.” Gut Planen, sagen sie, sei ein Erfolgsgeheimnis ihrer Beziehung. Vor Jahren haben beide jeweils in ein kleines Buch geschrieben, was sie vor dem Tod noch miteinander erleben wollen. Kleine Dinge: Margit möchte die Schmetterlinge im Botanischen Garten sehen. Größere: Klaus möchte eine Saison lang eine einsame Berghütte führen. Und ganz Große: Margit möchte ein kleines Hotel in Südfrankreich kaufen. Manchmal blättern sie darin und schauen, was sie noch abhaken müssen. Hinter Schmetterlingen und Hotel ist schon ein Haken.

Foto: Stephanie Wolfsteiner

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