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turi2 edition #18: Warum sind die Deutschen so besessen vom Geld, Nils Minkmar?

20. Juni 2022

Nach uns die Geldflut: Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam in Deutschland die Sehnsucht nach Stabilität – und damit nach dem Geld, beobachtet Autor und Historiker Nils Minkmar. Heute sind Geldscheine “symbolisch völlig überfrachtet”, schreibt er im Gastbeitrag für die turi2 edition #18. Doch er kennt ein Gegenmittel.

Von Nils Minkmar

Die deutsche Sache mit dem Geld ist keineswegs rational, obwohl das Thema als vernunftgesteuert, informationsgetrieben und objektiv verhandelbar eingeschätzt wird. Ein deutscher Staatsmann wie Helmut Kohl, der persönlich nicht auf das große Geld aus war, versank in einem Skandal, weil er meinte, politische Sicherheit mit schwarzen Kassen garantieren zu müssen. Auch sein Nachfolger Gerhard Schröder verlor seinen guten Ruf auf der Suche nach Geld, in diesem Falle aus den Kassen Putins. Beide Männer agierten im Rahmen einer Kultur, in der finanzielles Kapital gleichbedeutend ist mit einem Schutz vor der Geschichte.

Das Geld fuhr nach dem Zweiten Weltkrieg in die Seele der Deutschen. Die damals lebenden Menschen waren dem Tod von der Schippe gesprungen und misstrauten so ziemlich der ganzen Welt. Antiamerikanismus war ebenso verbreitet wie der Antikommunismus. Die deutschen Verbrechen und die Tatsache, dass Deutschland den Krieg verloren hatte, untergruben jede verlässliche weltanschauliche Orientierung. Es gab nur noch die D-Mark und die in den Familien spukenden Geschichten aus der Zeit der Hyperinflation. Damit, so der von der Geschichtswissenschaft längst widerlegte, aber immer noch weiter erzählte Schluss, habe das Unglück angefangen, dass das Geld nichts mehr wert gewesen sei.

Später, bei der Wiedervereinigung, war diese Gemeinsamkeit durchaus ein wichtiger Faktor. Die Menschen in der ehemaligen DDR hatten weltanschaulich sicher manche Differenzen zu ihren Brüdern und Schwestern im Westen, aber den Wert stabilen Geldes sahen auch sie. Es ist in dieser postmodernen, postideologischen und nicht mehr besonders religiösen Welt die eine Größe, auf die sich alle einigen können. Selten, dass seine Macht auf das eigene Leben einmal hinterfragt wird.

Wenn gutverdienende KollegInnen mal wieder über ihre Aktien, Immobilien und damit verbundenen Ängste reden, befremdet sie der Hinweis, dass den meisten Menschen eher die Lebenszeit ausgeht als das Geld. Auf Gesten der Großzügigkeit folgen oft nagende Selbstzweifel: Hält man mich nun für einen Angeber, wenn ich einfach so das Mittagessen zahle, mir nicht einmal einen Steuerbeleg ausstellen lasse? Wenn ich Geld an andere in der Familie überweise, die weniger haben – nehmen die mir das vielleicht übel?

Das deutsche Geld ist symbolisch völlig überfrachtet. Besessenheit nannte man in der Vormoderne die Heimsuchung einer Seele durch Dämonen – höchste Zeit, diesen Komplex mit den Mitteln der Kultur aufzuklären.

(Foto: Rodion Minkmar)

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #18 Kapital – alle Geschichten hier im E-Paper:

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