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turi2 edition #18: Monika Müller über Geld und Gefühle.

10. Juli 2022

Sicherheit, Schmutz, Macht: Was Geld uns bedeutet, ist so individuell wie ein Fingerabdruck, ist Finanzpsychologin Monika Müller überzeugt. Im Interview mit Anne-Nikolin Hagemann in der turi2 edition #18 sagt sie, dass Geld schon immer mehr “Kommunikations-, nicht Tauschmittel” war. Auf die Frage, ob Geld glücklich macht, empfiehlt sie einen einfachen Selbsttest.

Von Anne-Nikolin Hagemann

Was macht das Thema Finanzen spannend für eine Psychologin?

Auf den ersten Blick hat das nicht viel miteinander zu tun: Zahlen, Daten, Fakten der Finanzwelt – und die Psychologie, bei der es immer um Emotion geht. Aber: Was wir fühlen, wissen und denken, übertragen wir aufs Geld. Geld ist eine Projektionsfläche für alles, was wir uns wünschen oder was wir ablehnen.

Was Geld für uns bedeutet, ist also individuell?

So individuell wie ein Fingerabdruck. Jeder von uns hat ein komplett eigenes Muster, was er oder sie mit Geld verbindet. Es gibt da kein „normal“. Sicherheit, Freiheit, Druck, Schmutz, Macht – es gibt nichts, was Menschen nicht auf Geld übertragen. Beim Anblick der gleichen Zahlen auf dem Kontoauszug oder einem Preisschild fühlt sich der eine vielleicht reich, der andere arm.

Trotzdem nutzen wir Geld als gemeinsame Währung, legen Preise, Wechselkurse, Steuersätze fest, die für alle gelten. Ist das nicht paradox?

Wir drücken uns über Geld aus. Wir sagen damit, was uns etwas wert ist, was wir in eine Beziehung reingeben wollen. Wir Menschen haben Geld als Ressource erfunden, die uns alle verbindet – als Kommunikations-, nicht als Tauschmittel. Geld gab es schon lange, bevor es die uns bekannte Wirtschaft gab. 

Was war Geld dann, wenn kein Tauschmittel?

Sein sozialpsychologischer Ursprung ist älter als das Konzept des Tauschens und Handelns: In Gemeinschaften hat man den sozialen Status einer Person mit einem Geltungsstück an der Kleidung signalisiert. Geld war also damals schon Statussymbol. Auch ein Honorar war ursprünglich eine Ehrengabe für eine Leistung – und nichts, was vorher als Gegenwert für diese Leistung ausgehandelt und festgelegt worden ist. Und keine Religion kommt ohne das Thema Geld aus: Schuld, Opfer, Gaben… Das alles hatte mit Wirtschaft lange nichts zu tun. Ist aber immer noch in uns drin.

Was prägt unsere Beziehung zu Geld noch?

Jede Lebenserfahrung ab dem Punkt, in dem es in unser Leben tritt. Nachdem wir auf die Welt gekommen sind, nehmen wir uns, was wir brauchen – oder wir schreien, bis wir es bekommen. Bei jedem gibt es einen Punkt, an dem das kippt. Zum Beispiel: Wenn ein Kind zum ersten Mal mit im Supermarkt ist, einen Apfel greifen möchte wie zuhause und der Vater sagt: „Den müssen wir erst bezahlen.“ In dem Moment lernt es: Erst Geld, dann zufrieden. Solche Erfahrungen reihen wir aneinander wie eine Perlenkette, mit Milliarden verschiedener Kombinationsmöglichkeiten. Daraus entsteht unsere innere Geld-Landkarte.

Wie kann ich diese Erkenntnis für meine Geldgeschäfte nutzen?

Bevor ich die nächste Entscheidung treffe, sollte ich diese Landkarte erstellen. Mithilfe einer Mind-Map, eines Tagebuchs oder einfach, in dem ich am Ende jedes Monats neben jeden Kontoauszug schreibe, wie es mir geht.

Aber sollten Emotionen wirklich meine Finanzentscheidungen leiten?

Das tun sie immer, ob ich will oder nicht. Wichtig ist, sich das bewusst zu machen, um sachlich mit Zahlen und Fakten umgehen zu können. Ärgere ich mich über eine Zahl in meiner Bilanz, kann ich das als Impuls nutzen und fragen: Was will ich nächsten Monat ändern, damit ich mich nicht mehr ärgere? Oder ich erkenne: Ich selbst will genau so weiter leben – und meine Gefühle sind nur gelernt, weil mir meine Eltern beigebracht haben, dass am Ende des Monats so und so viel Geld übrig sein muss. Anlageentscheidungen müssen zu mir und meinen Bedürfnissen passen, damit es gute Entscheidungen sind.

Wie oft sollte ich meine Beziehung zum Geld infrage stellen?

Wenn sich die Lebenssituation ändert, lohnt es sich, bestehende Entscheidungsmuster zu überdenken – selbst wenn man damit bisher ganz gut gefahren ist. Wenn Paare Eltern werden und gemeinsam für die Zukunft des Kindes planen. Wenn jemand sich selbstständig macht und plötzlich viel häufiger Entscheidungen treffen muss. 

Macht Geld glücklich?

Jeder sollte in Gedanken mal spüren: Wie geht es mir ohne, mit viel, mit wenig Geld? Wenn ich mich mit und ohne Geld glücklich, sicher und wertvoll fühlen kann, habe ich das volle Entfaltungspotential. Es gibt Menschen, die trauen sich nicht ohne Bargeld aus dem Haus. Andere trauen sich nicht, über ihr Gehalt zu sprechen, weil sie sich als reich oder arm nicht wertvoll für die Gesellschaft fühlen. All das schränkt uns ein.

Macht Geld frei?

Nein. Aber 90 Prozent der Menschen haben das gelernt. Dabei kann ich zum Beispiel beim Trading an der Börse erst dann die geldbringenden Entscheidungen treffen, wenn ich meine gefühlte Freiheit nicht ans Geld kopple.

Wären Sie eigentlich gerne Millionärin?

Ich hab mich vor mehr als 20 Jahren selbstständig gemacht. Da habe ich über manche Ideen gedacht: Das machst du, wenn du die erste Million verdient hast. Dieser Gedanke hat zum Glück nur ein paar Sekunden gedauert. Dann habe ich entschieden, ab sofort alle Entscheidungen so zu treffen, als ob ich schon Millionärin wäre. Inzwischen bin ich es, das ist aber irrelevant. Aber diese Entscheidung war dafür wegweisend.

(Foto: PR)

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #18 Kapital – alle Geschichten hier im E-Paper:

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