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turi2 edition #18: Wann kommt der nächste Finanzcrash, Georg Meck?

11. Juli 2022

Moneten-Propheten: Vom Auf und Ab der Börse profitieren vor allem die Schwarzseher, die mit der Angst der Kundschaft ein hübsches Sümmchen machen, schreibt Georg Meck im Gastbeitrag für die turi2 edition #18. Der Chefredakteur von “Focus Money” warnt davor, statt in Aktien in Kartoffeln zu investieren – denn auch das üppigste Gemüsebeet sei nicht so ertragreich wie ein Depot.

Von Georg Meck

Der nächste Crash kommt bestimmt. Wie der Blitz zum Donner gehört und die Krise zum Boom, so gibt es keine Börse ohne gelegentlichen Absturz der Kurse. Dumm nur, dass niemand genau weiß, wann es so weit ist. So wie es zum Mysterium der Finanzmärkte gehört, dass niemand vorherzusagen weiß, wo genau das Unheil passiert, bevor es tatsächlich eintritt.

Finanzkrisen haben die fiese Eigenschaft, immer dort aufzutreten, wo sie niemand vermutet. Sonst würden all die schlauen Regulierer, Aufseher und Politiker das Verderben ja abwenden. Tun sie aber nicht, allenfalls höchst selten. Nur hinterher sind immer alle schlauer.

Und weil das so ist, hat sich der Berufsstand der Crash-Propheten herausgebildet – Bescheidwisser, die von der Illusion leben, der großen Meute den entscheidenden Schritt voraus zu sein. Ein krisensicheres Gewerbe mit dem unschlagbaren Vorteil, dass irgendwann eintritt, wovor die Propheten permanent warnen.

Wie gesagt, irgendwann geht es immer mal runter an der Börse, das ist dann der Moment des Triumphes der Schwarzseher. Bis es so weit ist, leben sie vom Heulen und Zähneklappern ihrer Gefolgschaft. Darauf lässt sich ein hübsches Geschäftsmodell bauen, im politischen Betrieb ebenso wie im kommerziellen Bereich. Monetarisiert wird die Furcht der Kundschaft durch den Handel mit Goldbarren oder Büchern, im Idealfall mit beidem. Da tun sich Synergieeffekte auf.

Latenter Antikapitalismus trifft auf Verschwörungstheorie – darauf lässt sich ein Vermögen errichten. Für die Crash-Propheten wohlgemerkt, nicht für ihr Publikum.

Wer aus Angst vor dem Crash lieber in Kartoffeln investiert als in Aktien, macht selten ein gutes Geschäft. Das eigene Gemüsebeet, und sei es noch so schön anzuschauen, trägt in aller Regel weniger Früchte als ein ETF-Depot, das das wachsende Produktivvermögen der Welt abbildet. Bisher hat die kapitalistische Wirtschaftsordnung noch jeden Schock weggesteckt. Selbst von Kriegen erholt sich die Börse erstaunlich schnell. Und wer im Corona-Crash Aktien gekauft hat, darf sich heute glücklich schätzen. Denn so sicher wie der Absturz folgt auf das Gewitter die Sonne. Der nächste Börsenboom kommt bestimmt.

(Foto: Michael Tinnefeld für “Focus Money”)

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #18 Kapital – alle Geschichten hier im E-Paper:

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