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turi2 edition #16: Wie lange müssen wir noch auf all die Erfindungen warten, die einmal die Welt retten sollen, Franziska Brandmann?

10. Januar 2022

Bleibt optimistisch: Weder das Internet noch Elektro-Autos hätten die Menschen vor 30 Jahren für möglich gehalten, meint Franziska Brandmann. Die FDP-Politikerin und Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen schreibt in ihrem Gastbeitrag für die turi2 edition #16 über die “Kraft der Innovation” und warum sie der Menschheit zutraut, die Welt zu retten.

Von Franziska Brandmann

Als ich 1994 geboren wurde, schrieb mein Vater gerade seine Dissertation. Er war der erste in seiner Familie, der studiert hat. Der Bafög-Höchstsatz ermöglichte es ihm, seiner Leidenschaft nachzugehen: dem wissenschaftlichen Forschen. Laut Wikipedia gab es damals drei Millionen Internet-Rechner auf der ganzen Welt. Meinem Vater gehörte keiner davon. Auf einer Art besserer Schreibmaschine tippte er Satz für Satz seiner Dissertation, durchforstete händisch Bibliotheken und Archive nach Quellen, fertigte Sicherungen seiner Arbeit auf Disketten an.

Hätte jemand meinem Vater damals gesagt, dass er keine 30 Jahre später täglich mit dem Internet verbunden wäre, dass er mit einer unüberblickbaren Fülle von Informationen in seiner Jackentasche ausgerüstet, mit einem Auto mit Elektroantrieb über die Autobahn fahren würde – ich bin mir sicher, er hätte denjenigen mit einem müden Lächeln bedacht, ihn für verrückt erklärt.

Ähnliche Reaktionen erleben heute Menschen, die voller Optimismus und Zuversicht auf die Kraft der Innovation verweisen, wenn sie mit den aktuellen Krisen und Herausforderungen konfrontiert werden. Die alarmiert sind, aber überzeugt bleiben, dass es besonders Krisen sind, die Innovationen schaffen. Ich weiß nicht, welche Lösung wann für welche Herausforderung gefunden wird. Aber ich weiß: Noch nie war der Raum für die Forschung so weit, die Bereitschaft, zu handeln, so groß, die Dringlichkeit, Lösungen zu finden, so präsent.

Täglich sind wir bereits von Erfindungen umgeben, die für viele Menschen einer Weltrettung gleichkommen. Wir nehmen diese nicht mehr als Erfindungen wahr, weil sie uns selbstverständlich erscheinen. “Erfindungen”, das vermittelt vielen das befremdliche Bild eines verrückten, tüftelnden Forschers in einem überfüllten Labor – dabei sind Erfindungen das Resultat harter, zuverlässiger Arbeit von Menschen, die jeden Tag daran mitwirken, unsere Welt besser zu machen. Schon heute. Die schnelle Entwicklung mehrerer, zuverlässiger Impfstoffe gegen das Coronavirus zeigt, dass wir bereits in der Lage sind, die Welt zu retten. Wir müssen nicht mehr warten.

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #16 über Nachhaltigkeit

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